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Elmshorner Nachrichten

18. Oktober 2017 | 06:22 Uhr

Werbevideo sorgt für mächtig Wirbel

vom

Studenten richten heftige Kritik an Kampagne der Elmshorner Hochschule Nordakademie / Schulleitung kontert mit Erfolg der Aktion

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2013 | 10:02 Uhr

Elmshorn | Aufregung an der Nordakademie. Die Hochschule ließ ein Werbevideo drehen, in dem um Studenten für den Studiengang Wirtschaftsinformatik geworben wird. Die spartanische und polarisierende Machart stößt nun auf Widerstand. Studenten meckern via Facebook über die schräge Machart des Streifens. Sie versuchen den äußerst außergewöhnlich und freigeistig inszenierten Spot sowie die Begleitkampagne mit Nachdruck aus dem Internet und der Öffentlichkeit zu verbannen. Kritiker konfrontieren die Akademieführung mit dem Vorwurf eines fahrlässigen Umgangs mit dem "guten Ruf der Hochschule". Kanzler Jörg Meier wiegelt ab. "Normal und klassisch kann jeder. Wir wollen Querdenker, kreative Köpfe und bunte Vögel, die den Hintergrund der Kampagne verstehen." Man müsse, so Meier weiter, auch mal "neue, ungewöhnliche Wege in der Werbung" gehen.

Was sorgt nun für Schmähe im umstritten Video? Der Spot ist in drei Teile gegliedert. Die erste Szenerie zeigt in Manier eines alten Videospiels einen jungen Mann und eine junge Frau, die sich gegenseitig bekämpfen. Informaticus trifft auf Economica - eine Parodie auf die Studieninhalte Informatik und Wirtschaft. Im zweiten Teil werden Studienplätze bei einer TV-Verkaufsshow angeboten. Übertrieben und mit einer Prise Selbstironie verschleudern die beiden Protagonisten mit allerhand Mimik und Wortspiel Studienplätze. Der Spot endet in der dritten Einstellung mit einem Verweis auf eine Bewerbungsseite im Internet.

Um dieses Video machen Studenten nun mächtig Wirbel. Auf der Facebook-Seite der Akademie hagelt es geradezu Schmäh-Kommentare. "Dieses Video zerstört das Image der Nordakademie." Oder: "Ich sehe es eher als eine Beleidigung an, dass sämtliche Studierenden ihren Studienplatz aus dem Werbefernsehen haben sollen." Von Beschämung ist die Rede. "Unglaublich peinlich" ist es einigen aktiven wie ehemaligen Studenten der Akademie.

Wie ein Lauffeuer hat sich das Video daraufhin im Internet verbreitet. Fast 12 000 Mal wurde der Spot bisher aufgerufen. Dass das Ergebnis nicht jedem gefällt, das kommt für Meier "nicht unerwartet". Mit der Fülle an negativen Kommentaren hat der Kanzler allerdings nicht gerechnet.

Warum gab die Akademie solch eine Kampagne überhaupt in Auftrag? Bisher hieß es von der Hochschulleitung stets, man stehe sehr gut da und müsse sich um Bewerber keine Sorge machen. Jörg Meier: "Im den Bereichen Betriebswirtschaft und Ingenieurwesen kommen auf einen Studienplatz zehn Bewerber. Lediglich im Bereich Wirtschaftsinformatik sieht die Lage anders aus." Dort mangele es an qualifiziertem Nachwuchs während die Kooperationsunternehmen der Akademie demgegenüber aber händeringend nach immer mehr Informatikern suchen. Was also tun? Werbung. Aber wie?

"Wir haben uns differenziert mit dem Thema auseinander gesetzt", sagt Jörg Meier. Bei der Aufgabe, ein zielorientiertes Marketing zu entwerfen, habe man sich deshalb bewusst von klassisch aufgebauten Kampagnen fern gehalten. "Wir möchten nicht langweilig, altbacken wirken", so Meier. Die Nordakademie sei eine moderne Hochschule. Faktoren wie witzig, ungewöhnlich, trashig oder auch polarisierend prägten somit die Idee. Normal könne jeder - anders gehe auch. Werbung müsse auffallen und im Kopf bleiben, um eine Nachhaltigkeit zu erzielen, so der weitere Gedanke zum Video. Außerdem, betont Meier, müsse man seine Kunden dort abholen, wo sie sich herumtreiben - im Internet.

Die Hochschule scheint damit - entgegen der Auffassung zahlreicher Kritiker - Erfolg zu haben. "Wir merken bereits nach wenigen Wochen, dass die Bewerberzahlen über unser Internetportal im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen sind", sagt Meier. Und auch die positiven Reaktionen auf Facebook nehmen zu. Dort heißt es zum Beispiel: "Es gibt genug kantenlose, langweilige und seriöse Spots! Man darf auch mal über sich lachen und albern sein. Ich finde den Spot lustig und ganz nebenbei bringt er die wichtigsten Eckdaten rüber. Daumen hoch!" Ein anderer Nutzer schreibt: "Finde die Idee echt witzig! Und ob die Nordakademie unbedingt ein Harvard-Image braucht - darüber kann ja ein BWLer mal ne Bachelor-Arbeit schreiben." In einer E-Mail an den Kanzler schreibt eine Studentin: "Endlich mal traut sich jemand!"

Meier: "Wer sich den Spot bis zum Schluss anschaut, kann die Vielfalt des Studiums erahnen. Und wer auf das minimalistisch entworfene Plakat reagiert, den hat die Kampagne erreicht." Neue Wege gehen - so lehren die Professoren an der Elmshorner Hochschule - sei in jedem Job wichtig, und diese geistige Vielfalt brauche eine Akademie.

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