Teure Auflagen von der Stadt : Wie es mit der Elmshorner „Flunkyball Weltmeisterschaft“ weitergehen könnte

Die Teilnehmer der Flunkyball-WM widmeten sich in erster Linie ihrem „Sport“.
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Die Teilnehmer der Flunkyball-WM widmeten sich in erster Linie ihrem „Sport“.

Die Stadt hat den Organisatoren der WM teure Auflagen gemacht. Die wollen ein Event für alle bleiben und suchen nach Sponsoren.

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28. Februar 2018, 13:45 Uhr

Elmshorn | „Eine große Familienfeier, kombiniert mit Sport und das alles auch noch für einen guten Zweck“, „unglaubliche Stimmung, Motivation und Wettkampfgeist“ oder auch „der einzige Grund, Leute von außerhalb nach Elmshorn einzuladen“: So und ähnlich äußern sich die Fans aus ganz Deutschland über die Elmshorner „Flunkyball WM“ im sozialen Netzwerk Facebook. Autoren von Leserbriefen schrieben in den Elmshorner Nachrichten dagegen im vergangenen Jahr von einem „exzessiven Umgang mit der Droge Alkohol“, die Polizei musste wegen Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung zehn Anzeigen und 18 Platzverweise aussprechen.

Die Auflagen der Stadt

Um die Flunkyball-WM auch in diesem Jahr wieder am Vatertag (10. Mai) stattfinden zu lassen, hat die Stadtverwaltung den Organisatoren Auflagen gemacht:

  • Der Veranstaltungsort wird vom Krückaupark auf die Festwiese im Steindammpark verlagert, eingezäunt und mit einer Einlasskontrolle versehen.
  • Ein Sicherheitsdienst sorgt für Ordnung.
  • Zwei permanente Aufräumgruppen mit je fünf Personen räumen ständig den Müll weg – und zwar in verschließbare Müllcontainer
  • Gleichzeitig sprechen diese Ordner, die durch Westen kenntlich gemacht werden müssen, präventiv mögliche Störer an.
  • Es muss für Toiletten in ausreichender Zahl gesorgt sein, die regelmäßig gereinigt werden müssen.
  • Die Organisatoren haften für die Veranstaltung.
 

Das Event, das seit elf Jahren immer am Himmelfahrtstag im Krückaupark steigt und zuletzt über 2000 Leute anzog, polarisiert. Nachdem die Stadt Elmshorn dem Organisatoren-Team um den 26-jährigen Jonas Jensen an einem runden Tisch ihre Auflagen für eine Weiterführung der WM mitgeteilt hat, schreibt Jensen seinen Fans über Facebook, dass „eine Fortsetzung mit unseren Mitteln nicht möglich ist.“

Falsche Darstellung

Aus Sicht von Jonas Jensen und seinem Organsations-Team wurde 2017 vieles falsch dargestellt. So sei der Müll, wie zuvor mit der Stadt vereinbart, einen Tag nach der Flunkyball-WM ab 9 Uhr weggeräumt worden. „Natürlich war um 7 Uhr, als die Polizei und die Nachbarn unterwegs waren, noch nicht alles weg. Aber man muss uns auch Gelegenheit zum Aufräumen lassen.“ Und was die Polizeieinsätze angeht, so sei es doch besser, ein gut organisiertes Turnier mit ein paar Zwischenfällen zu haben, „als viele kleine, unkontrollierte Saufgelage“.

Zwar sieht Jensen ein, dass das Event in geordnetere Bahnen gelenkt werden muss. „Aber es ist ein Problem, wenn die Stadt die Flunkyball-WM als knallharte Veranstaltung statt als individuelles Event einstuft. Denn wir verdienen kein Geld damit, sondern spenden alles, was überbleibt.“ Im vergangenen Jahr gingen 900 Euro in Form von Essensgutscheinen an den Elmshorner Verein Frischlinge. Die Startgebühr in Höhe von 15 Euro pro Team will Jensen aber nicht anheben – „schließlich soll es ein Event für alle bleiben“. Jetzt verhandelt er mit potenziellen Sponsoren und bereitet eine Präsentation für die Elmshorner Kommunalpolitiker vor. Reichlich Stoff dafür bieten die Kommentare des großen Fankreises auf Facebook. Dort haben sich über 100 Flunkyball-Freunde über die Gründe geäußert, warum die WM weitergeführt werden sollte. Teilnehmer aus ganz Deutschland erzählen von alten Freunden, die sie auf der WM wiedergefunden und neuen Freunden, die sie dort kennengelernt haben. Sie berichten von intensiven Vorbereitungen, monatelanger Vorfreude und extra umgelegter Flugreisen. Aber mit den Flunkyball-Freunden haben der zuständige Polizei-Hauptkommis Patrick Melber und Stadtrat Dirk Moritz auch gar kein Problem.

Sponsoren gesucht

„Die Veranstaltung selbst ist immer sehr friedlich gewesen und die Veranstalter haben sich bemüht, alles sauber zu halten“, sagt Moritz. „Erst nachdem das Turnier vorbei war, haben Dritte Unrat, Zerstörung und Gewalt verursacht.“ Diese Dritten, das sind vor allem Leute auf Vatertagstour, die – oft stark alkoholisiert – gegen Nachmittag in den Krückaupark kamen und für Unruhe sorgten. Hauptkommissar Melber spricht von „Körperverletzungen, Beleidigungen, Sachbeschädigungen und Unmengen Müll“. Der Einsatz von Polizeibeamten sei nicht mehr verhältnismäßig. „Ich bekam später bitterböse Briefe, wie ich nur so mit meinen Ressourcen umgehen könne.“

Derzeit verhandelt das Flunkyball-Team mit Sponsoren und sucht nach einem Rechtsbeistand, um das Turnier doch noch irgendwie auf die Beine stellen zu können. „Ich arbeite an einem Plan B“, sagt Jonas Jensen. „Wir brauchen jetzt schnell eine Lösung.“

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