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17 Prozent Wahlbeteiligung : Warum geht Hainholz nicht wählen?

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Geringe Wahlbeteiligung - eine Spurensuche.

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2013 | 08:47 Uhr

Elmshorn | Was für viele Bürger eine Selbstverständlichkeit darstellt, hat im Wahlbezirk "KGSE I" kaum eine Bedeutung. Gerade einmal 17 Prozent der Wahlberechtigten machten sich auf den Weg zur Wahlurne - also nur jeder Sechste. In dem Wahlbezirk, der das Kerngebiet des Stadtteils Hainholz umfasst, begaben wir uns auf Spurensuche.

"Das bringt doch eh nichts, man hat das Gefühl, es steht alles vorher schon fest", sagt Michaela Koscianska (45), die bei der Kommunalwahl am vergangenen Sonntag eine der 1173 Nicht-Wähler war (bei 1414 Wahlberechtigten). Sie glaubt, dass viele andere, die in dem Bezirk leben, genauso denken und einfach unzufrieden sind. So sieht es auch ihre 15-jährige Tochter Nadine: "Wenn ich wählen gehen könnte, würde ich es nicht machen." Es herrscht Politikverdrossenheit in Elmshorns ehemaligen sozialen Brennpunkt. "Das wird doch sowieso alles nicht eingehalten, was die Politiker vorher versprechen", sagt auch Ralf Krüger. Der 46-Jährige ist am Sonntag wie die meisten zu Hause geblieben.

Rund 70 Prozent der Menschen im Wahlbezirk "KGSE I" haben einen Migrationshintergrund. Der Bezirk umfasst Teile des Hainholzer Damms, den Rethfelder Ring, Eichenkamp, Sperberweg, Habichtweg und Falkenweg. Anwohnerin Britta Barenscheer glaubt, dass vor allem die Sprachbarriere ein Problem bei vielen darstellt. "Es kann nicht sein, dass die Kinder für ihre Eltern alles übersetzen. Die Erwachsenen müssen deutsch lernen, um auch ihre Rechte zu kennen", glaubt die 47-Jährige.

Verkäufer Yusuf Yagri arbeitet in einem Imbiss-Wagen am Hainholzer Einkaufs-Zentrum. "Ich glaube, dass viele Ausländer nicht wirklich viel von dem verstehen, was in der Zeitung oder auf den Wahlplakaten steht", sagt der 46-Jährige. Er wisse aber auch keine Lösung für das Problem.

Für die Leiterin der Awo-Einrichtungen in Hainholz, Kerstin Thiel, ist die geringe Wahlbeteiligung keine Überraschung. "Es ist nicht so, dass sich die Leute generell nicht einbringen möchten, aber sie wurden dafür nicht sozialisiert", sagt Thiel. Die einzelnen Gruppierungen und Nationalitäten blieben lieber unter sich - "viele kennen das Prozedere für solch ein demokratisches Recht nicht", so Thiel. Für viele Bewohner des Wahlbezirks bestimmen andere Themen den Alltag: Arbeitslosigkeit, Verschuldung oder auch familiäre Probleme. "Sie sind mit ihrem Leben so beschäftigt, dass sie sich gar nicht gesellschaftlich mit einbringen können", sagt die Hainholzer Awo-Leiterin.

Sie appelliert auch an die Politik: "Es bringt nichts, wenn Politiker sich hier ein oder zwei Mal im Jahr blicken lassen." Es sei ihr Anspruch, an der gegenwärtigen Situation etwas zu ändern - doch das brauche Zeit.

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