zur Navigation springen
Elmshorner Nachrichten

17. August 2017 | 05:32 Uhr

Wie viel Raum braucht eine Schule?

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Verwaltung hat neue Raumprogrammrichtwerte vorgelegt, die der SPD zu niedrig sind / Das Ergebnis ist ein Kompromiss

Welcher Schulform stehen wie viele Räume für welchen Zweck in welcher Größe zu? Mit dieser Frage hat sich der Ausschuss für Kinder, Jugend, Schule und Sport in seiner jüngsten Sitzung auseinandergesetzt.

Notwendig ist die Festlegung dieser sogenannten Raumprogrammrichtwerte geworden, weil sich die Schulen in den vergangenen Jahren stark verändert haben. So wurde etwa die neue Schulform Gemeinschaftsschule eingerichtet, es wurden Schüler mit Behinderungen in den Regelschulen aufgenommen, damit begonnen, Flüchtlingskinder in sogenannten DaZ-Klassen zu unterrichten und Unterrichtskonzepte modernisiert. „Die Lehrer machen heute weniger Frontalunterricht und dafür viel mehr Gruppen- und Projektarbeit“, erklärt die Ausschussvorsitzende Silke Pahl (Grüne). „Dafür werden ganz andere Räumlichkeiten benötigt.“

In Zusammenarbeit mit den Schulleitern der Stadt hat die Verwaltung Raumprogrammrichtwerte für Elmshorns Schulen ausgearbeitet, die bei größeren An- und Umbauprojekten oder auch bei der Weiterentwicklung der Grundschulen zu Ganztagsschulen zum Tragen kommen sollen. „Mit Hilfe solcher einheitlichen Standards können wir erreichen, dass alle Schulen gleich behandelt werden“, erklärt Heike Rosemann, Amtsleiterin für Kinder, Jugend, Schule und Sport.

Die Raumstandards, die die Mitarbeiter der Verwaltung erarbeitet haben, basieren unter anderem auf Werten, die in Kiel und Norderstedt angewendet werden. Da diese aber häufig stark von den Wünschen der Elmshorner Schulleiter abweichen, hat die SPD-Fraktion in Absprache mit den Schulleitern einen eigenen Vorschlag in den Ausschuss eingebracht, der etwa deutlich größere Klassen- und Differenzierungsräume vorsieht. Beschlossen haben die Kommunalpolitiker schließlich eine Art Kompromiss: Der Entwurf der Verwaltung legt den Mindeststandard fest, nach dem in Zukunft das Raumprogramm gestaltet werden soll. Der SPD-Entwurf hingegen gibt anzustrebende Standards vor. Bei jedem Einzelfall wird dann in Zukunft festzulegen sein, welcher Standard bei welchen Räumen sinnvollerweise umgesetzt werden sollte.

Ein Beispiel für die unterschiedlichen Vorstellungen beim Raumprogramm: Die Schulleiter wünschen sich für die Grundschul-Klassenräume eine Größe von 80 Quadratmetern statt der im Verwaltungsentwurf vorgesehenen 59 Quadratmeter und zusätzlich für jeweils zwei Klassen einen Differenzierungsraum. Die Verwaltung sieht einen Differenzierungsraum für drei Klassen vor. Im SPD-Entwurf sind dagegen 69 Quadratmeter für einen Grundschul-Klassenraum und zusätzlich je einen Differenzierungsraum für zwei Klassen eingeplant.

Die Sozialdemokraten möchten die Klassen- und Differenzierungsräume insgesamt deutlich vergrößern und die Gestaltung der Räume so weit wie möglich den Schulen überlassen. Außerdem wollen sie den Schulen Flächen zur Verfügung stellen, die sie entsprechend ihres Profils gestalten können. Beispiele dafür sind etwa Räume fürs Theaterspielen oder für spezielle Naturwissenschaftliche Angebote. Auch für Betreuungs- und Ganztagsangebote sollen mehr Flächen vorgesehen werden.

Die finanzielle Situation der Stadt, das betont die Fraktion, sei ihr dabei durchaus bewusst. „Aus einem Raumprogramm ergibt sich kein Anspruch der Schulen, dass sofort eine Anpassung erfolgt. Wenn aber an einer Schule Erweiterungsbauten durchgeführt oder andere größere Umbaumaßnahmen erfolgen, dann sollen die neuen Werte als Orientierung für die Planung dienen“, sagte die Fraktionssprecherin Dörte Köhne-Seiffert. „Dass es bei Baumaßnahmen aus Kostengründen immer wieder zu Abstrichen kommt, ist uns bewusst.“ Wenn man aber von Anfang an schon mit zu kleinen Flächen plane, erziele man am Ende Ergebnisse, die mit einer zukunftsfähigen Schule nichts mehr zu tun hätten.

Die Raumprogrammrichtwerte sind auch Voraussetzung für eine Entscheidung über die Umwandlung der Grundschulen in offene Ganztagsschulen. „Grundsätzlich sind die Grundschulleiter dafür“, erklärt Rosemann, deren Amt einen Workshop zur „Option Ganztagsgrundschule“ und eine Umfrage unter Elmshorns Grundschulleitern durchgeführt hat. „Aber für sie müssen die Rahmenbedingungen stimmen, besonders was fehlende Räume und die Koordination des Ganztags betrifft.“ Jetzt werde ihr Amt ein Konzept ausarbeiten, wie die Schulen besonders in Hinblick auf die Koordination entlastet werden können, und demnächst der Politik und den Schulleitern vorstellen.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Feb.2016 | 16:47 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen