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Freundeskreis Knechtsche Hallen : Wie Bürger Elmshorn bewegen

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Freundeskreis Knechtsche Hallen will Kreativität und Kultur für die City – Die Idee soll auf die ganze Stadt ausstrahlen.

Elmshorn | Deutliche Worte. Der Mann sagt, was Sache ist. Das kann er, denn Jens Jähne ist Jurist und gewohnt, unbequeme Sachverhalte zu klären. Und unwohl fühlt sich der Elmshorner ganz bestimmt, wenn er an die Entwicklung der City denkt. Okay, an wirtschaftlichen Entwicklungen kann er nicht rütteln, doch dafür, dass seine Heimatstadt lebenswert, vielfältig und bunt bleibt, möchte Jähne durchaus sorgen. Dabei bleibt er nicht allein. Der Rechtsanwalt ist Vorsitzender des Vereins Freundeskreis Knechtsche Hallen, Keimzelle Kranhaus. Mehr als 300 Unterstützer zählt die Initiative derzeit – und es werden stetig mehr. In Elmshorn etabliert sich eine neue Bürgerbewegung. Ihr großes Ziel: Kreativität für Elmshorns Mitte.

Darum geht es: Die Knechtschen Hallen sind ein stattlicher Gebäudekomplex an der Schlossstraße.Fertiggestellt 1923 für die Lederfabrik Johann Knecht übernahm das Teppichhaus Kibek die Hallen Ende der 50er-Jahre als Lager. 2006 zog das Unternehmen ins Elmshorner Industriegebiet an der A23 und baute dort sein Hochregallager. Die Knechtschen Hallen wurden nicht mehr gebraucht. Der Gebäudekomplex verfällt.

Jetzt hat sich der Freundeskreis um Jens Jähne, der Industriebauten angenommen. Das Kranhaus, ein Nebengebäude der Hallen wurde zur Keimzelle des mittlerweile sehr aktiven Vereinslebens: Konzerte, Ausstellungen, Vorträge und das „Urban Gardening“ im Außengelände, bereichern das Kulturleben. Dem verwaisten städtebaulichen Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen haucht das Engagement des Freundeskreises Leben ein.

Die Sache lässt sich gut an, doch Jens Jähne und seine Mitstreiter wollen mehr. „Unser Ziel ist die nachhaltige Belebung der Knechtschen Hallen. Wir hoffen natürlich, dass wir in absehbarer Zeit vom Kranhaus in die Hallen umsiedeln können. Ich bin sicher, dass das funktioniert“, sagt Jähne.

Die Frage ist nur – wann? Das Kranhaus gehört der Stadt (der Verein hat einen Nutzungsvertrag). Eigentümer der Hallen ist Kibek-Chef Frank Sachau, und der zeigt – nach Einschätzung mancher am Projekt Knechtsche Hallen Beteiligter – wenig Neigung, ohne Gegenleistung zu kooperieren. „Hier sehe ich zunächst die Stadt in der Pflicht, die Voraussetzungen zu schaffen“, sagt Jens Jähne. Übrigens: Besitzer Sachau kann mit dem Komplex nicht machen, was er will. Die Knechtschen Hallen sind denkmalgeschützt.

Jens Jähne sieht zwei Möglichkeiten. Variante eins: Die Stadt kauft das Gebäude – zurzeit wenig wahrscheinlich, Geld ist nicht da. Variante zwei: Ein Privatinvestor steigt ein, saniert den Komplex und füllt ihn mit Hilfe der Elmshorner mit Leben. Bisher hat sich allerdings noch niemand gefunden.

Das könnte sich ändern, denn Experten überplanen derzeit – wie berichtet, – das gesamte Vormstegen-Quartier. Im Mittelpunkt eines Projekts des mit Bundesmitteln finanzierten Forschungsprogramms Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) stehen die Knechtschen Hallen. Jens Jähne und seine Mitstreiter wissen, wie wichtig eine gute Projektbegleitung ist. „Es muss professionell gearbeitet werden, sonst sind wir nicht glaubhaft“, sagt er.

Zum guten Handwerk , so der Vorsitzende, geselle sich beim Freundeskreis natürlich die „große kreative Energie“. Und die soll auch nicht versiegen, wenn die Knechtschen Hallen dem Verein doch länger als gewünscht oder sogar ganz verschlossen bleiben. „Unser Engagement ist kein Selbstzweck. Wir wollen, dass die Mitte Elmshorns lebendig und lebenswert ist, daran Arbeiten wir“, sagt der Vorsitzende.

Die Hallen mit ihrem großen Potenzial an Räumen regen dazu an Konzepte zu erfinden. Der Freundeskreis hat klare Vorstellungen. „Es könnten tolle Wohnungen entstehen, Büros, Tagungsräume, ein Hotelareal, kulturelle Einrichtungen und eine offene Bühne für junges Publikum. Der Komplex ist ein Leckerbissen für diejenigen, die für Tagungen nicht mehr nach Hamburg wollen“, sagt Jens Jähne.

Der Ansatz stimmt, doch der Freundeskreis hat in Elmshorn nicht nur Anhänger: elitäre Züge trage das Unternehmen und es konkurriere mit bestehenden kulturellen Einrichtungen wie dem Stadttheater oder dem Haus 13. „Auf keinen Fall“, sagt Jens Jähne, „wir wollen, dass alle von den Knechtschen Hallen und dem Kranhaus profitieren. Wir sprechen mit allen Kulturträger. Stimmen uns ab. Unsere Sitzungen sind öffentlich, jeder kann sich beteiligen. Wir sind in unseren Zielen sicher Ehrgeizig, kennen aber kein Reviergefühl“.

Als Beleg führt Jens Jähne eine aktuelle Entwicklung an. Der Freundeskreis bekommt vom Land rund 40 000 Euro an Fördergeldern. Davon soll unter anderem Veranstaltungstechnik angeschafft erden, von der kulturelle Gruppen in Elmshorn profitieren können. „Uns liegen die jungen Leute besonders am Herzen, sie sind die Zukunft der Stadt. Sie fragen sich, bleibe ich oder gehe ich.“

Der Freundeskreis will Argumente für das Bleiben liefern. Wichtig sei es, so Jens Jähne, die kulturelle Familie in Elmshorn zu aktivieren und zu begeistern. Für ihn ist klar: Die Knechtschen Hallen können zu einem bedeutenden soziokulturellen Zentrum der Stadt werden. „Darum geht es und dafür wollen wir alle begeistern.“

Jens Jähne und seine Mannschaft haben ihre Hausaufgaben gemacht, die Veranstaltungen im Kranhaus sind erfolgreich. Jetzt erhoffen sich die engagierten Bürger einen Schub von den Ergebnissen der ExWoSt-Untersuchung. Ende des Jahres sollen die Resultate der Studie vorgestellt werden. Dann ist auch klar, wie der Gebäudekomplexes genutzt werden kann, der den Elmshornern zurzeit nur unübersehbar vor Augen führt, wie schnell Tristesse zum Alltag wird.

Die nächste öffentliche Vorstandssitzung des Freundeskreis-Vereins ist für kommenden Montag, 22.September, im Kranhaus an der Schlossstraße 8 angesetzt. Themen sind unter anderem der Bericht des Vorsitzenden über den Besuch in der SPD-Fraktion, ein Bericht über die Herrichtung Kranhaus (Budget, Stand, Abnahme, die ExWost-Öffentlichkeitsveranstaltung). Gast des Abends ist Dr. Ulrich Schenck von der Lawaetz-Stiftung Hamburg. Er beschäftigt sich mit der Frage „Was kommt nach ExWost? “. Außerdem sprechen die Mitglieder über die Veranstaltung für „Elmshorn liest“ mit der Vorführung „African Queen“ im Kranhaus. www.knechtschehallen-elmshorn.de
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erstellt am 20.Sep.2014 | 10:00 Uhr

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