Wer den Stadtlauf wirklich gewonnen hat

Autor Arne Tiedmann tritt am Hafen auf.
Autor Arne Tiedmann tritt am Hafen auf.

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02. Oktober 2018, 13:40 Uhr

Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass die Wegstrecke, die ein Mann mittleren Alters jährlich zwischen Sofa und Kühlschrank zwecks sinnloser Nahrungsaufnahme und Genusstrinken ohne Durstgefühl zurückgelegt, bei exakt zehn Kilometern liegt. Der abgetretene Pfad auf dem Stubenteppich, karg wie ein ausgetrocknetes Flussbett zur Dürrezeit in der Savanne, zeugt von etlichen, durch kulinarischen Luxusmangel motivierten Alleingängen.

Zehn Kilometer ist aber auch die Distanz, die man beim Stadtlauf in Elmshorn zurücklegen kann, wenn man an einem vorherbstlichen Sonntagmorgen wirklich nichts Besseres zu tun hat. Hektiker und rastlose Tempomaten bei diesem Wettbewerb schaffen die Strecke in nicht einmal 40 Minuten.

Der aktuelle Galopper des Jahres brauchte sogar nur knappe 33 Minuten. Eine nach außen hin sicherlich tolle Leistung, die sich aber schnell relativiert, wenn man bedenkt, dass der junge, drahtige Herr quasi hauptberuflich durch die Gegend astet und sich auf Veranstaltungen, wie diese regelrecht vorbereitet. Und vielleicht wollte er auch pünktlich zum Mittagessen wieder zuhause sein. Kein Wunder also und wahrscheinlich ist er längst im Ziel gewesen, bevor er überhaupt anfangen konnte zu schwitzen.

Meine Vorbereitung auf den Stadtlauf beschränkte sich lediglich auf die sitzende Online-Anmeldung, für die ich mich nicht einmal irgendwohin bewegen musste und abschließend das Zubinden meiner Turnschuhe kurz vorm Losdackeln. Der Rest passierte im wahrsten Sinne aus dem Stand heraus.

Kein Training (bis auf die erwähnten Kühlschrankläufe), kein affektiertes Aufwärmen vor dem Startschuss, kein Stress, keine Anrufe, keine Termine. Dennoch war der Lauf für mich etwa ab dem dritten Kilometer bereits recht mühselig und nicht wenig später nur durch den unbedingten Willen aufrecht auf zwei Beinen anzukommen bestimmt.

Und nachdem ich die letzten zwei Kilometer nur noch in Schwarz-Weiß erlebte, sprang am Ende der 251. Platz heraus und ich war 35. Mann in meiner Altersgruppe.

Beides mit Sicherheit keine Meriten, die man sich stolz auf ein T-Shirt drucken lässt oder mit denen man überheblich seine Facebook-Seite pflastert.

Aber die bekannten Einordnungskriterien, bestimmt durch Uhrzeit und Alter, nach denen sich ein Ranking zwischen Erfolg und Versagen zusammensetzt, verklären nur das Bild der wahren Leistung und deswegen ist nicht derjenige Sieger, der als Erster ins Ziel gerannt ist.

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