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Rathaus-Neubau : Weiße Villa: Wie geht’s weiter?

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Nach dem Rathausbau könnte die alte Pizzeria verkauft werden. Das Stadtarchiv steht im Überschwemmungsbereich. Die Grünen wollen die Nutzung der Markthalle prüfen.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Elmshorn | Wird mit dem Bau des neuen Rathauses ein Leerstand in anderen städtischen Gebäuden erzeugt? Diese Frage wird zurzeit in der Politik und Verwaltung diskutiert.

Der größte Leerstand wird selbstverständlich im jetzigen, denkmalgeschützten Rathaus am Propstenfeld entstehen. Doch darum geht es in der aktuell angeschobenen Debatte nicht, denn das Rathaus soll nach dem Umzug der Verwaltung in einen Neubau am Buttermarkt verkauft werden. Ebenfalls unstrittig: Die Stadtentwässerung bleibt in dem Gebäude bei den Stadtwerken, die Musikschule an der Gärtnerstraße, die Stadtbücherei im Möhringschen Haus in der Königstraße, der Kunstverein Elmshorn im Torhaus und das Trauzimmer in der Weißen Villa.

Was ist aber mit dem Gebäude am Drückhammers Gang gegenüber der Südseite des jetzigen Rathauses? Der Seniorenrat sowie die Behinderten- und Integrationsbeauftragten sollten, um ihre Aufgaben gerecht werden zu können, später nicht weit entfernt, sondern am besten direkt im neuen Rathaus Büros haben. Der dort ebenfalls untergebrachte Computerclub Elmshorn könnte sich räumlich verändern – bliebe nur noch die Stadtwache der Elmshorner Polizei, die auch ins neue Rathaus integriert werden könnte. „Das Gebäude wird aus Sicht der Stadtverwaltung überflüssig“, so der CDU-Stadtverordnete Andreas Hahn. Es könnte theoretisch verkauft werden. Zumindest müsse ein Nutzungskonzept her. Das Haus hat im Erdgeschoss gut 130 Quadratmeter, im Obergeschoss 94.

Auch für das Kutscherhaus im Garten der Weißen Villa sieht Hahn zum jetzigen Zeitpunkt einen Leerstand und mahnt, die noch vorhandenen „Ungereimtheiten“ gemeinsam zu klären. So drohe zudem in der Weißen Villa der „herrliche Magistratssaal an 365 Tagen im Jahr leer zu stehen“, wenn zukünftig die Politiker im etwa 7000 Quadratmeter großem Rathausneubau relativ weit entfernt von der Weißen Villa tagten.

Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje (parteilos) hält die Problematik für nicht so gravierend. „Ich sehe nicht die Gefahr, dass es Leerstände gibt“, sagte er im Sonderausschuss Rathaus und fügte hinzu: „Es gibt Mietinteressenten von stadt- und kreisnahen Einrichtungen.“

Allerdings räumte der Verwaltungschef ein, dass es mit dem Magistratssaal „eine Krux“ sei. Einerseits müsse er erhalten, andererseits könne er später vielleicht für andere Organisationen freigegeben werden. Der Kunstverein Elmshorn soll sich bereits gegen eine Nutzung als Ausstellungsraum ausgesprochen haben. Ein weiteres Problem: Die Weiße Villa ist nicht barrierefrei und zudem in Sachen Versorgungstechnik mit dem jetzigen Rathaus auf der anderen Straßenseite verbunden. Das Haus gehört der Stiftung zur Erhaltung von Kulturdenkmälern in Elmshorn, das jetzige Rathaus soll später verkauft werden.

Ebenfalls Kritiker findet der Vorschlag, das Stadtarchiv wie bislang geplant in den Kellerräumen der Weißen Villa zu belassen. Der Keller ist langfristig zu klein, aber vor allem vor dem Bau des Krückausperrwerks bei Fluten immer wieder voll Wasser gelaufen. Die Räume werden auch beim Ausfall der Pumpen feucht. Im neuen Sanierungsgebiet Krückau/Vormstegen ist in gleicher Entfernung vom Fluss wegen des Klimawandels und möglichen Überschwemmungen nicht einmal der Bau von Tiefgaragen erlaubt.

Die jetzige Umstrukturierung könnte als Chance genutzt werden, das „historische Gedächtnis der Stadt“ mit seinen zum Teil einmaligen und sehr alten Dokumenten aus der Überschwemmungszone der Krückau zu verlegen. Unter anderem böten sich die leer werdenden, höher gelegenen Räume im stabil gebauten VHS-Haus an. Das Stadtarchiv bliebe dann auch in der sogenannten „Kulturmeile“ der Bismarckallee mit VHS, Weißer Villa und Konrad-Struve-Haus der Ortsgeschichte. Das besagte Verwaltungsarchiv, das in der VHS untergebracht werden soll, könnte in den Keller der Villa kommen, denn es soll nach einigen Jahren und einer teilweisen Digitalisierung sowieso vernichtet werden.

Einen weiteren Aspekt in der städtischen „Raumdiskussion“ brachte Rainer Naske von Bündnis 90/Die Grünen in die Debatte: Die Markthalle auf dem Buttermarkt. Das städtische Gebäude steht unter Denkmalschutz und soll als Solitär der Innenstadt auf jeden Fall erhalten bleiben. Das Backsteinhaus ist aber aus bautechnischen Gründen nur im Erdgeschoss nutzbar. Darüber befinden sich allerdings noch weitere Geschosse. Die Rede ist von etwa 1000 Quadratmetern. Die Stadt, so heißt es von Bündnis 90/Die Grünen, sollte prüfen, ob und zu welchen Kosten eine Herrichtung und Nutzung der stadteigenen Räume in bester Innenstadtlage möglich ist.

Entscheidungen bei den Raumfragen der Stadt haben Elmshorns Politiker noch in keinen der infrage kommenden Punkte getroffen. Die Debatte wird voraussichtlich während der nächsten Sitzung des Hauptausschusses unter dem Tagesordnungspunkt „Raum- und Funktionsprogramm für den Neubau des Rathauses“ weiter geführt. Das öffentliche Treffen beginnt am heutigen Dienstag, 18. Februar, um 18 Uhr im Mehrzwecksaal des Rathauses (Eingang Parkseite).
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