Weihnachtsfeier am 6. Januar : Weihnachten mal anders in Elmshorn

 Die Kinder auf der Bühne bekamen besonders viel Applaus.
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Die Kinder auf der Bühne bekamen besonders viel Applaus.

Die Dittchenbühne hat wieder traditionell nach dem dem Julianischen Kalender eingeladen.

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08. Januar 2018, 13:00 Uhr

Elmshorn | Sonntag war Weihnachten, am Sonnabend Heiligabend. Jedenfalls für diejenigen, die nach dem Julianischen Kalender rechnen – wie in der russisch-orthodoxen Kirche. Die Spätaussiedler treffen sich dafür seit zehn Jahren um den 6. Januar herum in der Elmshorner Dittchenbühne zur großen Weihnachtsfeier. Das Datumsproblem löst Frieda Büchner, von Anfang an Organisatorin der Feier, pragmatisch: Sie legt das Fest auf einen Sonnabend, damit niemand von frühem Arbeitsbeginn am nächsten Morgen gebremst wird. 

„Ich bin richtig begeistert, wenn die Kinder auf der Bühne sind“, das motiviert die Uetersenerin Büchner in jedem Jahr wieder, die Feier auf die Beine zu stellen. Rund 40  Mitwirkende gestalteten ein anderthalbstündiges Programm, das vor allem aus Gesang und Tanz bestand. Die verschiedenen Gruppen hatten zwar ihre Nummern geübt, aber einen ganzen Durchlauf gab es nicht, bevor sich der Vorhang öffnete. Trotzdem lief es im Großen und Ganzen reibungslos. Und als die Technik tatsächlich hakte, passte das sogar ganz gut: Sechs junge Frauen wollten modern tanzen, das Playback stockte und begann von vorne, und weil die Musik aus einer komplexen Mischung aus Geigen- und Cellopartien mit amelodischen, elektronischen Abschnitten bestand, wurde das Publikum nach der Anfangspanne wach gehalten: Klemmt es wieder, oder gehört das doch so? Aha, sie tanzen durch, der Rhythmus läuft weiter, dann soll das wohl so sein.

Gut 110 Besucher zahlten für Bühnenprogramm und Buffet 20 Euro Eintritt. Sie erlebten dafür viel Glitzer auf der Bühne, klassische russische und ukrainische Lieder – klar, Kalinka war auch dabei –, Tänze in modern oder klassisch mit Stiefeln und weiten, wehenden Röcken, Gesang in vielen Varianten: als Chor, als Solo, von einem Mädchen oder einer Frau vorgetragen. Rar machten sich auf der Bühne allerdings die Männer; Ausnahme: der sehr gute Akkordeonspieler Leonid Klemaschewski aus Pinneberg. Der Elmshorner Chor „Druschba“ (russisch für „Freundschaft“) mit der studierten Musikerin Kristina Staeck als Leiterin und die Tanzgruppen, die sich bei Valentina Holz unter dem Namen „Koletschko“ in Tornesch und Hamburg treffen, stellten die meisten Akteure. Andere Ehrenamtler arbeitete tagelang in der Küche, um zur Feier die traditionell nötigen zwölf Gerichte vorzubereiten. Mit Pelmeni – gefüllten Teigtaschen mit Hack –, Piroggen vom Blech, Schweinefleisch, Kohlrouladen, Salaten und mehr hatte Frieda Büchner keine Sorge, diese historische Vorgabe zu verpassen. Dittchenbühnen-Chef und Gastgeber Raimar Neufeldt genoss das russische Treiben in seinem Haus: „Wir wollen die kleinen Künstler fördern.“ Die Sprachkurse an der Dittchenbühne haben das Haus zum Treffpunkt für eingewanderte Russlanddeutsche gemacht. Neufeldt gefällt, „dass sie auch mal ihre russische Seele zeigen können“. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael von Abercron lobte zur Begrüßung die Integrationsarbeit der Dittchenbühne und wollte solche Feste „nutzen, um unser Verhältnis zu Russland auf gute Füße zu stellen“.

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