Was ist humaner Fortschritt?

Der Elmshorner Reinhard Ueberhorst  (l.) mischt sich mit dem SPD-Vordenker Erhard Eppler, der häufig   als Gast     in Elmshorn verweilt, in die Debatte über den neuen humanen Fortschritt ein.    Foto: EN
Der Elmshorner Reinhard Ueberhorst (l.) mischt sich mit dem SPD-Vordenker Erhard Eppler, der häufig als Gast in Elmshorn verweilt, in die Debatte über den neuen humanen Fortschritt ein. Foto: EN

Elmshorner Reinhard Ueberhorst mischt sich in die Arbeit der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages ein

Avatar_shz von
20. Mai 2011, 08:18 Uhr

Elmshorn | Ein Parteiprogramm mit langfristigen Antworten, das andere Ansätze als abwegig und fortschrittsfeindlich erklärt, reicht nicht, um der Diskussion über einen humanen Fortschritt und über Wachstum gerecht zu werden. Dies meint der Elmshorner Reinhard Ueberhorst (SPD). Mit dem Beitrag "Auf dem Weg zur gelingenden wachstumspolitischen Kontroverse" mischt sich der Wissenschaftler in die aktuelle Debatte darüber ein, wie der neue Fortschritt, wie Wachstum in Deutschland aussehen kann.

Im vergangenen Jahr begann eine Diskussion über ein neues Verständnis von Wachstum. SPD und Grüne forderten im Deutschen Bundestag eine Enquete-Kommission. Sie wurde 2011 zum Thema "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" eingesetzt.

Die "Neue Gesellschaft/ Frankfurter Hefte" bat jetzt Persönlichkeiten aus Politik und Wissenschaft um Beiträge zum Thema Humaner Fortschritt. Erhard Eppler, häufiger Gast bei den Ueberhorst-Gesprächsabenden in Elmshorn, gehört genauso zu den Autoren wie Ueberhorst selbst. Eppler sieht in dem, was heute wirtschaftliches Wachstum genannt wird, eine statistische Zahl, die die wirtschaftliche Gesamtleistung eines Staates, also das Sozialprodukt, benennt. Für Finanz- und Wirtschaftsminister seien es interessante Zahlen, da sie von ihnen Steuereinnahmen ableiten können. Viel mehr würden sie aber nicht bieten.

Erhard Eppler, einst Entwicklungshilfeminister und Vordenker der SPD, zitiert in seinem Artikel die Bestseller-Autoren Richard Wilkinson und Kate Pickett. Sie meinen: Nicht Wachstum, sondern weniger Ungleichheit steigert die Lebensqualität. Am Ende seines Artikels schreibt Eppler: ". . . die Suche nach einer neuen Art von Fortschritt ist Ausfluss der Frage, wie wir leben wollen und wie nicht."

Reinhard Ueberhorst beschäftigt sich in seiner Abhandlung mit der Frage, wie diese Antworten gefunden werden könnten und sucht dabei die kontroverse Meinungsbildung. Er schreibt: "Wenn Mehrheiten im Wissen um ihre Mehrheit Diskurse verhindern, frühzeitig beenden oder auf ihre eigenen Themen verkürzt führen, nährt das eine Krise der Demokratie."

Bereits in früheren Schriften prangerte Ueberhorst fehlende politische Alternativen zu angeblich alternativlosen Tatbeständen an. Der Elmshorner fordert "Problemlösungskompetenz mit einer gelingenden politischen Willensbildung durch öffentlichen Streit". Pluralität in der politischen Argumentation ist für den Lehrbeauftragten an der Nordakademie unverzichtbar.

Ueberhorst lehnt weiter eine politische Schmalspurdebatte durch die Parteibrillen über den neuen humanen Fortschritt ab. Er fordert, "unterschiedliche wachstumspolitische Zukünfte/Politikoptionen unterschiedlicher Denkweisen auszuarbeiten".

Lesen Sie zu diesem Thema auch die Meinungen der Bundestagsabgeordneten des Kreises Pinneberg, Ole Schröder (CDU), Ernst Dieter Rossmann (SPD) und Valerie Wilms (Die Grünen) auf der

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen