Wann kommt Elmshorns vierter Bahnhof?

Der erste Bahnhof (links) und sein Nachfolger auf der anderen Seite der Gleise. Rechts vom damals neuen Empfangsgebäude die 1864 erbaute und heute noch vorhandene 'Schweizer Halle' (heute u. a. Anker-Imbiss) und ganz rechts das Eckhaus an der Mühlenstraße (Schlüters Speisesaal). Die Lithographie stammt aus dem Industriemuseum Elmshorn.  Foto: Museum
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Der erste Bahnhof (links) und sein Nachfolger auf der anderen Seite der Gleise. Rechts vom damals neuen Empfangsgebäude die 1864 erbaute und heute noch vorhandene "Schweizer Halle" (heute u. a. Anker-Imbiss) und ganz rechts das Eckhaus an der Mühlenstraße (Schlüters Speisesaal). Die Lithographie stammt aus dem Industriemuseum Elmshorn. Foto: Museum

1844/45 entstand Elmshorns erster Bahnhof / Er hielt nur 21 Jahre / Nachfolge-Gebäude überdauerte fast 100 Jahre / Dritter Bau seit 1964 in Betrieb

shz.de von
14. Mai 2012, 07:19 Uhr

Elmshorn | Vor 50 Jahren, am 13. Mai 1962, verkündete ein Sprecher der Bundesbahndirektion Hamburg beim Baubeginn des neuen, heute noch genutzten Elmshorner Bahnhofes: "Weihnachten 1963 ist das Empfangsgebäude fertig." Es war natürlich nicht fertig. Da die Elmshorner damals aber bereits 67 Jahre auf den neuen Bahnhof warteten, war es keine Tragödie, noch einmal zehn Monate, bis Oktober 1964, auf die Einweihung warten zu müssen. Heute wagt keiner zu sagen, wann die seit mehr als zwei Jahren in den Schubladen liegenden Pläne für den Neubau des Elmshorner Bahnhofs umgesetzt sind. Einerseits heißt es abwarten, andererseits wird ständig verhandelt. Und es dreht sich immer um die Fragen: Wer was bezahlen soll und was bezahlbar ist.

Die Geschichte des Elmshorner Bahnhofs beginnt 1843, acht Jahre nach der ersten Fahrt einer Lokomotive auf den 1435 Millimeter breiten Schienen zwischen Nürnberg und Fürth. Der Elmshorner Bürger Claus Panje kämpfte für den Eisenbahnanschluss und gegen den Konkurrenten Barmstedt. Nach vielen Diskussionen und Verhandlungen war es dann 1844 so weit: Am 18. September 1844 fand die Eröffnung des Bahnhofes statt. Elmshorn war damals noch ein Flecken und hatte nur 3500 Einwohner.

Schon bald stellte sich heraus: Der Bahnhof war eine der wichtigsten wirtschaftlichen Entscheidungen für die stetig wachsende Stadt. Die Folge: Der Bahnhof war bald zu klein. Man ging schon Anfang 1863 an die Planung eines neuen Bahnhofs. Er wurde 1866 gegenüber dem ersten Bahnhof auf der heutigen Mühlenstraßenseite fertiggestellt. Auch er war den steigenden Anforderungen schnell nicht mehr gewachsen.

Bereits 1896 sollen sich Elmshorns Politiker deshalb wieder mit einem Neubau eines Bahnhofsgebäudes befasst haben. Doch es dauerte diesmal noch 66 Jahre - bis Mai 1962 - bis der erste Spatenstich für ein neues Gebäude erfolgte - wieder auf der Königstraßen-Seite. Projekte, die um 1910 und 1938 diskutiert wurden, wurden nicht umgesetzt, da die Weltkriege den Menschen ganz andere Sorgen bereiteten. Auch nach der Zerstörung des Elmshorner Bahnhofs während des Bombenangriffs 1943 gab es nach dem Weltkrieg keinen neuen Bahnhof, sondern nur eine Sanierung.

Die Baupläne von 1962 sahen erstmalig umfangreiche Arbeiten vor. Die Gesamtmaßnahme gliederte sich in Bahnhofsvorplatz, in ein neues Empfangsgebäude mit Fahrkartenausgabe, Expressgutabfertigung, Bahnhofswirtschaft, Diensträume des Bahnhofspersonals und der Bahnmeisterei, in einem eingeschossigen Gebäudetrakt entlang des Bahnkörpers. Die Gesamtkosten wurden auf 1,7 Millionen Mark veranschlagt, wovon die Stadt rund 600 000 Mark aufbringen musste. Über den Anteil der Stadt gab es damals "heiße Debatten".

Auch heute verhandeln Bahn und Stadt hinter verschlossenen Türen hart. Natürlich geht es dabei ums Geld. Die zwei entscheidenden Fragen lauten: Wer bezahlt was? Und: Was ist bezahlbar? Die Antworten dazu gibt es noch nicht, jedenfalls nicht eindeutig. Doch von den großen Plänen, die vor zwei Jahren vorgelegt wurden, ist man bereits abgerückt.

Die Diskussion über einen neuen Elmshorner Bahnhof begann irgendwann in der zweiten Hälfte des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends. 2008 gab es schließlich einen konkreten Beschluss. Elmshorn bewarb sich erfolgreich um die Teilnahme am Europan-Architektenwettbewerb. Bei diesem Wettbewerb bekamen Architekten, die jünger als 40 Jahre sein mussten, eine Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen. 24 Architektenbüros legten Konzepte für eine Umgestaltung des Bahnhofes vor. Die städtische Jury entschied sich für den Entwurf eines eigens für den Wettbewerb gegründeten Büros - "Schaltraum". Zu diesem Architektenbüro gehören Christian Dirumdam, Christian Dahle, Timo Heise und Simon Martin Ranzenberger. Für den 1. Preis bekamen sie 12 000 Euro Prämie.

Die Pläne sehen vor: Der Zentralomnibusbahnhof (ZOB) wird an die Gleise verlegt. Beim heutigen ZOB entsteht ein Parkhaus. Zwischen Schulstraße und Königstraße zieht sich ein gläsernes Dach über und neben den Gleisen entlang. Dadurch können die Fahrgäste vom Bus zu den Bahngleisen immer unter einem Dach gehen. Zwischen den Stützen des Daches entstehen gläserne Gebäude, in denen Restaurant, Kiosk, Reisezentrum und Fahrradwerkstatt integriert werden. Das Parkhaus am heutigen ZOB soll der Bahnhofs-Architektur angepasst werden. Das vorhandene Bahnhofsgebäude würde man abreißen, erhalten bleiben die Unterführungen.

Zu diesem Konzept wurde der Vorschlag eines anderen Wettbewerbers, den Fußgängertunnel zwischen Schulstraße und Bauerweg für den Kfz-Verkehr auszubauen, mit in die Planung aufgenommen. Ein weiteres Kernstück der Schaltraum-Konzeption: Der Holstenplatz wird als "Shared Space" genutzt. Das heißt: Alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt, ob sie nun in einem Auto oder auf dem Fahrrad sitzen oder zu Fuß gehen. Zu den von Schaltraum vorgelegten Plänen sagte damals Silke Faber, Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung: "Der Elmshorner Bahnhof hat überregionale Bedeutung, da wollten wir etwas haben, das optisch herausragt."

Was im Januar 2010 auf große Begeisterung stieß, befindet sich heute bereits wieder in der Diskussion. Der Grund: Geldmangel und außerdem haben sich die Zeiten geändert.

Niemand sagt es offiziell, aber die Kosten für einen Bahnhof entsprechend der vorgelegten Planungen liegen heute bei gut 20 Millionen Euro. Wie stark die Inflation zur Kostensteigerung beiträgt, weiß niemand. Sicher ist aber, bis zur Umsetzung der Pläne, und die sollen irgendwo bei 2020 liegen, dürften zu den 20 Millionen Euro noch einige Millionen hinzukommen.

Vor diesem Hintergrund hat man schon einmal abgespeckt. Ersatzlos ist das Parkhaus gestrichen. Die Politik hat der Auffassung der Verwaltung im zuständigen Fachausschuss bereits zugestimmt. Das Streichen des Parkhauses passt auch in die heutige Zeit: Hohe Benzinkosten führen zu immer mehr radfahrenden Arbeitnehmern, die mit der Bahn fahren wollen. Also denkt man in der Verwaltung über mehr Parkplatzfläche für Fahrräder nach. Möglicherweise gibt es ein neues Fahrradparkhaus statt eines Autoparkhauses.

Gestrichen ist auch der Ausbau des Fußgängertunnels zwischen Schulstraße und Bauerweg. Geprüft wird lediglich noch eine Einbahnstraßenregelung. Doch auch dieser Neuordnung gibt man in der Verwaltung nur geringe Chancen. Schließlich gibt es wenige Meter weiter die Ost-West-Brücke. Und man will den Busverkehr stärken und Autos aus der Innenstadt haben.

Geprüft wird zwischen den zahlreichen Verhandlungsgesprächen zwischen Stadt und Bahn AG ein Baukastensystem. Das heißt: Das Schaltraum-Konzept soll in "Einzelteilen" umgesetzt werden, ohne dass der Eindruck einer ewigen Bahnhofsbaustelle entsteht. Möglich würde dies die Aufteilung in drei Abschnitten machen: 1. Verlegung des ZOB; Umgestaltung des Holstenplatzes; Neubau eines Bahnhofsgebäudes.

Aber alles ist offen. Fest steht: Stadt und Bahn wollen den Um- und Neubau. Es gibt einen Aufstellungsbeschluss für den Rahmenplan. Es wird nach Fördermitteln aus dem Programm Stadtumbau West, aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (Bund und Land) und aus dem Programm der Metropolregion "geforscht". "Forschungsergebnisse" und Fortschritte bei der Kostenteilung zwischen Bahn und Stadt gibt es noch nicht. Auf einen neuen Elmshorner Bahnhof müssen die Bürger noch warten. Zu hoffen ist aber, dass es nicht 66 Jahre dauern wird - wie einst!

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