Fracking : Wie groß ist die Gefahr?

Mehr als 200 Zuhörer wollten sich über das Thema Fracking informieren lassen.
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Mehr als 200 Zuhörer wollten sich über das Thema Fracking informieren lassen.

200 Besucher waren bei einer Informationsveranstaltung in Westerhorn. Ein Geologe warnt vor den Folgen. Der Bereich Höki liegt in möglichem Bohrgebiet.

shz.de von
14. Juni 2014, 10:00 Uhr

Westerhorn | Wie gefährlich ist Fracking? Was bedeutet der Begriff eigentlich genau? Und betrifft das Thema überhaupt den Amtsbereich Hörnerkirchen? Um diese Fragen ging es am Donnerstagabend während einer Info-Veranstaltung in Westerhorn. Mehr als 200 interessierte Bürger waren der Einladung in den Lindenhof gefolgt. Rede und Antwort standen Dr. Andreas Wasielewski vom Umweltministerium Schleswig-Holstein und der Hamburger Geologe Dr. Dietmar Goetz. Zur Einstimmung auf das Thema hatte Bokels Bürgermeister Wolfgang Münster zwei Fernsehbeiträge organisiert, die über das Fracking aufklärten.

Fracking ist eine neu entwickelte Methode der Erdöl- und Erdgasförderung, mit der Vorkommen erschlossen werden können, die mit herkömmlichen Methoden bislang nicht zugänglich waren. Vereinfacht ausgedrückt, werden dabei Gas und Öl aus Gesteinsschichten „herausgequetscht“, indem durch die Gesteinsformationen lange waagerechte Bohrungen getrieben werden. Dann wird in diese Bohrungen mit extrem hohen Druck eine Mischung aus Wasser, Quarzsand und unzähligen verschiedenen Chemikalien (das sogenannte „Frackfluid“) gepumpt, wodurch das Gestein regelrecht aufgesprengt (gefrackt) wird. Angeblich ist auf diese Weise ausreichend Energie zu gewinnen, um Deutschland damit zehn Jahre lang versorgen zu können.

Die Fracking-Gegner fürchten durch den Chemie-Einsatz unter anderem eine Vergiftung des Grundwassers. Generell seien die Auswirkungen der Fördermethode noch längst nicht umfassend bekannt, betonte Dr. Goetz, Mitstreiter der Bürgerinitiative „Frackingfreies Hamburg“. „Was wird beispielsweise aus dem Lagerstättenwasser, das an die Oberfläche kommt“, fragte der Geologe. Dieses könne Quecksilber enthalten und radioaktiv belastet sein. „Man muss doch wissen, was man mit dem Abfall machen soll“, so Goetz, der fürchtet, dass sich durch Fracking „ganze Landschaften in Industriewüsten verwandeln“ könnten. Aus seiner Sicht sei Flächenfracking nur durch eine Änderung des Bergrechts zu verhindern.

Genau für diese Änderung will sich die Kieler Landesregierung einsetzen, versprach Dr. Wasielewski vom Umweltministerium. „Die Landesregierung lehnt Fracking ab.“ Bislang hätten in Schleswig-Holstein einige Unternehmen lediglich Bewilligungserlaubnisse zur Aufsuchung von Erdgas und Erdöl gestellt. Diese berechtigten aber noch zu keinerlei Eingriffen in den Boden. „Diese Konzessionen haben auch keinerlei präjudizierende Wirkungen für spätere konkrete bergrechtliche Zulassungsverfahren“, sagte Wasielewski. Letztlich hänge es aber an der Bundesregierung, eine entsprechende Änderung des Bergrechts in Angriff zu nehmen.

Wie konkret das Thema Fracking den Amtsbereich Hörnerkirchen betreffen könnte, machten Münster und Westerhorns Umweltausschuss-Vorsitzender John Höft deutlich. Die kanadische Firma „PRD Energy“ habe für das Gebiet zwischen Neumünster und Barmstedt die Erlaubnis beantragt, nach Öl und Gas zu suchen – das sogenannte „Erlaubnisfeld Bramstedt 1“. Fast das gesamte Amtsgebiet liege mitten drin. Zusammen mit dem „Erlaubnisfeld Elmshorn“ seien fast alle Gemeinden im Kreis Pinneberg betroffen. „Wir sind vermutlich noch ein bisschen konkreter betroffen als andere“, so Höft. „Wie sich viele erinnern werden, wurde bis in die 1980-er Jahre hier schon Erdöl gefördert. Nicht zufällig verläuft von Dauenhof im Westen bis Lutzhorn im Osten die Ölfeldstraße.“

Um Druck auf die „große“ Politik auszuüben, hat Westerhorn schon am 5. Februar dieses Jahres während einer Gemeindevertretersitzung einstimmig eine Resolution gegen Fracking verabschiedet. Der Info-Abend sei der nächste Schritt, um auch die Bevölkerung über die Gefahren aufzuklären, so Höft. „Wir müssen uns jetzt mit dem Thema beschäftigen“, betonte Münster. Wie schreibt doch die Firma „PRD Energy“ auf ihrer eigenen Homepage: „Das Erlaubnisfeld Bramstedt befindet sich im Bereich eines geologischen Erdöltrends in Schleswig-Holstein, Norddeutschland. Die Fläche beträgt 657 km² und schließt zwei zwischenzeitlich stillgelegte Ölfelder ein, die Teil der Konzession sind. Es ist die Absicht von PRD Energy, die stillgelegten Ölfelder bei Möglichkeit wieder in Produktion zu setzen und parallel dazu neue geologische Leads für Kohlenwasserstoffvorkommen anhand von Seismik und geophysikalischen Bohrlochmessungen zu untersuchen.“

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