Sommerserie: rechts und links vom Krückauwanderweg : Wandern mit dem Smartphone

Mit Technik auf den Krückauwanderweg: Mit der App Naturblick lassen sich Vogelstimmen aufzeichnen und den Arten zuordnen. Das klappt allerdings nicht immer gut.
Mit Technik auf den Krückauwanderweg: Mit der App Naturblick lassen sich Vogelstimmen aufzeichnen und den Arten zuordnen. Das klappt allerdings nicht immer gut.

Naturgenuss und Technik passen nicht zusammen? - Das stimmt so nicht, zeigt unser Erfahrungsbericht.

shz.de von
20. August 2018, 14:00 Uhr

Barmstedt | Von Langeln per pedes oder Rad über Barmstedt nach Elmshorn, ohne eine Hauptstraße zu nutzen – das ist ab sofort möglich. Vor wenigen Tagen wurde in Heede ein neuer Fuß- und Radweg fertiggestellt, der Teil des Krückauwanderwegs werden soll. Unsere Zeitung hat das Projekt zum Anlass genommen, sich entlang des Weges umzuschauen. Unsere Geschichten „rechts und links vom Krückauwanderweg“ haben wir in einer Serie zusammengefasst, wovon heute der letzte Teil veröffentlicht wird. Zum Schluss befassen wir uns mit der Frage, ob der Satz „Mach doch mal das Handy aus“ beim Wandern in der Natur überhaupt ein zeitgemäßer Rat ist.

Jeden Morgen lasse ich mir von meinem sprachgesteuerten Smart Speaker die Nachrichten vorlesen. Ich lese Zeitung auf dem Tablet und beim Radio stelle ich mir per Podcast-Client mein eigenes Programm zusammen. Ich bin ein Digital-Mensch – und bleibe es auch, selbst wenn ich in der Natur unterwegs bin. Denn einfach so vor mich hin wandern – das ist mir zu langweilig. Ich möchte etwas lernen. Ob das funktioniert, soll ein Experiment zeigen.

 

Für meine Erkundung des Krückauwanderwegs habe ich deshalb mein Smartphone dabei, auf das ich zwei Natur-Apps geladen habe. Das Programm Pl@ntNet ist eine Communityplattform zur Pflanzenbestimmung und die App Naturblick, herausgegeben vom Naturkundemuseum Berlin, bietet ein Rundumpaket: Das Programm soll aufgezeichnete Vogelstimmen zuordnen können, sowie bei der Planzen- und Tierbestimmung helfen.

Gut gerüstet und frohen Mutes mache ich mich auf den Weg, laufe zwei Meter und schon meint es die Natur gut mit mir. Etwa zehn Meter vor mir kreuzt ein huhnähnliches Wesen meinen Weg: Ein Fasan. Um den zu bestimmen, brauche ich nicht mal eine App. Eine gute Gelegenheit, um den Vogelstimmenbestimmer der Naturblick-App zu testen, denn der Fasan kräht unentwegt. Die App-Bedienung ist einfach: „Lauterkennung Vögel“ antippen, schon startet die Aufzeichnung. Danach muss man die Audioaufnahme schneiden, damit die App aus dem Stimmengewirr unterschiedlicher Vögel den richtigen Ruf erkennt, und auf die Schaltfläche zum Auswerten klicken. Das Ergebnis: Leider eher mäßig: Statt Fasan wird Kohlmeise, Graureiher und Kolkrabe angezeigt. Das könnte am Mikrofon oder an den Hintergrundgeräuschen liegen. (Und wer weiß, vielleicht gibt es in Elmshorn überhaupt keinen Ort, an dem einem nicht Rabe oder Krähe angezeigt wird.)

 

Besser läuft es mit der Pflanzenbestimmung. Erster Versuch mit einem Baum, der kleine, schwarze Früchte trägt. Mit der App Naturblick komme ich auch hier nicht weiter. Vogelbeere klingt am plausibelsten, aber die Farbe stimmt nicht. Leider gibt es in der App wenig Bilder.

Besser klappt es mit Pl@ntNet. Hier lädt man ein Foto derjenigen Pflanze hoch, die man bestimmen möchte und ein Algorithmus vergleicht das Bild mit anderen Fotos aus der Community. Das Ergebnis: Meine Baum ist eine Gewöhnliche Traubenkirsche.

Mein Fazit: Technik und Natur – das passt sehr gut zusammen. Die Apps eignen sich gut, um seine Umwelt ein bisschen besser zu verstehen. Und darum geht es doch beim Wandern, oder?

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