Warnwesten-Alarm im Kofferraum

Avatar_shz von
11. September 2019, 15:00 Uhr

Ich kam letztens fern der Heimat in eine Verkehrskontrolle. Ein Uniformierter mit Kelle und ernster Miene komplimentierte mich per Wink an die Seite. Dort wartete eine weitere Polizistin, die mir direkt ansatzweise, aber auch nicht zu freundlich ins offene Seitenfenster lächelte. Ich sagte „Moin“ und sie sagte, dass Sie gern mal Ausweis, Führerschein und Zulassungsbescheinigung sehen würde.

Ich übergab ihr die Papiere und sie zog damit ab, wohl um im VW Bus nebenan zu prüfen, ob international nach mir gefahndet wird, ich sonst irgendwas auf dem Kerbholz habe oder gar meine Medien in der Bücherei überfällig sind. Doch nichts dergleichen. Alles sauber, auch das Bibliothekskonto. Natürlich!

Als ich schon weiterfahren wollte, sagte sie auch noch, dass sie sehr an Warndreieck, Verbandkasten und den Sicherheitswesten interessiert wäre. Ich entgegnete, dass sich das alles in einem Fach unterm Kofferraum befände und ich dazu aussteigen müsste. Ich durfte. Ich stieg aus und ein weiterer Polizist gesellte sich zu uns, der sich mit der Hand an der Pistole hinter dem Auto postierte.

Als ich das sah, dauerte der Meter von der Fahrertür zur Kofferraumklappe gefühlte Minuten und vor allem war ich mir auf einmal sicher, dass die vorgeschriebenen Warnwesten nicht im Auto, sondern sicher und trocken zu Hause im Schuppen liegen. Mist, ich hatte also gelogen. Dazu der Mann mit der Dienstwaffe und ich wurde echt nervös. Als ich endlich nach Stunden am hinteren Ende des Autos angekommen war und die Heckklappe öffnete, jammerte ich los, dass ich jetzt das ganze Geraffel (zwei Klappräder, Reisetaschen, Tüten, Leergut und anderer Kram) ausräumen müsste und ob das denn nun wirklich nötig wäre.

Die Polizistin fragte noch einmal sehr bestimmt nach, ob ich mir sicher wäre, dass die drei Dinge sich dort befänden. Mein Leben zog an mir vorbei, dreimal, davon einmal in Schwarz-weiß. Ich sagte: „Ja!“ und das Ausrufezeichen konnte man sogar hören, aber auch nur bezüglich Warndreiecks und Verbandkastens. Wir blickten uns einen Moment tief in die Augen, ich blinzelte nicht und sie sagte nach einer kurzen Belehrung über den sachgemäßen Aufbewahrungsort der Warnwesten: „Dann gute Fahrt!“

Äußerlich cool wie John Wayne auf Eiswürfeln stieg ich wieder ins Auto und fuhr nach allen Regeln der Straßenverkehrsordnung weiter. Unwohl. Zuhause suchte ich im Schuppen und überall nach den Warnwesten. Vergebens. Ich fand sie schließlich im Auto in dem Fach unterm Kofferraum. Ich war in dem Moment sehr verblüfft und noch nie fiel meine Kinnlade tiefer.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen