Windkraft: Flaute im Kreis Pinneberg

Düstere Aussichten: Nur 22 Megawatt Strom haben die 15 Windräder im   Kreis 2011 produziert.  Viel mehr wird  es  voraussichtlich auch in Zukunft nicht werden.  Foto: Schönstedt
Düstere Aussichten: Nur 22 Megawatt Strom haben die 15 Windräder im Kreis 2011 produziert. Viel mehr wird es voraussichtlich auch in Zukunft nicht werden. Foto: Schönstedt

Kritik des Bundesverbandes: Mit 15 Windrädern geringster Ausbau im Bundesland Schleswig-Holstein

shz.de von
24. August 2012, 07:44 Uhr

Kreis Pinneberg | Heute vor 25 Jahren drehten sich an der Nordseeküste die Rotoren im ersten Windenergiepark Deutschlands. Und ausgerechnet zu diesem Jubiläum muss sich der Kreis Pinneberg Kritik des Bundesverbands Windenergie gefallen lassen. "Böse Zungen könnten behaupten, im Kreis Pinneberg sei die Bürgerbeteiligung an der Energiewende nicht gewollt", sagt Nicole Knudsen, Öffentlichkeitsbeauftragte für den Bereich Schleswig-Holstein.

Ihre Kritik meißelt sie in Zahlen: 15 Windräder im Kreisgebiet haben im vergangenen Jahr 22 Megawatt Strom erwirbelt. "Damit liegt der Kreis Pinneberg sehr weit zurück. Pinneberg ist der Kreis mit dem geringsten Ausbau der Windenergie", sagt Knudsen. Sie nennt zum Vergleich den Nachbarkreis Steinburg: Dort rotieren 224 "Mühlen" mit einer Stromausbeute im vergangenen Jahr von 304 Megawatt.

In ganz Schleswig-Holstein sind 2648 Windkrafträder am Netz, in das sie im vergangenen Jahr 3200 Megawatt Strom kurbelten und so dazu beitrugen, dass ungefähr die Hälfte der Bruttostromversorgung des Landes mittlerweile aus erneuerbaren Energien stammt.

Die Kritik des Windenergie-Verbandes bringt die Kreisverwaltung aber nicht gerade ins Rotieren. "Mit 664 Quadratkilometern haben wir die kleinste Fläche aller Kreise in Schleswig-Holstein und sind mit 305 000 Einwohnern am dichtesten besiedelt", sagt Kreis-Sprecher Marc Trampe. Zudem sei der Kreis mit seinen vielen Städten sehr urban geprägt und habe daher nur bedingt Flächen für die Ausweisung von Windparks zur Verfügung. Neben den 72 Hektar für die zwei bestehenden Windparks in Uetersen und Raa-Besenbek gebe es keine weiteren Flächen für den Ausbau der Windenergie. Flaute herrscht "jedenfalls solange das Land seine Richtlinien bezüglich Abstandsflächen und Landschaftsschutz nicht ändert", so Trampe.

Jüngst erst habe der Kreis aus Landschaftsschutzgründen eine negative Empfehlung für eine von Uetersen beantragte Erweiterung des bestehenden Windparks aussprechen müssen. Bei der gerade laufenden Neuzuweisung von Flächen hat der Kreis lediglich 25 weitere Hektar beantragt, um das Repowering in Raa-Besenbek zu ermöglichen, wo neuere und höhere Windräder künftig effizienter Strom produzieren sollen.

Der Kreis Pinneberg hat keine Flächen - aber eine Hochseeinsel. "Und die wird gerade zur ersten Offshore-Service-Insel der Welt umgebaut", trumpft Trampe auf. Die Gemeinde Helgoland baut wie berichtet zurzeit einen Servicehafen für die drei Offshore-Parks vor der Küste. In punkto mangelndes Engagement für erneuerbare Energien nimmt die Kreisverwaltung dem Bundesverband den Wind aus den Segeln: "Hätten alle Kreise in Deutschland so eine Siedlungsstruktur wie der Pinneberger, würde es bundesweit überhaupt keine auf Land erzeugte Windkraft geben", betont Marc Trampe.

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