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Nach Großbrand im Jacobs-Kaffeewerk : Wie das Feuer Elmshorn in den Ausnahmezustand versetzt hat

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Straßenstaus, Sirenen und geschockte Bürger. Feuerwehren aus der ganzen Region verhindern ein Unglück.

shz.de von
erstellt am 27.Jun.2017 | 11:30 Uhr

Elmshorn | „Oh, mein Gott“, entfuhr es einer jungen Frau, die am Montag vor dem Elmshorner Bahnhof stand. Ungläubig starrten ihre Augen nach oben. Die dicke, tiefschwarze Rauchwolke schob sich um 12.28 Uhr langsam über die Stadt. Sirenen heulten. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst rasten fast im Minutentakt in den Lönsweg. Das Ziel: das lichterloh brennende Dach des Jacobs-Werks.

Kurz darauf brach in Elmshorn teilweise der Verkehr zusammen. Die Polizei sperrte mehrere Straßenzüge, um den Rettungskräften einen Weg zum Einsatzort zu bahnen. In dem Elmshorner Werk arbeiten normalerweise 100 Mitarbeiter. Da zurzeit aber Wartungsarbeiten laufen, waren auch viele Fremdhandwerker auf dem Firmenareal. „Es wurde niemand verletzt. Das ist für uns das Wichtigste. Den Mitarbeitern ist es gelungen, das Gebäude rechtzeitig und in Ruhe zu verlassen“, sagte ein Sprecher des Unternehmens JDE, zu dem die Marke Jacobs gehört.

Am Tag danach hat sich die Lage beruhigt. Die Brandursache ist weiter unklar. Laut Feuerwehr waren die Lüfter für die Röster in Brand geraten. Die Kühltürme auf dem Dach des Jacobs-Werks wurden vom Feuer vernichtet. Auch die Schadenshöhe steht nicht fest. „Als die ersten Einsatzkräfte vor Ort eintrafen, stand das Dach schon in voller Ausdehnung in Flammen“, sagt Kreisfeuerwehrsprecher Sebastian Kimstädt. Immer wieder loderten die Flammen auf.

Stundenlang war die fast schwarze Rauchwolke über der Stadt zu sehen.

Stundenlang war die fast schwarze Rauchwolke über der Stadt zu sehen.

Foto: Marianne Meißner
 

Die Rauchwolke prägte stundenlang das Bild in der Stadt. Das zog auch Schaulustige an, die zum Lönsweg und zur Klaus-Groth-Promenade strömten. Die Polizei musste eingreifen. Hinter der Polizeiabsperrung standen mehrere junge Frauen, in Tränen aufgelöst. „Mein Freund arbeitet dort drin“, erzählte eine von ihnen. „Bis jetzt habe ich noch nichts von ihm gehört.“ Ihre Freundinnen beruhigen sie: „Die Polizei hat doch gesagt, dass es alle nach draußen geschafft haben sollen.“

Unterstützung von allen Seiten

Die Verantwortlichen brauchten nicht lang überlegen. Die Rauchwolke war so schwarz, so groß, dass schon beim Ausrücken der ersten Kräfte der Elmshorner Feuerwehr die Alarmstufe erhöht worden ist – am Ende bis auf Stufe sieben. 240 Einsatzkräfte von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr waren schließlich im Einsatz. Unterstützt wurden die Elmshorner Feuerwehrleute von Einsatzkräften aus Klein Nordende, Horst, Uetersen, Seester, Rendsburg, der Werksfeuerwehr vom Hamburger Airbus-Werk, Pinneberg, ABC-Dienst/Löschzug Gefahrgut Kreis Pinneberg, LZ-G Kreis Steinburg, Technische Einsatzleitung Kreis Pinneberg und Kreisfeuerwehrverband Pinneberg. Die Wasserversorgung vor Ort wurde über mehrere Hydranten sichergestellt. Dafür mussten mehrere Kilometer Schlauch verlegt werden.

Der Stadtrat eilte zum Einsatzort

Nach der Alarmierung ist auch Elmshorns Stadtrat Dirk Moritz umgehend zum Jacobs-Werk gerufen worden. „Die erhebliche Rauchentwicklung hat hier alles zum Erliegen gebracht“, erklärt Moritz, als er gegen 13.30 Uhr vom Werksgelände kommt. „Die Lage hat sich zwar entspannt, was den Brand selbst betrifft. Aber der Brand ist oben auf dem Dach ausgebrochen und es sind Chemikalien ausgetreten. Deshalb ist die Sicherheitslage noch nicht unter Kontrolle“, sagte Moritz am Montagmittag. Vor große Schwierigkeiten habe die Höhe des Dachs die Feuerwehr gestellt: „Es wurde die zweithöchste Drehleiter mit 53 Metern angefordert, um überhaupt das Dach zu erreichen.“

Stadtrat Dirk Moritz  informierte sich vor Ort über die Situation im Jacobs-Werk.

Stadtrat Dirk Moritz  informierte sich vor Ort über die Situation im Jacobs-Werk.

Foto: Christian Brameshuber
 

Eine weitere logistische Problematik: Die über 200 eingesetzten Feuerwehrleute mussten quer durch die Innenstadt fahren, um zum Brandort zu gelangen. „Deshalb mussten wir in der Innenstadt alles absperren“, erklärt Moritz. Für eine Stadt wie Elmshorn seien die Löscharbeiten außerordentlich herausfordernd gewesen. „Entscheidend ist natürlich, wie groß der Schaden für das Unternehmen Jacobs tatsächlich ist – nicht nur durch den Brand, sondern auch durch das Löschwasser und den Schaumeinsatz.“ Zahlen könne noch niemand nennen. „Aber Jacobs ist ein Betrieb mit viel Elektronik – und wenn da erst einmal das Wasser durch fließt, kann das große Schäden verursachen.“

 

Die Löscharbeiten auf dem Fabrikareal dauerten bis zum späten Nachmittag. Die Verantwortlichen von JDE, Jacobs ist eine Marke des Unternehmens, wollen laut eines Unternehmenssprechers persönlich nach Elmshorn kommen, um das weitere Vorgehen vor Ort zu besprechen. Laut JDE-Sprecher hat das Feuer aber keinen Einfluss auf die Produktion. Die soll so schnell wie möglich wieder anlaufen. „Wir haben in Zusammenarbeit mit der Firma das Mögliche erreicht und das Gebäude gehalten. Das ist auch wichtig für den Standort Elmshorn“, sagte Elmshorns Wehrführer Stefan Mohr am Ende des Einsatzes zufrieden.

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