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Langelohe / Elmshorn : Wer versteht dieses Verkehrs-Wirrwarr?

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Bürger kritisieren veränderte Verkehrsführung mit Fahrrad-Schutzstreifen. Jetzt erklärt Verkehrsplanerin Ellen Unger das Konzept.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2015 | 10:00 Uhr

Elmshorn | „Verwirrend“, „unmöglich“, „lebensgefährlich“ – die veränderte Verkehrsführung auf Langelohe ist für viele Elmshorner völlig unverständlich. Die Stadtverwaltung hat zwischen Mühlendamm und Kreisverkehr für etwa 42.000 Euro einen Fahrrad-Schutzstreifen und eine Verkehrsinsel anlegen lassen. Besonders in der Kritik steht das abrupte Ende des Schutzstreifens vor der Verkehrsinsel und vor dem Kreisverkehr.

Stadtplanerin Ellen Unger möchte für mehr Transparenz sorgen und erklärt, was sich die Stadt bei der neuen Verkehrsplanung gedacht hat. In erster Linie soll der Schutzstreifen dazu dienen, das Fahrradfahren auf der Straße sicherer zu machen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Autofahrer die Radfahrer auf der Straße besser wahrnehmen würden als auf klassischen Radwegen. „Gerade wenn ein Auto in eine Auffahrt fährt und dabei den Radweg kreuzt, kommt es oft zu Unfällen.“ Der alte Radweg sei außerdem zu schmal. Es bestehe die Gefahr, dass die Radfahrer gerade zur Rushhour mit den Fußgängern oder auch  den Fahrgästen an der Bushaltestelle kollidierten.

Was die Unterbrechung des Schutzstreifens betrifft, so argumentiert Unger erneut mit der Sicherheit der Radfahrer. Durch das Ende des Schutzstreifens werde den Verkehrsteilnehmern besser verdeutlicht, dass sie nicht weiterhin nebeneinander sondern hintereinander die Engstelle passieren sollen. Sicherheitshalber haben Unger und ihre Kollegen aber zumindest für die erste Zeit, in der die Verkehrssituation für Auto- und Radfahrer noch neu ist, im betroffenen Bereich eine 30er-Zone eingerichtet.

So ist es gedacht

Manfred Kreitschik hält die neue Verkehrsführung auf Langelohe für eine absolute Fehlkonstruktion. „Es ist lebensgefährlich für Radfahrer“, sagt der 61-jährige Elmshorner. Die Straße sei mit dem Fahrrad-Schutzstreifen zu eng. Ellen Unger, die Verkehrsplanerin der Stadt, kennt diese Kritik. „Natürlich ist die Straße Langelohe schmaler als beispielsweise der Steindamm, wo die Stadt ebenfalls einen Schutzstreifen aufgebracht hat. Aber selbst dort haben wir am Anfang Kritik bekommen. Nach einiger Zeit wird sich die Änderung etablieren.“ Sie möchte das Verkehrs-Konzept der Stadt für die Bürger transparenter machen und erklärt deshalb ausführlich die neue Verkehrsführung auf Langelohe.

Anfang vergangener Woche ist die Straße nach den Bauarbeiten für den Verkehr wieder freigegeben worden. Seitdem gibt es dort zwei Veränderungen: einen Fahrrad-Schutzstreifen und eine Verkehrsinsel, damit Schüler und Spaziergänger leichter die Straße überqueren können. „Mit den neuen Fahrrad-Streifen wollen wir trotz der relativ beengten Verkehrsverhältnisse einen Schutzraum für Fahrräder auf der Fahrbahn schaffen“, erklärt Unger. Die Autos würden die Fahrräder so erfahrungsgemäß mit größerem Abstand überholen. „Viele wissen nicht mehr, dass ein Abstand von 1,50 Metern zu Fahrradfahrern vorgeschrieben ist.“

Mit dem Schutzstreifen werde nur die ursprüngliche Verkehrsführung unterstrichen. Denn schon vor der Neuerung war das Fahren auf der Straße erlaubt. Der alte Radweg auf dem Bürgersteig ist nicht offiziell als Radweg gekennzeichnet und muss deshalb auch nicht genutzt werden. Die Fahrradfahrer hatten und haben also die Wahl, ob sie lieber auf dem alten Radweg oder auf der Straße fahren wollen.

Stadtplanerin Ellen Unger und Thomas Kempe vom Flächenmanagement erklären die Verkehrsführung auf Langelohe. (Foto: Pfeifer)
Stadtplanerin Ellen Unger und Thomas Kempe vom Flächenmanagement erklären die Verkehrsführung auf Langelohe. (Foto: Pfeifer)
 

Ellen Unger sieht klare Vorteile, auf der Straße zu fahren: „Der alte Radweg ist eigentlich zu schmal. Es besteht die Gefahr, dass die Radfahrer gerade zur Rushhour mit den Fußgängern oder auch den Fahrgästen an der Bushaltestelle kollidieren.“ Außerdem hätten Untersuchungen gezeigt, dass das Fahren auf der Straße ungefährlicher sei. „Die Autofahrer nehmen die Radfahrer dort besser wahr. Gerade wenn ein Auto in eine Auffahrt fährt und dabei den Radweg kreuzt, kommt es oft zu Unfällen.“ E-Bikes und schnelle Radfahrer kämen zudem auf der Straße schneller voran.

Der Schutz-Streifen hat also die Funktion, das Fahren auf der Straße sicherer zu machen. Wer sich beim Fahrradfahren unsicher fühlt, kann natürlich weiterhin den Radweg auf dem Bürgersteig nutzen. Der Hauptkritikpunkt vieler Elmshorner ist aber nicht der Schutzstreifen selbst, sondern eine Stelle ungefähr in der Mitte der Straße, wo er auf Höhe der ebenfalls neu angelegten Verkehrsinsel unterbrochen wird. Bei Facebook schreibt etwa eine Nutzerin, der Fahrradstreifen ende mitten im Nirgendwo und die Radfahrer führen dann „völlig wirr auf der Straße rum“. Die Vorfahrt, so die häufig geäußerte Meinung, sei nicht klar genug geklärt.

Für Verkehrsplanerin Unger ist die Situation eindeutig: Im Bereich der Verkehrsinsel ist Überholverbot. Wenn ein Radfahrer vor einem Autofahrer fährt, hat er Vorfahrt und der Autofahrer muss abbremsen. Umgekehrt gilt das selbe. Wenn beide gleichzeitig an der Insel ankommen, müssen die Verkehrsteilnehmer die Situation unter sich ausmachen. „Wir hätten den Fahrrad-Schutzstreifen in diesem Bereich auch fortsetzen können“, erklärt Unger. Schließlich ist die Linie des Schutzstreifens gestrichelt und darf, wenn kein Fahrradfahrer dabei gefährdet wird, überfahren werden. „Unserer Meinung nach wird so aber besser verdeutlicht, dass hier nicht nebeneinander, sondern hintereinander gefahren werden soll.“ Auch am Kreisverkehr haben die Verkehrsplaner der Stadt den Schutzstreifen auslaufen lassen, damit sich Radfahrer und Autofahrer hintereinander einordnen können. „Ansonsten würden die Radfahrer zu schnell in den toten Winkel kommen.“ Verkehrsinsel und Schutzstreifen sind Bestandteil des Velorouten-Konzepts der Stadt, mit dem das Radfahren in Elmshorn gefördert werden soll. An der Straße Langelohe kreuzen sich zwei dieser Fahrrad-Routen quer durch Elmshorn.

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