Winter : Vögel sterben Hungertod

Mäusebussarde hoffen, auf der Autobahn tote Tiere zu finden - und werden selbst überfahren.  Foto: dpa
Mäusebussarde hoffen, auf der Autobahn tote Tiere zu finden - und werden selbst überfahren. Foto: dpa

Naturschutzbund befürchtet, dass viele Tiere verenden, weil sie keine Nahrung finden. Insbesondere Mäusebussarde leiden.

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28. März 2013, 08:41 Uhr

Elmshorn | Für viele Menschen ist der lange Winter nervig - für die Tierwelt ist er nun sogar lebensbedrohlich. Viele Vögel im Kreis Pinneberg finden kaum noch Nahrung, warnt der Naturschutzbund (Nabu) Elmshorn. "Es gibt immer weniger Mäuse, und insbesondere in diesem Winter merken wir das ganz besonders", berichtet Nabu-Vorsitzender Hans-Helmut Dürnberg. Die Folge: Die Tiere verhungern - oder kommen bei riskanten Manövern ums Leben.

Unter dem langen Winter leiden insbesondere die Mäusebussarde. "Die sitzen vermehrt an den Autobahnen und suchen nach totgefahrenen Tieren", berichtet Dürnberg. Das fatale: Der Hunger treibt die Mäusebussarde zu riskanten Manövern, die sie häufig das Leben kosten - die Vögel werden überfahren. "Die Population wird erheblich geschädigt", sagt der Naturschützer. Immerhin seien Mäusebussarde in der Lage, Fettreserven zu bilden und könnten so einige Tage auch ohne frisches Futter überleben. Anders die Schleiereule: Sie sei besonders empfindlich und auf ein gutes Nahrungsangebot angewiesen. Aber auch Rotmilane, Weihen, Turmfalken, Walthereulen, Steinkäuze und selbst die fünf Storchenpaare, die es im Kreis Pinneberg gibt, leiden unter dem Futtermangel.

"Es ist eine ganz harte Zeit, zumal die Landschaft nicht mehr die Reserven hat, die sonst in Notzeiten da sind", sagt Dürnberg. Schuld sei vor allem der zunehmende Anbau von Mais. "Wo Mais ist, ist alles tot", sagt er. Damit sei das Nahrungsangebot generell schlechter geworden, "das Wetter verstärkt diese Negativfaktoren immens", so Dürnberg..

Einige Nabu-Mitglieder haben in diesem Winter längst die Initiative ergriffen. Sie füttern die bedrohten Tiere mit Fischen und Schlachtabfällen, die sie in der Feldmark auslegen. So könne ihnen über den Winter geholfen werden. Auch Hans-Helmut Dürnberg füttert zu - mit erstaunlichem Ergebnis. "Die Tiere wissen, dass wir füttern und freuen sich. Morgens kommen sie sogar an und folgen uns bis auf den Hof", berichtet er, "manchmal sitzen sie auch im Komposthaufen und wühlen. Das habe ich noch nie erlebt", sagt er. Selbst, wenn es wärmer werden sollte, sei noch wochenlange Hilfe notwendig, sagt Dürnberg, "das Frühjahr muss kommen, die Natur leidet erheblich."

Wer den Vögeln ebenfalls helfen will, kann mit Fisch oder Schlachtabfällen zufüttern. "Es sollte dort ausgelegt werden, wo die Tiere gute Sicht haben und keine Hunde laufen", sagt Dürnberg. Aber: Solche Aktionen sollten in jedem Fall mit Landeigentümern und der Jägerschaft abgesprochen werden. Wie stark die Vogelpopulation im Kreis Pinneberg unter dem Winter leidet, ist noch nicht absehbar - erst, mit der nächsten Zählung steht das fest.

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