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Elmshorner Nachrichten

19. August 2017 | 15:42 Uhr

Von der Tischlerei zur Musikschmiede

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

WerkstattMeik und Reiner Dobbratz bauen ihre eigenen E-Bässe / Ein Instrument hat den Musikinstrumentenpreis gewonnen

Wer einen Preis bekommt, hält als gut erzogener Mensch eine Dankesrede. Wo andere Eltern oder Freunde erwähnen, schickte Reiner Dobbratz seine Grüße an die Firma Märklin „weil sie den Metallbaukasten entwickelt hat“. Den bekam er als kleiner Junge, und damit fing das Basteln richtig an. Seine letzte Verwendung fand das Spielzeug Jahrzehnte später in Dobbratz’ eigener Firma: zusammen mit einem alten Nähmaschinen-Motor als Wickelmaschine für elektrische Spulen.

Diese Spulen brauchen Reiner und sein Bruder Meik Dobbratz in ihrer gemeinsamen Firma Le Fay für Pickups. Das sind die elektromagnetischen Tonabnehmer, die sie in ihren E-Bässen verbauen. Rund 50 Instrumente produzieren sie in ihrer Werkstatt in Kiebitzreihe pro Jahr, das Sortiment umfasst 13 verschiedene Modelle.

Im April kauften sich die beiden Brüder graue Anzüge und reisten nach Frankfurt. Bei der Musikmesse dort bekamen sie für ihren Bass „Pulse 4“ den Deutschen Musikinstrumentenpreis vom Bundeswirtschaftsministerium. Dort dann auch die Dankesrede.

„Es hat Mut gefordert, das Instrument einzuschicken“, erzählt Meik Dobbratz zehn Tage später in der Kiebitzreiher Werkstatt. Zwar seien die Brüder selbstbewusst genug, sich selbst zu den besten Bassbauern zu zählen – aber ob die Gutachter das auch so sehen, wussten sie natürlich vorher nicht. „Dann wäre man enttäuscht, wenn irgend so eine Gurke gewinnt“, meint Meik Dobbratz.

Der Vater der beiden, Siegfried Dobbratz, betrieb in Kiebitzreihe eine Tischlerei. Die Söhne gingen bei ihm in die Lehre, aber seinen Wunsch, den Betrieb fortzuführen, erfüllten sie nur halb. Meik ging nach Hamburg und arbeitete zehn Jahre lang als Musiker. Reiner, der Bastler, wollte nicht ins Baugewerbe: „Ich war schon mit dem Bassbau-Virus infiziert“. Seit 1985 baut er Instrumente in der ehemals väterlichen Werkstatt; zunächst mit einem Partner, dann lange allein, seit zehn Jahren mit seinem Bruder zusammen. Sie nutzen noch viele Werkzeuge ihres Vaters: „Die Bandsäge ist 120 Jahre alt“, erzählt Reiner Dobbratz stolz.

Die Brüder legen Wert darauf, dass sie bis auf ganz wenige Standardteile alles an ihren Bässen selbst herstellen: Korpus, Hals, Elektronik. Sogar die Drehknöpfe für Lautstärke und Klang gießen sie selbst. Holz, Metall und Kunststoff bearbeiten sie mit CNC-gesteuerten Maschinen – die hat Reiner Dobbratz ebenfalls selbst gebaut. Und wenn ein Bass fertig ist, kommt er ins firmeneigene Fotostudio, die meisten werden anschließend auch noch gefilmt. In den Filmen drehen sich die Instrumente elegant vor einem dunklen Hintergrund. Das Rotieren kommt von einer Fahrradfelge, die von einem Nähmaschinenmotor angetrieben wird – das ist der aus der ersten Spulen-Wickelmaschine.

Das Ziel all dieser einzelnen Schritte: „Ein Vollprofi muss in unseren Instrumenten etwas finden, was ihn weiterbringt“, sagt Reiner Dobbratz. Dazu gehört natürlich ein guter Klang. Außerdem soll das Instrument so gut ausbalanciert und geformt sein, dass es angenehm zu handhaben ist –„dass es sich schön ansaugt und kuschelig anfühlt am Körper“. Meik Dobbratz ergänzt: „Es soll auch ’n büschen geil aussehen“. Die Oberflächenbearbeitung und die Lackierung – in der firmeneigenen Lackierhalle – sind seine Spezialität. Größte Herausforderung ist dabei seidenmatt, erklärt er. Hochglanz lasse sich notfalls mit Polieren ausbessern, bei seidenmatter Oberfläche muss der erste Versuch passen: „Das muss ganz spießig sein, alles sauber“.

In den Kiebitzreiher Instrumenten sind viele Eigenentwicklungen verbaut. Geliefert werden sie in alle Welt. Ihre Kunden lernen die Brüder unter anderem bei Fachmessen in London, den USA oder Frankfurt kennen: „Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig“, sagt Reiner Dobbratz. Wer bei Le Fay einen Bass bestellt, der nicht gerade auf Lager ist, muss darauf mindestens ein halbes Jahr lang warten und fürs günstigste Modell mehr als 3  000 Euro ausgeben.

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lefay.de/


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