Architektur aus der Region : Weltkulturerbe aus Kiebitzreihe

„Weltstar“ aus Kiebitzreihe: Durch den Bau des Chilehauses im Hamburger Kontorhausviertel setzte der Architekt Fritz Höger aus Bekenreihe (heute ein Ortsteil von Kiebitzreihe) neue Maßstäbe.
„Weltstar“ aus Kiebitzreihe: Durch den Bau des Chilehauses im Hamburger Kontorhausviertel setzte der Architekt Fritz Höger aus Bekenreihe (heute ein Ortsteil von Kiebitzreihe) neue Maßstäbe.

Die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel sind Weltkulturerbe. Mittendrin: das Chilehaus des Kiebitzreihers Fritz Höger.

shz.de von
07. Juli 2015, 16:15 Uhr

Kiebitzreihe | Von Kiebitzreihe in die ganze Welt: Das schaffte der Architekt Fritz Höger aus Bekenreihe (heute Ortsteil von Kiebitzreihe). Durch den Bau des Chilehauses im Hamburger Kontorhausviertel setzte er neue Maßstäbe und wurde zu einem der bekanntesten und gefragtesten Architekten Deutschlands. Am Sonntag sind das Kontorhausviertel und die Hamburger Speicherstadt zum Unsesco-Weltkulturerbe ernannt worden. Damit ist auch das Architekturwunder des Baumeisters aus Elmshorns Nachbargemeinde nun offiziell von 190 Staaten aufgrund seiner „Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität“ als „weltbedeutend“ anerkannt.

Die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel sind seit Sonntag Unesco-Weltkulturerbe. Mitten drin steht das Chilehaus – gebaut von dem Kiebitzreiher Architekten Fritz Höger.

Fritz Höger wurde 1877 in Bekenreihe, heute ein Ortsteil von Kiebitzreihe, geboren. Nach einer Ausbildung zum Zimmermann im väterlichen Betrieb und einer Lehre als technischer Zeichner machte Höger sich 1907 selbstständig. Schnell wurde er zu einem der bekanntesten und gefragtesten Architekten in Deutschland. Sein Stil war einzigartig: Ganz gegen den üblichen Stil der Zeit baute er Fassaden aus Backstein. Durch geschickte Legung der Ziegel schuf er Muster, die die sonst langweilig wirkenden Fassaden zum Leben erweckten. Zu seinen ersten Bauwerken zählen das Klöppelhaus und das Rappolthaus, beide stehen in der Mönckebergstraße.

Mit dem Chilehaus erlangte Höger internationale Bekanntheit. Sein Auftraggeber war der Unternehmer Henry B. Sloman, einer der reichsten Hamburger seiner Zeit. Dieser hatte 1921 das Grundstück gekauft, um darauf ein Kontorhaus zu errichten. Fritz Höger konnte den Bauherrn von seinen Ideen überzeugen und 1922 startete der Bau. In den weichen Boden wurden insgesamt 18 Kilometer Pfähle aus Eisenbeton getrieben, um das Fundament zu sichern. Neun Stockwerke waren nötig, um Slomans Wunsch nach 36000 Quadratmetern Bürofläche nachzukommen. Um dem hohen Bau seine Klobigkeit zu nehmen, wandte Höger ein geschicktes Mittel an: Die obersten Geschosse baute er als Staffelgeschosse.

Das markanteste Merkmal des Chilehauses ist seine Spitze. Nachdem sie von Carl und Adolf Drensfeld mit einer Speziallinse und extremer Untersicht abgelichtet wurde, wurde das Chilehaus zum am meisten abgebildeten Architekturmotiv der 1920er Jahre.

Der Auftraggeber für den Genäudekomplex war der Unternehmer Henry B. Sloman, einer der reichsten Hamburger seiner Zeit. (Foto: dpa)
Der Auftraggeber für den Genäudekomplex war der Unternehmer Henry B. Sloman, einer der reichsten Hamburger seiner Zeit. (Foto: dpa)
 

Nach dem Bau des Chilehauses erhielt Fritz Höger massenhaft Aufträge. 1927/1928 baute er das Hochhaus des Hannover Anzeigers. Gleichzeitig entstand das Rathaus von Wilhelmshaven-Rüstringen, das wegen seines wuchtigen Turmbaus als „Burg am Meer“ bekannt wird. Von 1930 bis 1933 entsteht die Kirche am Hohenzollernplatz in Berlin. Auch im Ausland war der Architekt aus der Elmshorner Nachbargemeinde gefragt: Seine Aufträge führten ihn nach Saloniki, Ostafrika und Finnland. Für die Meerenge von Gibraltar plante er einen riesigen Staudamm.

1933 wird Höger von seinem Freund Fritz Mackensen zum Professor an die Nordische Kunsthochschule in Bremen berufen. Doch die neuen Machthaber liebten „großdeutsche“, keine niederdeutsche Architektur. Im Jahre 1936 kostete eine Intrige von Rudolf Heß Höger und Mackensen die Lehrstühle. Aus den gleichen Gründen scheiterte auch ein Großauftrag für den Schah von Persien, für den Höger 1937 für vier Monate nach Teheran gereist war.

Fritz Höger: Weltbekannter Architekt aus Kiebitzreihe. (Foto: Archiv)
Fritz Höger: Weltbekannter Architekt aus Kiebitzreihe. (Foto: Archiv)
 

Höger zog es immer öfter nach Bekenreihe in sein Elternhaus. Dieses ließ er, nach dem Tod seiner Mutter 1932, nach seinen Jugenderinnerungen im niederdeutschen Stil wieder herrichten. Nach 1945 fand Höger, inzwischen 68 Jahre alt, nicht mehr zu alter Größe zurück und größere Aufträge blieben aus. Nachdem er sich 1940 hatte scheiden lassen, heiratete er 1946 erneut und zog in seinen Geburtsort. 1949 starb Höger. Auf dem Friedhof in Kiebitzreihe liegt er begraben.

Das Chilehaus blieb bis 1990 im Besitz der Familie Sloman, dann kaufte es ein schwedischer Privatinvestor. Seit 1999 steht es auf der Nominierungsliste für das Unesco-Weltkulturerbe. Seit Sonntag ist es zusammen mit Speicherstadt und Kontorhausviertel Teil dessen.

Neben seinen Gebäuden erinnert an den Architekten auch der nach ihm benannte Fritz-Höger-Preis. Seit 2008 wird der mit 10000 Euro dotierte Preis alle drei Jahre vergeben – an Architekten von Gebäuden, deren Vormauerwerk aus Backstein besteht.

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