Elmshorn : Was wird aus dem Stadtarchiv?

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Stadtarchivs, Karl Heinz Kuhlemann (v. r.) und Jürgen Wohlenberg, führten die Ausschussmitglieder und deren Gäste durch die Arbeits- und Depoträume in der Weißen Villa.
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Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Stadtarchivs, Karl Heinz Kuhlemann (v. r.) und Jürgen Wohlenberg, führten die Ausschussmitglieder und deren Gäste durch die Arbeits- und Depoträume in der Weißen Villa.

Debatte um zukünftige Nutzung der Weißen Villa geht weiter. Ausschussmitglieder ließen sich jetzt die Räume im Keller zeigen.

shz.de von
20. Juni 2014, 10:00 Uhr

Elmshorn | Soll das Stadtarchiv Elmshorn in den Kellerräumen der Weißen Villa bleiben oder nicht? Diese Frage wird im Zusammenhang mit der zukünftigen Nutzung des repräsentativen Stadtpalais in der Schulstraße weiter unter den Elmshorner Politikern diskutiert. Während ihrer jüngsten Sitzung beschäftigten sich jetzt die Mitglieder des städtischen Kulturausschusses mit dem Thema und besichtigten die Arbeits- und Archivräume.

„Nach den Maßstäben eines modernen Archivs sind die Räume eher suboptimal, aber wir haben uns mit den Gegebenheiten arrangiert“, sagte Peter Köhnke, der als Mitarbeiter des Amtes für Kultur und Weiterbildung zugleich auch Leiter des Stadtarchivs ist. Um das „Gedächtnis der Stadt“ zu ordnen und zu lagern stünden etwa 150 Quadratmeter zur Verfügung, doch es sei ein ständiger Zuwachs an Dokumenten zu verzeichnen. „Wir werden massive Platzprobleme bekommen“, so Köhnke zu den Ausschussmitgliedern. Für die kommenden zehn Jahre sieht er einen Mindestbedarf von etwa 250 Quadratmetern.

Köhnke räumte ein, dass die Archivalien in den Kellerräumen „de facto im Überschwemmungsgebiet der Krückau“ liegen. Auch liefen Versorgungsleitungen unter den Kellerdecken und somit direkt über den historischen Fotos, Büchern, Karten und Dokumenten. Dennoch möchten die beiden hauptamtlichen und die zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter des Archivs in der Weißen Villa bleiben.

Elmshorns Stadtrat Dierk Moritz hob die Bedeutung von archivtauglichen Räumen hervor. „Es müssen spezifische klimatische Bedingungen vorhanden sein. Da gibt es zumindest für wesentliche Unterlagen in Elmshorn Handlungsbedarf“, sagte der Verwaltungsfachmann, der während seiner früheren beruflichen Laufbahn bereits mit der Archiv-Problematik von Kommunen Erfahrungen sammeln konnte. Bei der Wahrung des kulturellen Erbes einer Stadt, so Moritz, müsse man sehr langfristig denken, über Generationen hinweg.

Karl Heinz Kuhlemann und Jürgen Wohlenberg, beide langjährige ehrenamtliche Mitarbeiter des Archivs, führten die Ausschussmitglieder, Verwaltungsmitarbeiter und Gäste der Sitzung durch die Kellerräume und zeigten die umfangreichen Sammlungen.

Während einer anschließenden, kurzen Diskussion erörterten die Politiker unterschiedliche Szenarien für die zukünftige Entwicklung des Archivs. Eine Idee ist es, die Arbeitsplätze der Mitarbeiter sowie besonders wertvolle Unterlagen in die oberen Geschosse der Weißen Villa zu verlegen. Ein kostspieligeres Unterfangen wäre es, das geplante neue Rathaus am Buttermarkt um moderne Räume für das Stadtarchiv zu vergrößern. Ebenfalls möglich: Ein Umzug in andere städtische Räume wie zum Beispiel das Volkshochschulgebäude. Was wird dann aber aus der Weißen Villa? Eine Entscheidung fällten die Ausschussmitglieder nicht. Die Diskussion geht – auch in anderen städtischen Ausschüssen – weiter.

Stadtverwaltung das Stadtarchiv Elmshorn zu bilden. Personell war die Leitung über Jahre hinaus ehrenamtlich besetzt, unterstützt durch Teilzeit- und ABM-Kräfte. Anschließend folgte bis 2010 die Leitung kommissarisch von der jeweiligen Amtsleitung des Haupt- und Rechtsamtes. Heute werden die Aufgaben von zwei hauptamtlichen (eine Planstelle) und sechs ehrenamtlichen Mitarbeitern wahrgenommen. Die hauptamtliche Leitung wurde einem Mitarbeiter des Kulturamtes (0,5 Planstelle) übertragen. Zur fachlichen Unterstützung hat das Stadtarchiv im Jahre 2000 einen Kooperationsvertrag mit dem Landesarchiv Schleswig-Holstein geschlossen, der jährlich 6000 Euro kostet und Ende 2015 ausläuft.
Einstimmig votierten die Mitglieder des Kulturausschusses für eine Erweiterung der sogenannten Entgeldordnung des Archivs. Die Nutzung des Stadtarchivs ist zwar grundsätzlich kostenlos, doch bestimmte Leistungen müssen bezahlt werden. Neu in dieser Satzung sind jetzt folgende zwei Punkte: Die Recherche im Archiv mit erheblichem Zeitaufwand wird mit zehn Euro pro angefangener halbe Stunde berechnet und der Ausdruck von Fotos auf Fotopapier kostet zukünftig je Foto zwei Euro. Außerdem ist die Grundgebühr bei einer Übermittlung von digitalisierten Daten von bislang drei auf fünf Euro erhöht worden. Andere Positionen wie Auskünfte aus Personenstandbüchern bleiben unverändert, in diesem Punkt müssen weiterhin je Fall zehn Euro gezahlt werden.
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