Mondelez : Wie geht es weiter in Elmshorn?

Auch die Produktionsstätte in Elmshorn soll Teil der Fusion zwischen dem Lebensmittelkonzern Mondelez und der niederländischen Firma sein. Hier arbeiten etwa 100 Mitarbeiter.
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Auch die Produktionsstätte in Elmshorn soll Teil der Fusion zwischen dem Lebensmittelkonzern Mondelez und der niederländischen Firma sein. Hier arbeiten etwa 100 Mitarbeiter.

Mondelez und der niederländische Konzern D.E Master Blenders legen ihre Kaffeesparten zusammen. Gewerkschaft warnt vor Stellenabbau.

shz.de von
05. Juni 2014, 10:00 Uhr

Elmshorn | Die Pläne liegen in der Schublade. Geht es nach den beiden Konzernen, soll der Deal im kommenden Jahr über die Bühne gehen. Der Konzern Mondelez International, zu dem auch das Werk am Elmshorner Lönsweg gehört, will seine Kaffeesparte mit der des niederländischen Konzerns D.E Master Blenders zusammenlegen. Dieser steht unter anderem hinter der Marke Senseo. In Elmshorn wird unter anderem für die Marke Jacobs produziert.

Wie die beiden Konzerne mitteilten, soll aus der Fusion die weltweit führende Kaffeefirma entstehen. Das Unternehmen soll dann Jacobs Douwe Egberts (JDE) heißen und von den Niederlanden aus gesteuert werden. Die Marke, die aus den beiden Konzernen entstehen soll, soll jährlich mehr als fünf Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. 49 Prozent der Firmenanteile würden bei Mondelez bleiben. Dafür, dass die Amerikaner ab dann minderheitlich beteiligt sind, bekommen sie fünf Milliarden Dollar. Für das Joint Venture benötigen die Konzerne noch die Zustimmung der Wettbewerbshüter. Zudem müssten Gespräche mit den Vertretern der Arbeitnehmer geführt werden.

„Alle bestehenden Mondelez-Kaffeewerke werden Teil der Partnerschaft sein – das heißt neben Elmshorn auch Berlin und die Kaffeewerke in Bremen“, so Mondelez-Pressesprecher Dirk Friedrichs auf Anfrage unserer Zeitung. Zur Planung an den deutschen Standorten könne man derzeit noch keinerlei Auskünfte geben. In Bremen, wo die Mondelez-Deutschlandzentrale ihren Sitz hat, fürchten Vertreter der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) durch die Fusion den Abbau von Arbeitsplätzen. Dieter Nickel von der NGG fürchtet, dass vor allem in der Verwaltung Jobs auf der Strecke bleiben könnten. Doppelfunktionen, die zusammengelegt werden könnten, seien dort am ehesten vorhanden, so Nickel. Vom Unternehmensseite sei im Zuge der Fusion von „enormen Synergiepotenzial“ die Rede gewesen.

Das Jacobs-Werk in Elmshorn ist ein reiner Produktionsbetrieb mit etwa 100 Mitarbeitern. Für Aussagen betreffend der Zusammenlegung und deren Auswirkungen auf das Werk am Lönsweg sei es laut Stephan Meyer, der seit April Chef der Produktionsstätte ist, noch zu früh. „Aber wir gehen davon aus, dass es das Werk auch weiterhin geben wird“, so Meyer. Der Elmshorner Betriebsrat verwies auf die Pressestelle des Konzerns.

Der Partner in dem Joint Venture, D.E Master Blenders 1753, wurde im vergangenen Jahr von der deutschen Milliardärsfamilie Reimann gekauft. In einer Liste der reichsten Deutschen führt das Manager-Magazin die Familie auf Platz vier. In der Öffentlichkeit tritt die Familie, die aus der Region Mannheim-Heidelberg stammt, nicht auf. Ihre Holding wird von Managern vertreten.

Master Blenders steht nicht nur hinter den Kaffeemarken Senseo und Douwe Egberts, sondern auch hinter weiteren Marken wie zum Beispiel Pickwick-Tee und Natreen.

Die Geschäfte des neuen Unternehmens sollen von D.E-Chef Pierre Laubies geführt werden. „Jacobs Douwe Egberts wird auf der reichhaltigen Geschichte der beiden Firmen aufbauen“, wurde Laubies zuletzt von zahlreichen Medien zitiert.

Jacobs, die Traditionsmarke aus Bremen, würde mit der Fusion wieder deutsch werden. Im Jahr 1982 schloss sich Jacobs-Kaffee mit dem schweizer Unternehmen Suchard zusammen. 1990 wurde die Firma an den US-Konzern Kraft Foods verkauft. Dieser teilte sich 2012 in zwei Unternehmenshälften, eine davon ist Mondelez International.
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