Sitzung ohne Papiermüll : Warum die Politiker im Kreis Pinneberg kostenlos iPads bekommen

Die Kreisverwaltung könnte Papiermüll und Geld sparen.

Die Kreisverwaltung könnte Papiermüll und Geld sparen.

Der Kreistag soll von August an papierlosen Sitzungsdienst einführen. 140 Menschen sollen kostenlos ein Gerät erhalten.

shz.de von
16. April 2018, 14:30 Uhr

Kreis Pinneberg | Etwa 300 Euro kostet ein iPad 32GB. Die Kreispolitiker erhalten sie bald kostenlos. Der Grund: Der Kreistag will einen papierlosen Sitzungsdienst einführen. Bis zu 140 Menschen sollen dann eines des Geräte erhalten.

Der Kreis hat vor mehreren Jahren das Ratsinformationssystem ALLRIS eingeführt. 29 Abgeordnete und bürgerliche Ausschussmitglieder arbeiten damit derzeit freiwillig und ohne Kostenerstattung mit privaten Geräten papierlos. Weitere sollen nun folgen. Allerdings mit einheitlichen Geräten. Die Möglichkeit, für die Nutzung privater Geräte einen Kostenausgleich zu zahlen, hält die Kreisverwaltung aufgrund von Sicherheitsbedenken für nicht sinnvoll: „Private Tablets oder Notebooks können durch unterschiedliche Konfigurationen ein hohes Sicherheitsrisiko darstellen. Von einer Nutzung privater Endgeräte wird daher abgeraten.“

Bisher 19.000 Euro jährliche Kosten

Laut Verwaltung müssen bei Einführung des papierlosen Sitzungsdienstes außer den Kreistagsabgeordneten auch bürgerliche Ausschussmitglieder, Vertreter des Kreisseniorenbeirates und die Träger der Jugend- und Wohlfahrtsverbände mit iPads ausgestattet werden. Die Verwaltung rechnet deshalb mit etwa 140 Personen. Die Kosten für das Arbeiten mit Papier (Kopieren, Porto, Personal) werden auf rund 19.000 Euro jährlich, die Kosten für den papierlosen Sitzungsdienstes auf mindestens 15.000 Euro beziffert.

Doch der Teufel steckt auch hier im Detail: So müssen laut Verwaltung auch bürgerliche Ausschussmitglieder mit einem iPad ausgestattet werden, die möglicherweise nur 3. oder 4. Stellvertreter in einem Ausschuss sind. Mit jeder Neu- und Umbesetzung von Ausschüssen müssten Geräte zurückgegeben, Inhalte und Einstellungen gelöscht, das Gerät neu konfiguriert und wieder neu ausgegeben werden. „Diese Themenkomplexe dürften den Aufwand, insbesondere im Büro des Kreistages, um einiges erhöhen“, so die Verwaltung.

Ablehnen möglich

Zudem könne der Kreis nicht erzwingen, dass die bereit gestellten Geräte auch tatsächlich benutzt werden. Werde dies von ehrenamtlich Tätigen abgelehnt, so müssten ihnen Unterlagen in Papierform zur Verfügung gestellt werden. Die Vorsitzenden der Fraktionen, Ausschüsse und anderer Gremien sollen, Stand jetzt, ohnehin zu den iPads weiterhin Papierunterlagen bekommen. Die Entscheidung über den papierlosen Sitzungsdienst trifft der Kreistag am 25. April. Die Zeichen stehen auf Zustimmung.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen