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Elmshorn : Wie lieb und teuer ist der Stadt das Hafenfest?

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Ehrenamtliche Organisatoren des Verkehrs- und Bürgervereins bitten um einen höheren Zuschuss.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2014 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Das Elmshorner Hafenfest ist Thema bei den Politikern. Der Grund: Die Organisatoren eines der größten ehrenamtlich organisierten Volksfeste des Landes, die Mitglieder des Elmshorner Verkehrs- und Bürgervereins (VBV), haben sich hilfesuchend an die Selbstverwaltung der Stadt gewandt. Für seine Arbeit braucht der VBV mehr Geld von der Stadt, wenn das Fest während der Florawoche nicht noch stärkere Züge eines Händler-Flohmarktes oder Rummels bekommen soll. Die steigenden Kosten wachsen den Organisatoren über den Kopf und müssten in Zukunft mit noch mehr Verkaufsständen von professionellen Händlern gedeckt werden. „Taschen- und Klamottenstände gehören nicht dahin. Das ist ein fatales Signal“, sagte Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje (parteilos) während der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses. Der Verwaltungschef im Elmshorner Rathaus ist Kraft Amtes zugleich Vorsitzender des VBV. Er erläuterte den Politikern, die derzeit in die Beratungen des städtischen Haushaltes für 2015 eintreten, die Situation: Der Verein habe immer mehr Kosten zu tragen und könne die Einnahmenseite nicht allein durch Standmieten erhöhen, ohne den Charakter des Festes zu ändern. Auch eine Einschränkung des (Bühnen)programms sei nicht erstrebenswert.

Seit Jahrzehnten bekommt der VBV einen Zuschuss der Stadt von jährlich 4700 Euro (früher 10.000 Mark) für die seit 1973 bestehende Flora-Woche und das seit 1981 organisierte Hafenfest. „Das Aufstauen der Krückau ist heute aber teurer als vor zehn oder 20  Jahren“, so Hatje. Und nicht nur diese Kosten (zurzeit etwa 2000 Euro) seien stetig gestiegen: Beispiele seien das Vorhalten zahlreicher und vernünftiger Toiletten, die Reinigung und die Gema-Gebühren. Zudem kämen, so Hatje, auch die engagierten Hilfsorganisationen wie DRK und DLRG mit ihren seit Jahren unveränderten Aufwandsentschädigungen nicht mehr klar. Der VBV stellte jetzt den Antrag auf eine Zuschusserhöhung auf dann jährlich 10.000 Euro.

Der Bürgermeister lobte den ehrenamtlichen Einsatz der Organisatoren und stellte klar: „Wenn die Stadt das machen muss, wird es sehr, sehr viel mehr kosten.“ Für Stadtfeste würden andere Kommunen deutlich tiefer in die Kasse greifen und auch Elmshorns französische Partnerstadt Tarascon zahle „ganz andere Summen“ für derartige Veranstaltungen. Dabei verzichte Elmshorn bereits auf musikalische Highlights von überregionaler Bedeutung. Das wäre zwar ein wünschenswertes Ziel, sei aber finanziell gar nicht möglich.

Verein leidet an Überalterung

Hatje bekannte, dass er in seiner Doppelfunktion als Bürgermeister und VBV-Vorsitzender im Zwiespalt sei: Einerseits müsse die Stadt sparen, andererseits dürfe sie für ihre Bürger und Gäste nicht an Attraktivität verlieren. Zugleich sehe er als VBV-Vorsitzender die Probleme des zunehmend auch von Überalterung bedrohten Vereins deutlich und befürworte ausdrücklich eine Erhöhung des städtischen Zuschusses. Nur so könne das beliebte Fest weiterhin im jetzigen Rahmen mit allen kulturellen Punkten fortgesetzt und ausgebaut werden.

Die Politiker aller Fraktionen werden sich jetzt während ihrer Haushaltsberatungen mit dem Antrag des VBV auseinandersetzen. Sie müssen dann angesichts der finanziellen Lage der Stadt entscheiden, wie langfristig ein attraktives Hafenfest für Elmshorn über die Bühne gebracht werden kann.

Der Verkehrs- und Bürgerverein (VBV) Elmshorn möchte unter dem Motto „Bürger arbeiten für Bürger“ Menschen motivieren, aktiv an der Gestaltung ihrer Stadt mitzuwirken. Ziel ist dabei auch eine bessere Kommunikation zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung. Zu den wiederkehrenden Veranstaltungen gehören unter anderem das Weinfest, die alljährliche Flora-Woche (seit 1973) mit dem Hafenfest (seit 1981) und der Pokal der Stadt Elmshorn im Fußball. Arbeitsgruppen haben sich unterschiedliche Aufgaben gestellt: Städtepartnerschaft, Verkehrsprobleme oder auch Tourismus. Seit 2010 ist die VBV-Geschäftsstelle im Torhaus in Zusammenarbeit mit der Stadt auch offizielle Tourismus-Informationsstelle für Besucher in Elmshorn geworden. Die Geschichte des VBV reicht bis in die 50er-Jahre zurück. Damals war ein städtischer Angestellter halbtags für die Arbeit des Verkehrsvereins freigestellt. 1970, nachdem die Mitgliederzahl bis auf 15 zurückgegangen war, wurde die Organisation neu belebt und der Bürgermeister „geborener Vorsitzender“. In jüngster Vergangenheit leidet der Verein erneut unter einem Schwund an Mitgliedern. Deren Zahl sank zwischen 2010 und heute von etwa 200 auf 150.
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