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Elmshorner Nachrichten

17. Oktober 2017 | 18:00 Uhr

Elmshorn : Wieder Ärger auf der KGSE-Baustelle

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Immer wieder Probleme mit Wasserschäden an städtischen Gebäuden. Politik lehnt Null-Grad-Dächer ebenfalls ab.

von
erstellt am 08.Apr.2015 | 12:00 Uhr

Elmshorn | Die Stadt hat am Neubau der Erich Kästner Gemeinschaftsschule (KGSE) erneut gravierende Mängel festgestellt. Das Dach auf den noch im Bau befindlichen Bauteilen C und D ist an mehreren Stellen undicht. Die für den Herbst  geplante Fertigstellung der Mensa und Fachräume (Bauteil C) sowie des Anbaus an die Sporthalle (D) ist laut Stadtrat Dirk Moritz aber nicht gefährdet: „So wie es derzeit aussieht, werden wir den Zeitplan halten können“, sagte er. Der Baupfusch war bei der Abnahme der Flachdächer aufgefallen. Nach der Probe-Flutung der Dächer zeigten sich mehrere undichte Stellen. Und nicht nur das: Beim Abbau des undichten Daches stellten die Prüfer der Stadt außerdem fest, dass eine komplette Dämmschicht gar nicht erst eingebaut worden ist. Kosten entstehen der Stadt für die Ausbesserung nicht. Beides fällt unter die Mängelgewährleistung.

Der Ärger mit den Flachdächern an der Erich Kästner Gemeinschaftsschule (KGSE) hat Stadtrat Dirk Moritz (parteilos) zu einem flammenden Appell in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für kommunale Dienstleister veranlasst. Er forderte die Politiker auf, bei künftigen Planungen keine Dächer ohne Neigung mehr vorzusehen. „Selbst moderne Flachdächer wie an der KGSE führen zu Problemen und können erhebliche Folgekosten verursachen“, so Moritz.

In Elmshorn gebe es an vielen öffentlichen Gebäuden immer wieder Ärger mit Flachdächern. Wie Moritz im Ausschuss erläuterte, hätten geringe Investitionskosten, freie Grundrissgestaltungen und auch der architektonische Zeitgeist der 1960-er Jahre dazu geführt, dass städtische Gebäude häufig als Flachdach mit null Grad Dachneigung, bituminöser Eindeckung, Kiesschüttung, sehr vielen Oberlichtern und innenliegenden Entwässerungen ausgeführt wurden. In den vergangenen 14 Jahren, seit Bestehen des Gebäudemanagements, sei ein besonderes Augenmerk auf die Errichtung von Neubauten mit geneigten Dächern gelegt worden, etwa bei der Boje-C.-Steffen-Schule und der Feuerwache Süd. Außerdem sei die nachhaltige Sanierung von Flachdächern umgesetzt worden. Als Beispiele nannte er Stadttheater, Elsa-Brändström-Schule und die Grundschule Kaltenweide.

Doch noch immer habe die Stadt mit den Folge-Problemen der Flachdächer zu kämpfen. Nach dem Vorfall an der KGSE sei es an der Zeit, erneut an die Nachteile von Flachdächern zu erinnern. Das unterstrich auch Vera Hippauf. Die Leiterin des städtischen Gebäudemanagements sagte im Ausschuss: „Ich bin in den vergangenen Jahren zu einer regelrechten Gegnerin von Flachdächern geworden.“

Ein altbekanntes Thema

Die Problematik sei laut Moritz ein altbekanntes Thema, welches nach Aussagen der Bauindustrie eigentlich gar keines mehr sein sollte. „Aber die Praxis zeigt, dass sich Flachdächer auch heute noch als Ärgernis erweisen“, so der Stadtrat.

Ein weiterer Nachteil von Flachdächern sei der Mehraufwand bei der Kontrolle während des Baus. „Bei geneigten Dächern kann man später noch prüfen, ob zum Beispiel sämtliche Dämmschichten eingebaut sind. Bei den Flachdächern müssten unsere Prüfer eigentlich die ganze Zeit beim Bau dabei sein“, sagte Moritz im Gespräch mit dieser Zeitung. Dass etwa beim KGSE-Neubau eine komplette Dämmschicht weggelassen wurde, sei erst bei den Arbeiten zur Behebung der mangelhaften Flachdächer aufgefallen.

„Die Vorteile der niedrigen Erstinvestitionskosten beim Bau für Flachdächer überwiegen damit die im Bestand nach etwa zwölf Jahren auftretenden Probleme nicht. Ein Dach kann seinen Zweck, nämlich den Schutz des Gebäudes, nur erfüllen, wenn das Wasser, welches in Norddeutschland häufig zu verzeichnen ist, einwandfrei abgeführt werden kann“, lautete es im Appell der Stadtverwaltung an die Politiker. Diese nahmen den deutlichen Hinweis wohlwollend zur Kenntnis. Man verständigte sich darauf, in Zukunft auf Dächer ohne Neigung gänzlich zu verzichten.

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