Was fliegt denn da?

Bis zu 500 Meter hoch steigen die trendigen Heißluftlaternen mitsamt Kerze senkrecht in den Himmel.
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Bis zu 500 Meter hoch steigen die trendigen Heißluftlaternen mitsamt Kerze senkrecht in den Himmel.

Drohnen, Luftballons, Himmelslaternen und Feuerwerk – ein Vergnügen voller Paragraphen und Vorsichtsmaßnahmen. Wir stellen die wichtigsten Richtlinien vor.

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08. August 2018, 16:35 Uhr

Beeindruckende Drohnenfotos, romantische Himmelslaternen, aufsehenerregende Luftballonflüge, spektakuläre Feuerwerke – es sind nicht nur Vögel, Flugzeuge und Hubschrauber am Himmel über Elmshorn unterwegs. Nur: Was ist eigentlich zu beachten, damit der Spaß dem Hobby-Himmelsstürmer nicht teuer zu stehen kommt?

Was Himmelslaternen betrifft, ist das schnell erklärt, sagt Ilona Hohnsbehn vom Amt für Bürgerbelange der Stadt Elmshorn. „Nach einer Verordnung des Landes Schleswig-Holstein ist es komplett verboten, Himmelslaternen aufsteigen zu lassen. Das hängt vor allem mit dem Brandschutz zusammen – stellen Sie sich nur mal vor, da landet eine Himmelslaterne mit offenem Feuer in dem nächsten Reetdachhaus. Da ist einfach schon zu viel passiert.“ Ein Verstoß kann mit einer Geldbuße von bis zu 10000 Euro geahndet werden.


Luftballons: Bis zu 500 Stück unproblematisch

Deutlich einfacher haben es da Hochzeitspaare oder Vereine, die bei ihrem Fest mit Helium gefüllte Luftballons steigen lassen wollen. „Das ist bis zu einer gewissen Anzahl unproblematisch und muss auch nicht angemeldet werden“, sagt Hohnsbehn. „Erst wenn es mehr als 500 Ballons sind, muss eine Flugverkehrskontrollfreigabe bei der Deutschen Flugsicherung eingeholt werden.“ Zusätzlich wird eine Freigabe benötigt, wenn der Aufstieg in unmittelbarer Nähe von Flugplätzen geplant ist. Die Anträge können online auf der Seite der Deutschen Flugsicherung gestellt werden.

Wer außerhalb von Silvester seine Party mit einem Feuerwerk krönen will, hat es da schon deutlich schwerer. „Wenn bei jeder Hochzeit oder bei jedem runden Geburtstag ein Feuerwerk gezündet werden würde, wäre das ein echtes Problem – sowohl was den Naturschutz als auch die Unfallgefahr betrifft“, sagt Hohnsbehn. Eine Ausnahme macht die Stadt nur vereinzelt bei Großveranstaltungen wie der Florawoche. Hohnsbehn: „Dann ist aber immer ein professioneller Pyrotechniker vor Ort, der sich genau auskennt mit den Sicherheitsvorschriften.“


Neue Vorschriften für Drohnen

Und dann gibt es noch jene vom Boden aus gelenkten, unbemannten Fluggeräte, die in letzter Zeit immer öfter über unseren Köpfen schweben – mal neugierig bestaunt, mal argwöhnisch beäugt: Sogenannte Drohnen. Es gibt sie, oft auch schon mit Kameras ausgestattet, für wenige hundert Euro zu kaufen und die Drohnen werden oft auch zur Luftbildfotografie ei+ngesetzt. Weil immer mehr Drohnen durch den deutschen Luftraum schwirren, hat der ehemalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt im April 2017 eine spezielle Verordnung zum Betrieb von Drohnen erlassen. Jetzt muss jede Drohne ab 250 Gramm eine Plakette mit der Anschrift des Besitzers tragen, der wiederum muss eine Versicherung nachweisen können. Ab zwei Kilo Startgewicht benötigt man zusätzlich einen Drohnenführerschein, ab fünf Kilo eine behördliche Aufstiegsgenehmigung der Landesluftfahrtbehörde.

Die neuen Bestimmungen regeln insbesondere den Betrieb von Drohnen nach Kriterien wie den örtlichen Gegebenheiten. Und die schließen ziemlich viele Gebiete aus, wie die App der Deutschen Flugsicherung zeigt: Im Elmshorner Stadtgebiet ist der Gebrauch von Drohnen über 250 Gramm oder mit Kamera meist allein schon deshalb ausgeschlossen, weil man sich dabei über Wohngrundstücken befinden würde.


Bundesstraßen und Wohngebiete sind tabu

„Ich umgehe dieses Problem, indem ich die Kamera meiner Drohne erst in einer Höhe von 30 bis 40 Metern einschalte – dann kann man auf den Fotos keine Einzelheiten erkennen“, erklärt Hans-Joachim Kölln, der im Auftrag des A.Beig-Verlags, in dem auch die EN erscheinen, öfter Luftbilder macht. „Im Zweifel frage ich bei den Behörden nach einer Erlaubnis.“ Denn Drohnen dürfen beispielsweise auch nicht über Liegenschaften von Polizei und Sicherheitsbehörden, Krankenhäusern, Hochspannungsleitungen, Bahnanlagen, Bundesfernstraßen, Naturschutzgebieten und Bundeswasserstraßen fliegen. Außerdem gilt ohne ausdrückliche Genehmigung der Landesluftfahrtbehörde: Drohnen dürfen nicht über einer Höhe von hundert Metern oder über größeren Menschenansammlungen und Unglücksorten geflogen werden. „Bevor es das neue Gesetz gab, habe ich die Bauarbeiten an der Krückaubrücke an der Wittenberger Straße fotografiert – eine Bundesstraße“, sagt Kölln. „Damals hatte ich sicherheitshalber vorher bei den Behörden nachgefragt.“

Wie wichtig es ist, sich nicht einfach über solche Vorschriften hinwegzusetzen, zeigt eine Nachfrage bei der Polizei. Dort sind Drohnen zwar noch kein alltägliches Problem. Aber im Oktober 2016 soll eine Drohne über Raa-Besenbek ein Flugzeug im Landeanflug auf Hamburg zum Ausweichen gezwungen haben – nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Drohne in die Turbine geraten wäre. Und im März hat eine Polizeistreife einen Mann dabei erwischt, wie er seine Drohne bei Kölln-Reisiek über der A23 hat fliegen lassen. Die Beamten schrieben eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen die Luftverkehrsordnung. Geahndet werden kann das mit einem Bußgeld von bis zu 50000 Euro.

Wer seine Drohne sicher fliegen will, dem empfielt Drohnenfotograf Kölln den Flug über einer einsamen Wiese. Laut App scheinen auch Teile des Stadtparks Lieth, des Krückauparks und des Stadtwalds Sibirien unproblematisch zu sein.

>www.bnl.dfs.de

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