Elmshorn : Wettkampf der Lieferdienste

Ist seit 23 Jahren in Elmshorn mit seinem Bringservice unterwegs: Peter Hoffmann neben seinem neuen Elektromobil.  Foto: KROSTA
Ist seit 23 Jahren in Elmshorn mit seinem Bringservice unterwegs: Peter Hoffmann neben seinem neuen Elektromobil. Foto: KROSTA

Unternehmer Peter Hoffmann (Smileys) baut auf Langelohe ersten Lieferdienst mit Restaurant in Elmshorn / Ziehen andere Bringdienste nach?

shz.de von
24. Juli 2012, 07:34 Uhr

Elmshorn | Der Wettkampf der Lieferdienste in Elmshorn geht in eine neue Runde. Und diesmal völlig abgesehen vom Broschüren-Krieg um jeden Kunden in der Stadt. Während sich Dutzende Kontrahenten so immer wieder neue Schachzüge überlegen, um dem jeweils anderen mit "billig", "würzig" oder "drei für zwei Aktionen" die Kunden auszuspannen, nutzt Mitbewerber Peter Hoffmann die Chance und gibt in Elmshorn richtig Gas. Auf Langelohe baut der Chef des ortsansässigen Smileys-Lieferdienstes den ersten Bringservice der Stadt, der auch über ein Pizza-Restaurant verfügt. Hoffmann und die Zentrale des Franchise-Gebers Smileys investieren zusammen eine Million Euro.

Während die meisten Lieferdienste vor ihrer an die Küche angeschlossenen Theke kleine Stehbereiche vorhalten und eiligen Kunden bei Selbstabholung Stehplätze zum Warten bieten, ist das Prinzip, das Hoffmann verfolgt, nicht so häufig bei Bringdiensten verbreitet. "Es gibt einige", sagt Hoffmann und zählt Hamburg und Heide als Beispiele auf. In der Größenordnung, in der er sein neues Haus plant, fühlt er sich als Alleiniger in der Szene vertreten.

Der Fast-Food-Spezialist Hoffmann ist seit 23 Jahren in Elmshorn mit seinem Bringservice unterwegs. Was damals noch in einer kleinen Klitsche auf 38 Quadratmetern am Steindamm begann, soll nun auf 170 Quadratmetern Küche und 50 Quadratmetern Restaurantbereich seine Vollendung finden. 16 Sitzplätze will er im kommenden Jahr in seinem neuen Domizil auf Langelohe bereitstellen. Porzellan und Besteck statt Pappkarton soll dort obligatorisch sein.

Gebaut wird auf dem alten Gelände der AOK-Krankenkasse - dort, wo heute Physio-Therapeuten ihre Praxen haben. Neben der Küche für den Lieferdienst und Sitz- und Wartebereich entstehen in dem Haus auch noch vier Wohnungen - je zwei Zimmer mit 60 bis 70 Quadratmetern Grundfläche. Bereits zum Jahreswechsel möchte Hoffman seinen Betrieb mit dem Lieferdienst aufnehmen.

"Ich möchte mir jetzt etwas Eigenes schaffen", sagt Hoffmann, der zurzeit 200 Meter weiter auf Langelohe zur Miete auf 130 Quadratmetern arbeitet. Allein könne er aber die Investitionssumme von rund einer Million Euro nicht aufbringen. "Zusammen mit der Smileys-Zentrale in Hamburg bauen wir das Haus", sagt Hoffmann.

Und: Definitiv ins Kalkül hat Hoffmann die Lage des Hauses gezogen. Er macht keinen Hehl daraus, dass der Bauplatz zwischen Berufsschule, Anne-Frank-Gemeinschaftsschule und Nordakademie mit ausschlaggebend für die Investition gewesen sei. Schüler und Studenten nutzten in den Pausen die schnelle Mahlzeit.

Außerdem: "Wir verzeichnen jedes Jahr ein Plus von 15 bis 20 Prozent", sagt der Fast-Food-Chef. In der alten Pizza-Küche komme er langsam an die Grenzen des Machbaren. Zurzeit verbrauche er etwa 120 Kilogramm Teig und 20 Liter Tomatensoße am Tag. Wie viel Pizzen das ausmacht, möchte er nicht sagen. Nur soweit: Sechs feste Mitarbeiter und zahlreiche Aushilfen gehören zu seinem Personal. Im Neubau werde er keine alten Gerätschaften verbauen. Er setze komplett auf neueste Technik. Sowohl bei den Öfen als auch bei der Abluft. "Die Nachbarn werden nicht mit Küchengerüchen belästigt", sagt er.

"Zeitmangel, Mobilität, und die Zunahme von Single-Haushalten kennzeichnen unsere Lebensweise, alles muss schnell erledigt werden - auch das Essen", sagt Hoffmann. Das ist sein Geschäft - auch seiner Konkurrenz. Seine Lieferkollegen werden seine Expansion sicherlich kritisch beobachten. Denn: Sie alle sind untereinander aggressive Mitbewerber, die ihrerseits mit kreativen Werbeaktionen auch weiterhin versuchen, sich gegenseitig vom Thron zu stoßen. Bei all diesen teuren Werbeschlachten stellt sich dem normalen Fast-Food-Esser ziemlich bald die Frage, wie lange die Anbieter diesen harten Wettbewerb durchstehen können und wem am Ende das Lächeln vergeht. Dino’s, Joey’s, Mundfein und Smileys sind die größten Unternehmen in Elmshorn, die sich auf Pizza und Pasta spezialisiert haben. Dazu gesellen sich rund ein Dutzend Bringdienste mit Döner, China-Food und Fleischvariationen im Angebot.

Wer wird nach Smileys der nächste sein, der seine Krallen ausfährt und den "normalen" Restaurants Konkurrenz macht?

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