Geschichte : Von den Abenteuern des Elmshorner Kapitän Jürgen Jürs

Haben sich mit der Geschichte der Peking und von Kapitän Jürs befasst: Jürs-Enkel Eiko Behrens (von links), Carsten Petersen und Morten Planer.
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Haben sich mit der Geschichte der Peking und von Kapitän Jürs befasst: Jürs-Enkel Eiko Behrens (von links), Carsten Petersen und Morten Planer.

Morten Planer und Carsten Petersen legen Buch über den legendären Elmshorner Kapitän Jürgen Jürs und seine „Peking“ vor.

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12. Mai 2018, 13:00 Uhr

Elmshorn | „Der Sturm wurde immer stärker. Schon am Nachmittag erreichten die Wellen eine Höhe, die alles übertraf, was der Kapitän jemals in der Nordsee gesehen hatte.“ Der Amerikaner Irving Johnson ist erst 24 Jahre alt, als er 1929 den Viermaster „Peking“ auf einer Salpeter-Fahrt von Hamburg nach Chile begleitet. In seinem Tagebuch beschreibt er ein Abenteuer, wie es sie heute kaum noch gibt. Zeitgleich drehte Johnson einen Film, der heute eines der wichtigsten Dokumente über die Großsegelfahrt um das Kap Hoorn darstellt. Die Crew erlebt damals einen der schlimmsten Orkane auf der Nordsee in diesem Jahrzehnt und umrundet mit dem Frachtsegler ohne Hilfsmotor am Kap Hoorn eine der gefürchtetsten Schiffspassagen der Welt. Johnson beschreibt detailliert den Alltag auf einem der letzten Windjammer – sowohl den Drill als auch liebevolle Anekdoten – und die teilweise übermenschlichen Leistungen des Elmshorner Kapitäns Jürgen Jürs und seiner Crew, die Irving sein Leben lang nachhaltig beeindrucken werden.

Dank dem Elmshorner Morten Planer liegt das Tagebuch jetzt erstmals auch auf deutsch vor – rechtzeitig bevor die „Peking“, der legendäre Flying P-Liner der Hamburger Reederei F. Laeisz, im kommenden Jahr frisch restauriert als neue Sehenswürdigkeit Hamburgs auf ihrem neuen Liegeplatz am Hafenmuseum einzieht. Die Tagebuch-Übersetzung ist jetzt ganz frisch unter dem Titel „Mit der Peking um Kap Hoorn“ im Oceanum-Verlag erschienen. Enthalten ist außerdem die Biographie des legendären Elmshorner Laeisz-Kapitäns Jürgen Jürs, die der Journalist Carsten Petersen bereits für die Beiträge zur Elmshorner Geschichte verfasst hat.

„Der Kapitän bot ein großartiges Schauspiel, wenn er laut rufend, fürchterlich fluchend und mit den Armen wedelnd über Deck stampfte. Er war das lebende Abbild eines verknitterten, bellenden, mit allen Wassern gewaschenen Seebären.“ Irving Johnson

Bereits 1996 hat Petersen begonnen, die Geschichte des Kapitäns und seiner Familie zu recherchieren, später sorgte er auch dafür, dass die Klappbrücke auf den Namen des berühmten Elmshorners getauft wurde. Eine von Petersens Hauptquellen war die Biographie von Irving Johnson. Bei der Übersetzung half ihm damals Morten Planer, der sein Volontariat bei den EN machte und heute im Rathaus für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Schon damals hatten wir die Idee zu einem Buch“, erzählt Petersen. Aber erst, nachdem die Fragen der Buch- und Fotorechte geklärt waren – das Stadtarchiv unterstützte den Erwerb der Fotorechte finanziell – konnte das Projekt starten. Ein Jahr lang hat Planer an der Übersetzung gearbeitet. „Das war nicht ganz einfach, wegen der vielen Fachbegriffe und dem amerikanischen Slang der 1920er Jahre“, erzählt er. „Aber es ist ein toller Stoff, man kann beim Lesen wunderbar die Peking auf ihrer Reise ums Cap Hoorn begleiten.“ Besonders beeindruckt haben Planer all die kleinen Randnotizen vom Bordleben, wie die Geschichte von den Weihnachtskeksen, die 1000-fach an die Manschaft verteilt wurden, oder den Pflanzen, die Kapitän Jürs in seiner Kajüte liebevoll pflegte. Im Kontrast dazu steht die Brutalität des Seefahrerlebens, Segeln bei Orkanstärke, Menschen, die in ihren Kojen vor Feuchigkeit und Kälte festfrieren und wo eine Unachtsamkeit sofort den Tod bedeutet. „Da musste jeder Befehl sitzen“, sagt Carsten Petersen. „Mit Seefahrerromantik hat dieses Leben nichts zu tun.“

„Pausenlos rollten, hüpften, schlingerten und tauchten wir. Das Knarren des Schiffs in solchen Bedingungen erzeugte ein Gefühl von Leid, als hätte das Schiff regelrecht Angst und Schmerzen.“ Irving Johnson

Der Mythos um Kapitän Jürs liegt in seinem Führungsstil begründet, noch heute bekommt Jürs-Enkel Eiko Behrens in Elmshorn Besuch von ehemaligen Crewmitgliedern, die Geschichten von „ihrem“ Kapitän erzählen können.

Dazu kommt eine beeindruckende Erscheinung, Johnson beschreibt ihn so: „Fast an die 1,90 ragend mit 240 Pfund Lebensgewicht, versehen mit den riesigsten Pranken, die ich jemals gesehen hatte“. Jürs war außerdem der letzte Kapitän, der ausschließlich Segelfrachter ohne Motor befehligt hat, das als Schiffsfriedhof bekannte Cap Hoorn umschiffte er ganze 66-Mal – und starb schließlich 1945 im Alter von 64 Jahren zuhause in Elmshorn.

Friedfertig war Jürs allerdings nicht immer. Johnson berichtet, wie der Kapitän Fehler mit einem zielgenauen Wurf seiner Pantoffeln zu bebestrafen pflegte – und wer Pech hatte, wurde für das Zurückbringen der Schuhe mit einer Ohrfeige belohnt.

Zwischen all den Seefahrer-Abenteuern, die sich in Johnsons Tagebuch finden, gibt es allerdings auch so manchen Seemansgarn, den Übersetzer Planer von der Realität trennen musste: „Kapitän Jürs soll eine Methode zur Krebsheilung erfunden haben, bei der das Geschwür herausgeschnitten und ein lebendiger Frosch auf die Wunde gebunden wird. Ist der Frosch tot, muss man ihn gegen einen lebendigen Frosch austauschen.“ Nicht zu Nachahmung empfohlen.

shz.de verlost drei Exemplare des Buchs „Mit der Peking um Kap Horn“ mit der Übersetzung des Tagebuchs von Irving Johnson, übersetzt von Morten Planer, und einer Biographie des Kapitäns Jürgen Jürs von Carsten Petersen. Wer gewinnen möchte ruft bis zum 14. Mai, 16 Uhr unter der Nummer 01378-407763 (Telemedia interactive GmbH pro Anruf 50 Cent aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk teurer) an und nennt das Stichwort „Peking“. Die Gewinner werden  benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ansonsten gibt es das Buch, das im Oceanum-Verlag erschienen ist, auch unter der ISBN 978-3-86927.552.9 für 17,90 Euro im Buchhandel zu kaufen.

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