Immer weniger Telefonzellen in Elmshorn : Vom unaufhaltsamen Sterben der Telefon-Dinos

Am Alten Markt ist noch ein Telefonhäuschen zu finden.
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Am Alten Markt in Elmshorn ist noch ein Telefonhäuschen zu finden.

Die Häuschen sind fast vollständig aus dem Stadtbild verschwunden. Deutschlandweit gibt es noch etwa 20.000.

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16. April 2018, 12:00 Uhr

Elmshorn | Sie steht auf dem Alten Markt im Schatten der Nikolaikirche. Der riesig anmutende Hörer im bekannten Magentafarbton fällt auf, genauso wie das T des Kommunikationsunternehmens auf dem Dach des Telefonhäuschens. Beachtet wird es dennoch nicht. Kein Mensch weiß, wann zum letzten Mal mit diesem Apparat telefoniert wurde. Im Handyzeitalter sterben die Telefonzellen-Dinos einen unaufhaltsamen Tod. In Elmshorn sind sie aus dem Stadtbild fast komplett verschwunden. Am Bahnhof stehen noch zwei und auch gegenüber vom Buttermarkt, im Bereich der Bushaltestellen, findet sich noch so ein Relikt aus der Vergangenheit. Wie viele es davon noch im Stadtgebiet gibt, weiß selbst Vera Langefeld, Chefin des Flächenmanagements im Elmshorner Rathaus, nicht. „Wir werden nur informiert, wenn die Telekom plant, ein Häuschen abzubauen“, sagt Langefeld.

Auch die Telekom selbst kann keine keine genaue Auskunft mehr geben, wie viele Telefonzellen es noch in Elmshorn gibt. . „Aus Kostengründen werden Standortzahlen nur für den Fall erstellt, dass ein operativer, geschäftlicher Anlass vorliegt“, sagt Sprecherin Stefanie Halle. In ganz Deutschland seien noch gut 20.000 öffentliche Telefone in Betrieb, vor allem an Bahnhöfen und Flughäfen. Halle verweist auf Zahlen der Bundesnetzagentur, wonach statistisch gesehen auf jeden Einwohner 1,4 Sim-Karten – also Handys – kommen. Telefonzellen werden überflüssig.

Noch entscheiden die Nutzer

Trotzdem: Noch entscheiden die Nutzer über das Wohl und Wehe der Relikte, die heute wie aus der Zeit gefallen wirken. „Überall dort, wo es auch wirtschaftlich Sinn macht, bleiben öffentliche Telefone der Telekom auch in Betrieb“, verspricht Halle. Der Mindestumsatz soll bei 50 Euro im Monat liegen, so sieht es eine Übereinkunft mit den kommunalen Spitzenverbänden vor. Erfüllen Standorte diese Vorgaben nicht, geht die Telekom auch aktiv auf die Kommunen zu, um Telefonzellen weiter abzubauen. „Der Umsatz ist ein klares Indiz dafür, dass der Wunsch nach einer Grundversorgung durch die Bevölkerung an dieser Stelle offensichtlich nicht mehr besteht“, argumentiert Halle. Die meisten Standorte seien heute kaum noch rentabel zu betreiben. Der Unterhalt einer Telefonzelle kostet die Telekom Geld, etwa für Strom, Standortmiete, Wartung oder auch die Beseitigung von Schäden durch Vandalismus. Laut Halle entstünden allein durch Vandalismus pro Jahr Schäden in Höhe von einer Million Euro. Viele Telefonhäuschen werden auch aus diesem Grund inzwischen durch Basistelefone ersetzt. Das sind einfache Telefonanschlüsse an einer Stele, ohne Häuschen, die nur noch mit Telefonkarten oder Kreditkarten funktionieren – das bargeldlose Bezahlen soll vor Vandalismus schützen.

Doch auch im Handy-Zeitalter haben die Telefonhäuschen noch eine wichtige Funktion. Telekom-Kunden können sie als Wlan-Hotspot nutzen – so auch am Alten Markt in Elmshorn.

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