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Elmshorner Nachrichten

19. Oktober 2017 | 23:56 Uhr

Elmshorn : Wenn Fassaden Risse bekommen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Vier Filmschauspieler zeigen im ausverkauften Elmshorner Stadttheater die Komödie „Paarungen“.

shz.de von
erstellt am 24.Nov.2014 | 15:00 Uhr

Elmshorn | Das Leben kommt einem oft dazwischen, wenn man versucht, irgendwie einen Alltag zu gestalten. Eine langjährige Freundschaft, ein Lottogewinn und ein paar private Geheimnisse sorgen dafür, dass das Alltagsleben von zwei Paaren auf die Probe gestellt wird. Da kommt so manches ans Licht, was bisher verborgen blieb, und anscheinend ist niemand das, was er zu sein vorgibt. Am Ende gerät alles aus den Fugen, doch möglicherweise fügt sich auch so manches.

Die selbstgerechte, kühle Katharina ist mit dem smarten Stephan verheiratet. Beide sind Anfang 40, gut situiert und scheinbar glücklich miteinander. Ihr älterer Freund Paul hat sich gerade von seiner Frau getrennt, weil er es sich dank eines Lottogewinns „endlich leisten kann“. Katharina verurteilt Paul nicht nur für die Trennung, sondern vor allem dafür, dass er bereits eine neue Frau an seiner Seite hat. Er hat sich in die deutlich jüngere, leicht einfältige Elisa verliebt. Dass die ein Verhältnis mit Stephan hat, scheint ihn nicht zu stören. Elisa lässt sich auf eine Liaison mit ihm ein, bietet doch ein finanziell sorgloses Dasein für sie die Möglichkeit, in ihrem Privatleben einiges zu verändern. Während eines Abendessens mit allen vier spitzt sich die Situation zu. Katharina erfährt von der Affäre ihres Gatten mit Elisa und beschließt daraufhin, sich von Stephan scheiden zu lassen. Doch auch die glatte Fassade der so kontrollierten Katharina bekommt Risse. Ist da eine verborgene Zuneigung zu Paul? Diese Frage bleibt offen. In der letzten Szene des Stücks verlässt Katharina die Wohnung, Paul eilt ihr hinterher. Der Weg für Elisa und Stephan ist damit eigentlich frei. Oder doch nicht? Ob es für irgendwen ein Happy End gibt, muss jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden.

Vier aus Film und Fernsehen bekannte Schauspieler, allen voran die großartige Julia Bremermann als Überzicke Katharina und Peter Prager als chauvihafter, neureicher Paul, machten den Abend im Elmshorner Stadttheater zu einem kurzweiligen Vergnügen. Nina Bott als naive Elisa und Mathias Herrmann als abenteuerlustiger Stephan gerieten oft in den dramaturgischen Hintergrund, wenn Pragers und Bremermanns pointierte Passagen („Nimm Deine Schlampe unter den Arm und verlass’ dieses Haus!“) für laute Lacher und szenischen Applaus im ausverkauften Saal sorgten. Auch, dass ein Theaterstück nicht nur aus Wörtern, sondern auch aus Gesten, Blicken und Schweigen besteht, hat dieser Abend wieder einmal bewiesen. Zwar blieb vieles unausgesprochen, aber nichts wirklich ungesagt.

Straßenszenen in doppeltem Tempo

Die Komödie „Paarungen“ von Eric Assous ist ein elegantes und spritziges Vierpersonenstück mit witzig-klugen Dialogen und rhetorischen Wechselspielen auf hohem, aber niemals abgehobenem Niveau. Auch Komödien dürfen tragische Momente haben, und genau davon lebt „Paarungen“, aber auch von schnellen Szenenwechseln und intelligenten Rückblenden. Toll der Einfall, in die einzelnen Szenenwechsel auf einer vorgebauten Leinwand eine immer wiederkehrende Straßenszene einer Großstadt mit doppelter Geschwindigkeit einzuspielen. Untermalt wurden die Szenenwechsel mit den sinnschweren Texten von „Element of Crime“.

Am Ende des Abends verließen nicht wenige Zuschauer das Haus mit einem wissenden Lächeln und dem Gefühl, mehr oder weniger Ähnliches auch erlebt zu haben, wenn man selbst Pläne für den Alltag machte.

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