Waldkindergarten Elmshorn : Waldkinder toben am Elfensee

Erzieherin Andrea Kuhlmann (r.) liest den Kindern eine Geschichte vor – natürlich im Freien.
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Erzieherin Andrea Kuhlmann (r.) liest den Kindern eine Geschichte vor – natürlich im Freien.

Fische Luft, Bäume zum Klettern, Wasser zum Herummatschen und einen Bauwagen zum Aufwärmen: Die Kinder aus dem Waldkindergarten Elmshorn brauchen nicht viel, um einen abenteuerreichen Vormittag zu erleben.

shz.de von
03. Mai 2019, 15:58 Uhr

Elmshorn | Die Sonne blitzt durch das dichte Blätterdach im Liether Wald. Man hört nur die Vögel zwitschern. Auf der Oberfläche des kleinen Sees mit der Insel spiegeln sich Bäume und Büsche. Jogger kreuzen den Weg. Etwa 100 Meter vom Parkplatz entfernt steht neben einem Spielplatz ein Bauwagen. Davor ein Kreis aus Holzklötzen und darauf: Elf quirlige „Eichhörnchen“. Acht kleine und drei erwachsene – die Gruppe des Waldkindergartens Elmshorn. Jeden Tag ab 8 Uhr treffen sich die 15 Kinder, die beiden Erzieherinnen Andrea Kuhlmann, Manuela Meyer und die sozialpädagogische Assistentin Kirsten Heydorn, um den Vormittag im Wald zu verbringen. Eichhörnchen – den Namen haben sich die Kinder gewünscht.

Das Waldabenteuer beginnt mit dem Morgenkreis. Heute fehlen einige der Kinder. Aber Filian, Mia, Luisa, Leonid, Jonathan, Maximilian, Alena und Miron singen, quietschen und machen Quatsch für Fünfzehn und hören sich die Geschichte an, die Andrea Kuhlmann vorliest. Jonathan zappelt auf seinem Baumstamm herum. Er will endlich spielen. Andrea Kuhlmann mahnt: Zuerst wird gefrühstückt. Natürlich draußen.

Es gibt viele Plätze im Liether Wald, wo die „Eichhörnchen“ spielen können: Da sind der Elfensee, die Schattenseite, der Butterberg, das Labyrinth, das Gartenhaus, die Wasserwehrkuhle – Plätze, denen die Kinder Namen gegeben haben. Ganz demokratisch entscheiden sie nach dem Morgenkreis, wo sie frühstücken und spielen wollen. „Wir Erzieherinnen wissen morgens nicht, wo wir hingehen und lassen uns überraschen“, sagt Andrea Kuhlmann. Heute ist es der Elfensee.

Schnell werden die Rucksäcke aus dem Bauwagen geholt und dann zieht die Truppe los. Wie eine kleine Büffelherde stürmen sie den Waldweg entlang. „Das dürfen sie“, schaut Andrea Kuhlmann den Kindern hinterher. Denn es gibt bestimmte Punkte im Wald, wo die Vorausstürmer auf die Nachzügler warten. So kommt die kleine Horde zum See, wo sich jeder einen Platz sucht. „Das ist ein schöner Moment des Tages, wenn die Frühstücksdosen geöffnet und die Schätze darin entdeckt werden“, erzählt Andrea Kuhlmann. Natürlich sollte das Frühstück gesund sein, lacht sie. Aber manch-mal liegt eben auch ein Stück Schokolade unter den Apfelspalten. Einmal im Monat ist Frühstücks-Tauschtag, dann werden die Brotdosen der Kinder wie ein Büfett angerichtet und jeder darf sich bei jedem bedienen.

Maximilian sitzt ein wenig abseits am See. Filian, Jonathan und Leonid haben es sich an einem Baumstamm bequem gemacht. Die Erzieherinnen sitzen mit Kindern am Hang, die Gruppe im Blick.

Andrea Kuhlmann arbeitet fast vom ersten Tag an im Waldkindergarten. Die gelernte Erzieherin hat keinen Tag bereut. Für die Arbeit im Waldkindergarten hatte sie noch eine anderthalbjährige Zusatzausbildung absolviert. „Wir greifen wenig in den Tagesablauf der Kinder ein“, sagt sie. „Die Kinder suchen sich im Wald ihre Herausforderung selbst.“ Hier brauchen sie keine Legosteine oder Spielekonsolen. Allenfalls ein paar Bilderbücher, falls ein Kind lieber seine Ruhe haben möchte. Die Natur ist der beste Spielplatz. Da werden Baumstämme zu Booten, Stöcke zu Schwertern. „Die Kinder sind glücklich und haben eine glückliche Zeit“, ist sich Andrea Kuhlmann sicher.

„Worauf habt ihr heute Lust?“, fragt sie in die Runde. Luisa möchte nicht toben. Mia, Filian, Jonathan, Leonid und Maximilian schauen zur Insel und zu dem Damm aus Geäst, der hinüber führt. Also geht es auf Erkundungskurs auf die Insel. Andrea testet den Steg aus Geäst. Er hält. Und schon balanciert ein Eichhörnchen nach dem anderen im Gänsemarsch über die Brücke. Eine runde um die Insel und mittendurch lässt die Waldkinder viele Schätze finden. Maximilian schleppt ein Stück Baumstamm zurück und Filian hat eine Flasche gefunden. Die eignet sich später hervorragend, um die Wasserburg, die die Kinder am Strand bauen, mit Wasser zu befüllen. Kein Tag ist wie der andere bei den „Eichhörnchen“. Immer aber sind sie draußen, bei jedem Wetter, nur wenn es wie aus Tonnen schüttet, sagt Andrea Kuhlmann, dann suchen sie Schutz im Bauwagen.

Das Konzept des Waldkindergartens hat seinen Ursprung in Dänemark. Dort gründete Ella Flatau aus Sölleröd in den 1950er Jahren den ersten Waldkindergarten. Sie war mit ihren eigenen und den Nachbarskindern oft in den Wald gegangen, um sie dort spielen zu lassen. Diese Form der Kinderbetreuung gefiel anderen Eltern. Sie riefen den ersten Waldkindergarten ins Leben.

So ähnlich liest sich auch die Entstehungsgeschichte des Elmshorner Waldkindergartens: Angeregt von einem Pressebericht über diese Art der Kindergartenpädagogik begannen Eltern, Kontakte zu Organisationen zu knüpfen, die sich mit Waldkindergärten befassen. Daneben holten sie Informationen bei bereits bestehenden Waldkitas in Schleswig-Holstein ein.

Der erste Waldkindergarten Deutschlands startete 1968 in Wiesbaden. Er wurde von den Behörden jedoch nicht anerkannt. Als erster offiziell anerkannter Waldkindergarten feierte die Flensburger Waldkita im vergangenen Jahr ihr 25. Bestehen.

In Elmshorn initiierte der Elternkreis zunächst eine Waldgruppe, in der sich zwei- bis fünfjährige Kinder mit ihren Eltern an einem Vormittag in der Woche im Liether Wald trafen. Am 2. Oktober 1998 riefen sie den gemeinnützigen Verein „Waldkindergarten Elmshorn“ ins Leben, der dann den Waldkindergarten gründete. Gestartet wurde mit 15 Kindern und zwei Erzieherinnen, die noch immer dabei sind.

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