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Elmshorner Nachrichten

24. August 2017 | 05:10 Uhr

Von suizidalen Topfpflanzen

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Wettbewerb Schüler aus vier Schulen dichten, texten und schreiben um die Wette beim ersten Elmshorner Schulslam

Wie veranschaulicht man Langeweile? Björn Högsdal versucht es mit Schillers Gedicht „Die Kraniche des Ibykus“: Zum Kampf der Wagen und Gesänge, / Der auf Korinthus' Landesenge/ Der Griechen Stämme froh vereint, / Zog Ibykus, der Götterfreund – so lauten die ersten Verse. „Im Grunde ist das kein schlechtes Gedicht, eine solide Crime-Story, aber, falsch vorgetragen, echt langweilig.“

Högsdal ist Poetry Slammer aus Kiel und gibt jungen Talenten der Elmshorner Schulen Boje-C.-Steffen-Gemeinschaftsschule, Bismarckschule, Erich Kästner Gemeinschaftsschule und der Elsa-Brändström-Schule einen Workshop im Poetry Slam. Jeweils drei Schüler pro Schule hatten sich in internen Schulwettkämpfen qualifiziert und messen sich am Freitag, 17. Februar, beim ersten Schulslam. Die Idee dazu kommt von Malte Ibs (Grüne), einem Mitglied des Ausschusses für Kultur und Weiterbildung.

„Wichtig ist, Poetry Slam ist kein Genre, es ist ein Ort“, erklärt Högsdal bei dem Vorbereitungworkshop in der Stadtteilbücherei Hainholz. Poetry Slam ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem die Teilnehmer eigene Texte präsentieren und von einer Jury bewertet werden. Viele Poetry Slammer tragen Gedichte vor, aber auch Prosa ist möglich. Oder ungewöhnliche Textgattungen, die man bei einem Dichterwettstreit nicht erwartet hätte.

„Ich bin Emre und ich slamme über all die Probleme, die unsere Welt hat“, leitet ein Schüler von der Boje-C.-Steffen-Gemeinschaftsschule seinen Beitrag ein. Was folgt ist eher eine Rede – aber eine mit literarischen Wert. Emre fragt in seinem Text danach, warum Menschen heute sterben müssen, und spricht das Publikum direkt an. Nein, er erzählt nichts Neues, aber was soll man als Erwachsener diesem jungen Menschen antworten? Dass man selber auch nichts tut, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen, sondern stattdessen lieber vor dem Fernseher hockt? „Das sind zwar Amateure, aber die sind richtig gut“, sagt Peter Köhnke vom Amt für Kultur und Weiterbildung, das den Slam organisiert. Gut sind die Teilnehmer vor allem, weil ihre Texte zum Nachdenken anregen.

Beim Workshop wird klar, dass die jungen Leute, denen von der älteren Generation gerne mal Desinteresse und Ahnungslosigkeit vorgeworfen wird, in Wirklichkeit sehr nachdenkliche und auch politische Charaktere sind. „Und alle tragen die selben Schuhe, denn das Motto der Konzerne, im Mainstream liegt die Moderne“, slammt etwa Johanna von der Bismarckschule. Zuhören lohnt sich da, selbst beim Workshop, als sich alle Texte noch in der Rohfassung befinden. Viele Schüler verstehen es, ernste Themen aus einer originellen Perspektive zu erzählen. Über existenzielle Hoffnungslosigkeit etwa durch die Tagebucheintragungen einer suizidalen Topfpflanze.

„Schreiben hat ja immer etwas mit der Lebensphase zu tun, in der man gerade steckt“, sagt Högsdal. Die Schülerslammer schreiben daher zu Themen, die sie selbst betreffen. Wer ihnen dabei zuhören möchte, erhält ab nächster Woche Karten für den Schulslam am 17. Februar in der KGSE beim Kulturamt unter Telefon (0  41  21) 23  13  91.

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erstellt am 10.Feb.2017 | 15:36 Uhr

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