zur Navigation springen

Raa-Besenbek : Vogelexpertin gibt Tipps für den Garten

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Kirstin Zoller warnt Gartenbesitzer vor dem Einsatz von Insektiziden. Auch beim Kauf von Nisthilfen ist Vorsicht angebracht.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2015 | 16:00 Uhr

Raa-Besenbek | Die ersten brüten schon, andere bauen eifrig an ihren Nestern, während wiederum andere noch Ausschau nach den besten Nisthilfen halten. Auf jeden Fall ist in der Vogelwelt viel los. Etliche Menschen haben ihre Freude an den gefiederten Tierchen und hoffen, dass sie bei ihnen im heimischen Garten ihren Nachwuchs aufziehen. Damit dabei nichts schiefgeht, gibt Kirstin Zoller aus Raa-Besenbek, die sich seit Jahren um Singvögel kümmert, einige Tipps.

Viele Menschen hängen Nisthilfen in ihren Gärten auf. Doch zuerst, so Zoller, müsse sich jeder Tierfreund eine wichtige Frage beantworten: Nisthilfe oder Gift? Denn nahezu alle Singvögel würden ihre Brut mindestens zu 50 Prozent mit Insekten wie Fliegen, Blattläusen, Ameisen und Raupen füttern. Und wenn Insekten mit Gift besprüht worden sind oder es anderweitig aufgenommen haben, wird es gefährlich für den Vogelnachwuchs. Gartenbesitzer, die ihre Pflanzen mit Insektiziden behandeln, sorgen deshalb möglicherweise indirekt dafür, dass die Vögel ihre Jungen vergiften. „Wer in seinem Garten Gift und Chemie einsetzt, sollte darauf verzichten, mit dem Anbringen von Nisthilfen, die Vögel in den Garten zu locken“, sagt Kirstin Zoller.

Ansonsten sind die Möglichkeiten vielfältig, Vögeln Nisthilfen zur Verfügung zu stellen. Doch auch dabei, so Zoller, gibt es einiges zu beachten. Sinnvoll seien Nisthilfen aus Holz, Beton oder einem Gemisch aus beiden Werkstoffen. Von Metall oder Blech rät sie hingegen dringend ab. Das werde in der Sonne zu heiß und nachts zu kalt. Zudem könne aufgrund der Temperaturunterschiede Schwitzwasser und als Folge Schimmel entstehen. Das Problem des Schwitzwassers gebe es auch bei Plastiknistkästen.

Ein Reisighaufen bietet nicht nur Singvögeln Nahrung, auch Hühner finden dort viel Essbares. (Foto: Zoller, Amsberg, en)
Ein Reisighaufen bietet nicht nur Singvögeln Nahrung, auch Hühner finden dort viel Essbares. (Foto: Zoller, Amsberg, en)
 

Nisthilfen aus Stroh und Reisig findet Zoller grundsätzlich in Ordnung. Sie bieten jedoch keinen Schutz vor Nesträubern. Generell sei es wichtig, Nisthilfen so aufzuhängen, dass Katzen keine Chance hätten, heranzukommen.

Nisthilfen sind nicht nur die klassischen Nistkästen, sondern auch künstliche Nester für Schwalben. Es gibt sie sowohl für Rauch- als auch für Mehlschwalben. „Die nisten aber nicht gemeinsam. Mehlschwalben leben gern in Gruppen, Rauchschwalben brauchen mehr Platz“, sagt die Tierschützerin. Kirstin Zoller geht davon aus, dass es nur noch wenige Tage dauert, bis die Schwalben aus ihrem Winterquartier im Norden ankommen.

Wichtig ist natürlich, für ein ausreichendes Nahrungsangebot zu sorgen, wenn man Vögel zum Nisten in den Garten lockt. Meisen beispielsweise, so Zoller, würden die Beutetiere der Spinnen aus deren Netzen picken. Wenn möglich, sollten deshalb nicht alle Spinnennetze am Haus entfernt werden. Und ein Reisighaufen bietet vielen Insekten Unterschlupf und den Vögeln damit Futter. Wenn das Nahrungsangebot aber knapp ist, hält Kirstin Zoller eine Sommerfütterung „mit Augenmaß“ für sinnvoll.

Die Kohlmeise hat bereits eine Nisthilfe aus Beton bezogen. Hier sollen ihre Jungen aufwachsen, bis sie fliegen können. (Foto: Zoller, Amsberg, en)
Die Kohlmeise hat bereits eine Nisthilfe aus Beton bezogen. Hier sollen ihre Jungen aufwachsen, bis sie fliegen können. (Foto: Zoller, Amsberg, en)
 

Doch was passiert, wenn die kleinen Vögel flügge werden? Jungvögel, die gerade das Fliegen lernen, sind leichte Beute für Katzen. Noch ärger dran sind Amseljunge. Die hüpfen zwar schon im Gebüsch herum und schreien nach Futter, wenn sie das Nest verlassen haben, brauchen aber noch rund eine Woche, bis sie fliegen können. „Ich appelliere deshalb an alle Katzenbesitzer, ihre Tiere in dieser Zeit im Haus zu lassen“, sagt die Tierfreundin. Sollte das nicht möglich sein, bittet sie darum, die Katzen zumindest nur nachts rauszulassen. Dann würden die jungen Amseln und andere „Ästlinge“ nicht nach Futter rufen.

Auch Menschen würden in falsch verstandener Tierliebe, den Vögeln, aber auch kleinen Feldhasen oder Rehkitzen schaden. „Sie denken manchmal, eine junge Amsel sei verletzt und bringen sie in Wildtierstationen. Dabei können die nur noch nicht fliegen“, so Kirstin Zoller. Wenn ein Tier jedoch tatsächlich verletzt ist, sei schnelles Handeln wichtig. „Viele Wildtierbabys können dann nämlich wieder den Eltern zurückgegeben werden. Wenn jemand Hilfe braucht, kann er zur Not auch bei mir vorbeikommen,“ so die Tierfreundin.

Allgemeine Informationen: www.wildvogelhilfe.org und www.brodowski-fotografie.de/vogelsteckbriefe-html; Direkte Hilfe: www.wildtierstation-hamburg.de; Am Sender 2, 25365 Klein Offenseth-Sparrieshoop, 04121-4501939. Wer möchte, bekommt auch direkt bei Kirstin Zoller Tipps für heimische Singvögel, speziell für Schwalben: Schimmelhof, Dorfstraße 37, 25335 Raa-Besenbek, Telefon 0171-2116312.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen