Elmshorn : Wieder Ärger in den Horror-Hochhäusern

Die Hochhäuser von Vonovia in der Beethovenstraße in Elmshorn.
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Die Hochhäuser von Vonovia in der Beethovenstraße in Elmshorn.

Nach zehn Wochen ohne Heizung war in der Elmshorner Beethovenstraße über Weihnachten der Aufzug abgestellt.

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05. Januar 2018, 16:44 Uhr

Elmshorn | Der Ärger in Elmshorns Horror-Hochhäusern nimmt kein Ende. Kurz vor Weihnachten waren die Wohnungen in der Beethovenstraße nach zehn Wochen ohne Heizung gerade warm geworden, da fiel der Fahrstuhl in Haus 13 aus. „Ich muss mit dem Hund raus, habe aber große Probleme mit den Knien“, erzählt die 74-jährige Ingrid Breslein. „Wenn ich in meine Wohnung im sechsten Stock wollte, musste ich mich Stück für Stück die Geländer hochziehen.“

Dabei war der Fahrstuhl gar nicht defekt. Vielmehr hatten Handwerker den alten Fahrstuhl im Haus abgeschaltet, um den vom Wohnungsbauunternehmen Vonovia neu gebauten Fahrstuhl in einem Schacht außerhalb des Hauses zu testen. Als der Test abgeschlossen war, wurde der neue Fahrstuhl wieder abgeschaltet, weil die TÜV-Abnahme noch fehlte. Nur der alte Fahrstuhl, der wurde nicht wieder eingeschaltet.

Eine Woche lang, über die Feiertage, hatten die Bewohner des achtstöckigen Hauses keinen Fahrstuhl. Viele von ihnen sind wie Ingrid Breslein im Rentenalter und können kaum noch Treppen laufen, andere haben körperliche Behinderungen oder kleine Kinder. Erst nachdem der Anwohner Michael Kurzhals mehrfach auf eine Lösung des Problems gedrängt hatte, wurde der alte Fahrstuhl am Mittwoch nach Weihnachten wieder in Betrieb genommen.

Ein Sprecher der Vonovia erklärt, die Sicherheit der Mieter sei dem Unternehmen sehr wichtig, deshalb habe man den neuen Aufzug erst nach einer Testphase in Betrieb genommen. Leider hätte sich ein zeitweiser Stillstand nicht vermeiden lassen. „Dass unseren Mietern dadurch Umstände entstanden sind, bedauern wir sehr.“ Der neue Aufzug ist immer noch nicht in Betrieb.

Die meisten Bewohner der Hochhäuser in der Beethovenstraße haben resigniert aufgegeben. Immer wieder haben sie mit dem Wohnungsbauunternehmen Vonovia wegen  den verschiedensten Mängeln Kontakt aufgenommen, aber die versprochene Abhilfe war nie gekommen. „Es hat ja doch alles keinen Sinn“, sagt  Renate Dreyer. Als die Heizung zehn Wochen ausfiel, saß sie auf ihrem Sofa unter dicken Wolldecken, und als es keinen Aufzug gab, half sie ihrer älteren Nachbarin die Treppen herunter.

Die Bewohner der Hochhäuser – viele sind Hartz-IV-Empfänger – halten zusammen. Aber wehren können sich die meisten nicht. Viele  sprechen kaum deutsch, viele sind krank. „Die Vonovia weiß, dass sie immer ihr Geld kriegt“, sagt Michael Kurzhals aus dem achten Stock. „Deshalb macht sie nichts.“ Erst nachdem  er die Presse eingeschaltet hat, habe die Vonovia Klempner und Techniker geschickt. Das war so bei den fehlenden Brandmeldern und dem undichten Treppenhaus bei seinem Einzug im März, später auch bei der defekten Heizungsanlage. Einen Telefonanschluss haben die Bewohner des Hauses 17 allerdings auch noch nach einem Jahr nicht. Ein Bagger hatte das Telefonkabel bei den Renovierungsarbeiten nach dem Brand im Jahr 2014 gekappt. Jetzt hängt im Haus ein Zettel, dass die Anschlüsse aus dem Haus 13 genutzt werden sollen, um Haus 17 zu versorgen – nur: Renate Dreyer aus Haus 13 berichtet, dass sie seit März auch hier kein Telefon mehr hat. Seitdem stritten sich Vonovia und die Telekom über die Zuständigkeiten.

Immerhin: Die Fernsehkabel für acht Wohnungen, die seit einem Jahr lose auf einem Balkon im sechsten Stock von Haus 13 liegen, will Vonovia laut einer Pressesprecherin möglichst bald in die höheren Etagen ziehen. Auch der Schimmel, den es in zwei Wohnungen gibt, soll entfernt werden. Außerdem will sich der Regionalleiter des Wohnungsunternehmens am 16. Januar mit Michael Kurzhals zu einem Gespräch zusammensetzen.

So langsam das Unternehmen bei der Beseitigung von Schäden ist, so schnell ist es bei der Erhöhung der Mieten. In Haus 13 funktioniert zwar der neue Fahrstuhl noch nicht, aber die Mieterhöhung von rund 60 Euro für die Sanierung verlangt die Vonovia bereits seit Dezember.
 

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