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Elmshorner Nachrichten

19. November 2017 | 00:35 Uhr

Von Karussels und Schaustellerleben

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Jahrmarkt Für Kinder und Jugendliche ist das Event auf dem Buttermarkt ein großer Spaß, für Schausteller Hermann Schröder das Leben

Der braune Teddy, den Finnley Frühauf an sich drückt, ist kaum kleiner als der sechsjährige Elmshorner selbst. Mit drei Würfen auf zehn Dosen hatte sich Finnley eine „freie Auswahl“ erworfen und den Riesenteddy ausgesucht. „Wir kommen an keinem Dosenwerfen vorbei“, sagt sein Vater Justin Hamuth. Er und Großvater Ronald Frühauf haben auch geworfen, aber bei ihnen sind Dosen stehen geblieben.

Dosenwerfen, mit Pfeilen auf Luftballons zielen, Kinderkarussell: Die Klassiker leben. In Elmshorn drei Mal pro Jahr, wenn auf dem Buttermarkt die Wagen für den Jahrmarkt aufgebaut werden. Gebrannte Mandeln und Zuckerwatte, Entenangeln und Automatenbuden, Fischbrötchen und Imbisswagen sind auf dem Platz aufgebaut. Dazu die Fahrgeschäfte: Polyp und Schmetterling, Autoskooter und eine Mini-Achterbahn.

Am auffälligsten ist schon am frühen Nachmittag „die Welle“. Das ist ein Karussell, bei dem jeweils vier Zweiergondeln an einem Drehpunkt befestigt sind, diese vier Drehpunkte rotieren um einen gemeinsamen Mittelpunkt. Die Insassen werden wild umher gewirbelt. Laute Musik, Kunstnebel, Stroboskopblitze und ein unermüdlicher Rekommandeur sorgen für Kirmes-Flair, das Gekreisch junger Frauen gibt es obendrauf. „Das ist geil“, sagt die junge Luisa Krauß nach einer Fahrt mit ihrer Freundin Lea Marie Viemann. Die beiden haben sich vorgenommen, alle Fahrgeschäfte auszuprobieren, der Schmetterling fehlt ihnen noch. „Es macht Spaß, mit Freunden hier zu sein“, findet Viemann: „Man macht etwas Neues.“ An der Mini-Achterbahn lässt Maik Schmidt-Dube drei seiner vier Kinder eine weitere Runde drehen. Wenn das Wetter es zulässt, geht die Elmshorner Familie jedes Mal zum Jahrmarkt: „Für die Kinder auf jeden Fall“, sagt Schmidt-Dube.

Am Nachmittag sind die Jugendlichen noch spärlich unterwegs. Das Publikum besteht vor allem aus Familien. „Das ist das Publikum, das wir brauchen“, sagt Hermann Schröder. Ihm gehören ein Wagen mit Dosenwerfen und ein Anhänger mit Greifer-Automaten. Schröder kommt drei Mal pro Jahr nach Elmshorn, er nimmt hier jeden Jahrmarkt mit. Wie das Geschäft läuft, das hängt vor allem vom Wetter ab.

Schröder ist „Reisender in fünfter Generation“, sein Ururgroßvater fing das Geschäft mit einem kleinen Bäckereiwagen an. Von März bis Dezember ist der Schausteller in ganz Schleswig-Holstein unterwegs, in der Zeit dazwischen repariert, wartet und pflegt er seine Fahrzeuge. Wohnsitz ist für ihn und seine Frau der Wohnwagen – im Winter stellen sie ihn bei Bekannten aufs Grundstück. „Mich hält es nicht lange an einem Ort“, mit einem festen Wohnsitz würde er „eingehen“, sagt Schröder.

Seine Frau stammt ebenfalls aus einer Schaustellerfamilie. Einsteiger, die dieses Leben nicht nicht gewöhnt sind, tun sich oft schwer, erzählt er: „Als Eingereister ist es nicht immer leicht, mit den Schaustellern klar zu kommen. Meistens klappt es nicht.“ Wer es trotz der Warnungen selbst probieren will: Am Kassenhäuschen der Welle steht das Schild, das für den unvermittelten Ausbruch aus dem Alltag steht: „Junger Mann zum Mitreisen gesucht“. Heute öffnet der Jahrmarkt noch ein letzte Mal in diesem Jahr ab 14 Uhr.



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