Elmshorn : "Wir brauchen mehr Kinderärzte"

Als Folge dieses  Unfalls erlitt ein Kind aus der Familie von Kai-Olaf von Wolff   einen Schock.
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Als Folge dieses Unfalls erlitt ein Kind aus der Familie von Kai-Olaf von Wolff einen Schock.

Ist die Notfallversorgung nicht ausreichend? SPD-Politiker Kai-Olaf von Wolff sieht erheblichen Verbesserungsbedarf.

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14. November 2013, 12:00 Uhr

Es war eine schlimme Geschichte: Vier Kinder und ihre schwangere Mutter waren in Elmshorn in einen Autounfall verwickelt. Schwer verletzt wurde zum Glück niemand. Die anschließende Behandlung nimmt Familienvater Kai-Olaf von Wolff nun aber zum Anlass, sich für eine bessere kinderärztliche Versorgung in und um Elmshorn einzusetzen.

Die Familie wurde vom Rettungsdienst sicherheitshalber ins Elmshorner Regio-Klinikum gebracht, nachdem alle bereits am Unfallort von der Notärztin versorgt worden waren. In der Klinik stellte sich heraus, dass eines der Kinder einen Schock erlitten hatte. „Meine Tochter fing an zu zittern und konnte nicht mehr sprechen“, sagt Wolff. Der Arzt habe dem zehnjährigen Mädchen nicht helfen können. Dafür sei ein Facharzt nötig, habe er gesagt. Er habe es per Rettungswagen in die Kinderklinik ins Pinneberger Krankenhaus geschickt.

„Ich verstehe nicht, weshalb der Arzt dem Kind nicht einmal ein Beruhigungsmittel gegeben hat“, ärgert sich von Wolff. „Der Arzt hat aus medizinischer Sicht richtig gehandelt“, stellt Sebastian Kimstädt, Sprecher der Regio-Kliniken, klar. „Der Einsatz von Medikamenten bei Kindern sollte durch Kinderärzte angeordnet werden. Deswegen hat der Arzt das Kind im Rettungswagen nach Pinneberg verlegen lassen.“ In Pinneberg sei sein Kind behandelt worden, allerdings sei es in der Klinik sehr voll und die Wartezeit lang gewesen, berichtet Wolff.

Kimstädts Fazit: „Die Versorgung der Kinder in unserer Notaufnahme in Elmshorn und die Verlegung des einen Kindes in unsere Kinderklinik nach Pinneberg hat gut funktioniert. Wir nehmen aber jede Beschwerde zum Anlass, unsere Arbeit zu überprüfen und wenn nötig zu verbessern.“ Kimstädt bestätigt jedoch, dass außerhalb der Öffnungszeiten der Arztpraxen der Andrang in der Kinderklinik in Pinneberg oft sehr groß ist.

Nach Erfahrung von Wolff und seiner Frau Larisa fahren viele Eltern deshalb bei Notfällen gleich ins Universitätskrankenhaus Eppendorf oder in die Klinik nach Itzehoe. „Die kinderärztliche Versorgung ist in Elmshorn und Umgebung generell schlecht. Wir brauchen mehr Kinderärzte“, meint Wolff.

Wolff, der für die SPD im Kollegium sitzt, will deshalb über den Ortsverein seiner Partei eine Initiative für eine bessere Versorgung starten. Beginnen möchte er mit einem Bürgertreff, um zu erfahren, ob seine Einschätzung von anderen Müttern und Vätern geteilt wird. Als zweiten Schritt plant er eine Infoveranstaltung mit Vertretern der Politik, der Regio-Kliniken und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV).

Verteilung der Kinderärzte im Kreisgebiet ist nicht ideal

Es habe allerdings bereits Verbesserungen gegeben, erinnert Kimstädt. Vor fünf Jahren hätten die Regio-Kliniken in Pinneberg eine Klinik für Kinder- und Jugendmedizin mit 14 Betten und angeschlossener Intensivstation für kranke Neugeborene und Frühchen ab der 32. Schwangerschaftswoche eingerichtet. Darüber hinaus hätten die Regio-Kliniken gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung vor zwei Jahren in Pinneberg eine kinderärztliche Anlaufpraxis eingerichtet, die am Wochenende und an Feiertagen zwischen 10 und 16 Uhr geöffnet ist. „Auch damit entsprachen wir dem Wunsch der Eltern in der Region. Beide Schritte haben zu einer deutlichen Verbesserung der kinderärztlichen Notfall-Versorgung im Kreis Pinneberg geführt“, sagt Kimstädt.

Denn mehr niedergelassene Kinderärzte im Kreis Pinneberg wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Das macht Marco Dethlefsen, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein deutlich: „Laut Bedarfsplanung ist der Kreis Pinneberg sogar deutlich überversorgt.“ Die Bedarfsplanung wird vom „Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen“ erstellt. Der Ausschuss ist zu gleichen Teilen mit Vertretern der Krankenkassen und der Ärzte besetzt. Nach dieser Bedarfsplanung sind die 20 Kinderärzte im Kreisgebiet rechnerisch sogar 6,5 Ärzte zu viel.

Allerdings ist die Verteilung der Kinderärzte im Kreisgebiet nicht ideal. In der mit rund 50 000 Einwohnern größten Stadt des Kreises, Elmshorn, gibt es gerade einmal drei Kinderärzte. Fünf sind es dagegen in Pinneberg. Die übrigen Kinderärzte im Kreis Pinneberg: Barmstedt (2), Halstenbek (1), Quickborn (2), Schenefeld (2), Tornesch (1), Uetersen (1) und Wedel (3). „Die Zulassung gilt für den gesamten Kreis Pinneberg. In welchem Ort sich die Ärzte niederlassen, können sie selbst entscheiden“, sagt Dethlefsen.

Nun hängt es davon ab, ob Kai-Olaf von Wolff mit seiner Initiative Erfolg hat. Sollte beispielsweise in Elmshorn eine kinderärztliche Anlaufpraxis nach Pinneberger Vorbild eingerichtet werden, wären auch die Regio-Kliniken mit im Boot. „Sollte die KV den Bedarf einer ähnlichen Einrichtung in Elmshorn sehen, würden wir dafür in der Klinik Räume zur Verfügung stellen“, kündigt Kimstädt an.

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