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Quickborn : Weihnachtsoratorium in der Lutherkirche Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Das Ensemble und die Solisten begeistern das Publikum.

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2016 | 16:09 Uhr

Elmshorn | Es gibt Traditionen, die wiederholen sich jedes Jahr, und dennoch wird keiner ihrer müde. In der Musikkultur ist eine solche Tradition das große Weihnachtsoratorium Johann Sebastian Bachs, das sich einer solchen Beliebtheit erfreut, dass es für viele aus dem vorweihnachtlichen Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenken ist. Am Sonnabend führten die Kantoreien der Emmaus- und Friedenskirchengemeinden unter Leitung von Isolde Kittel-Zerer und Joachim Poelchau mit instrumentaler Begleitung des Concerto Elmshorn die Kantaten 1 bis 3 des großen Vokalwerks in der Lutherkirche Elmshorn auf.

Doch warum ist das Weihnachtsoratorium, das nach seiner Komposition hinter den großen Passionen Bachs in Vergessenheit geriet, in heutigen Zeiten ein derart populärer Publikumsmagnet? Es mag an der Konzeption des Werkes liegen: musikalische Formen zwischen großem Choral und kunstvollen Arien, gespickt mit der rezitativen Erzählung der Weihnachtsgeschichte.

Es sind vor allem diese musikalischen Formen in ihrer Vielfalt, die sich in die Symbiose von Nostalgie und Rührung einbetten. „Jauchzet, frohlocket“, tönt es alle Jahre wieder vom großen Choral, der sich gleich zu Beginn des Werkes majestätisch postuliert. Wenn die Pauken ertönen, diese gespannte Vorfreude auf Großes im Raum Einzug erhält, dann scheint jedem das Herz aufzugehen.

Unerlässlich für die kribbelnde Erwartung ist dabei aber die Qualität der Musik, denn die Genialität einer Komposition liegt immer in der Verantwortung der Ausführenden, der Musiker. Dass die Chöre der beiden Elmshorner Gemeinden gut vorbereitet waren, wurde schon bei den ersten Choreinsätzen deutlich. Unglaublich ausgewogen zogen die Sängerinnen und Sänger unter dem Dirigat Poelchaus ihre Melodien und Koloraturen durch die Musik. Besonders bemerkenswert: der außergewöhnlich gute Sopran, der dankenswerterweise auf penetrant wirkende Akzente in diffusen Höhen verzichtet und sich ganz galant über die präzisen Koloraturen der Mittelstimmen legt.

Für die emotionale Rührung, die bei einem Weihnachtsoratorium natürlich nicht ausbleiben darf, sind die Arien konzipiert worden. Das Innehalten, die Emotionalität der Protagonisten sowie der berauschende Affektgehalt werden durch die Solopassagen verdeutlicht. Süffisant und dezent, mit der Dynamik spielend, singt sich Pauline Jakob als Alt durch die kitschigen Texte der ausgeschmückten Arien und auch Martina Hamberg-Möbius und Immanuel Klein überzeugen im Duett als Sopran und Bass. Der inhaltlich narrative Zusammenhang, der in Secco-Rezitativen durch den Evangelisten durch die Erzählung der Weihnachtsgeschichte wiedergegeben wird, war in gewohnter Manier durch den Tenor Stephan Zelck gewährleistet. Glasklar, präzise und vor allem angenehm verständlich und charmant zog er seine Kreise durch die allseits bekannte Geschichte und überzeugte in der anspruchsvollen „Hirtenarie“.

Ruhig und dezent

Gerade die Begegnung von Orchester, Chor und Solisten, alle in unterschiedlichen musikalischen Formen verkörpert, war ein Genuss an diesem Abend. Ruhig und dezent bewegten sie sich alle auf demselben musikalischen Niveau und fügen sich in das große Vokalwerk ein.

Das Concerto Elmshorn verstand es, die Akzente der imposanten Musik richtig zu setzen und in den Arien mit den Solisten die variierenden Melodien zu „sprechen“. Und dabei war auch die Begeisterung für das Werk zu spüren. Zwischen Nostalgie, Prunk und Zierde, Rührung und Kitsch bettete sich das Oratorium durch ein hervorragendes musikalisches Ensemble in die Adventszeit ein.

Wer nicht bis zum nächsten Jahr warten möchte, hat am 11. Dezember 2016 im Rahmen des Gottdienstes um 3. Advent um 11 in der Thomaskirche Elmshorn die Möglichkeit, die 1. Kantate in konzertanter Form noch einmal zu erleben.

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