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Elmshorner Nachrichten

18. November 2017 | 22:27 Uhr

Viereck macht der Industrie Druck

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Serie Elmshorner Unternehmen produziert in der Krückaustadt Hydraulische Systeme / Technik auch für Megajachten

Damit das Öl oder Flüssiggas vom Tank ins Schiff kommt oder umgekehrt, muss eine Leitung gelegt werden. Diese Leitung wird per Kran an Ort und Stelle bugsiert, der Kran verfügt über einen hydraulischen Antrieb. Wenn die Verbindung geschaffen ist, hören die Anforderungen nicht auf: Ein Schiff bewegt sich im Wasser immer, mindestens die Tide hebt und senkt es während der vielen Stunden des Beladens; der Kran muss diese Bewegungen mitmachen. Falls das nicht funktioniert – zum Beispiel, weil das Schiff in einem akuten Notfall ablegt –, muss die Steuerung des Krans so ausgelegt sein, dass der Ölfluss gestoppt und die Verbindung getrennt wird.

Das Ganze muss auch ohne Strom funktionieren, also braucht es Akkus und eine gewisse Menge Öl muss unter Druck gespeichert werden. Außerdem verlangen die Vorschriften, dass die ganze Anlage bei Bedarf auch von Hand gesteuert werden kann. Und sie muss explosionsgeschützt ausgelegt sein.

„Da muss man schon ein bisschen Hirnschmalz reinstecken“, kommentiert Ralf Schilling die hohen Anforderungen lakonisch. Schilling ist Geschäftsführer bei der Elmshorner Firma Viereck. Sie hat wichtige Teile des Verladesystems entwickelt: die Hydraulik mitsamt der dazugehörigen Steuerung.

„Unsere klassische Stückzahl ist 1“, beschreibt Schilling das Geschäft: „Wir sind diejenigen, die die karierten Maiglöckchen bauen.“ Wo mit viel Kraft auf wenig Raum hochpräzise Bewegungen ausgeführt werden sollen, da ist die Domäne der Hydraulik als Methode der Kraftübertragung. Eine Pumpe verdichtet eine Flüssigkeit – meistens ein spezielles Öl – auf hohen Druck, der dann per Leitung Kraft zum gewünschten Ort überträgt.

Die technischen Anforderungen sind enorm: Industriehydraulik arbeitet mit Öldrücken bis zu 300 Bar, Viereck konstruiert Anlagen – beispielsweise Prüfstände – bis zu 1 000 Bar. Die Motoren für die Pumpen kommen auf Leistungen von mehr als 100 Kilowatt, damit ließe sich gut ein Mittelklasse-Auto antreiben. Und bei der Präzision geht es um Mikrometer und Millisekunden; im Industriebereich bei Anlagen, die als Presse dann zwei Arbeitsschritte pro Sekunde absolvieren und das im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr, jahrelang.

Viereck konzentriert sich auf Industriehydraulik; Standard sind zum Beispiel Pressen oder Abkantbänke in Metallwerkstätten. Aber die Elmshorner arbeiten auch in vielen Bereichen, die einem nicht sofort beim Stichwort Hydraulik einfallen: Badeplattformen oder Tore für Beiboote auf Luxusjachten zum Beispiel. „In allen Megajachten über 80 Meter, die in den vergangenen Jahren in Deutschland gebaut wurden, sind Produkte von Viereck drin“, erklärt Schilling.

Die Elmshorner Spezialisten haben auch die Antriebstechnik für eine Goldmine in Peru auf 4 800 Metern Höhe geliefert. In dieser Höhe funktioniert Standard-Hydraulik nicht mehr: Der Siedepunkt des Öls ist bei dem geringen Luftdruck niedriger, Elektromotoren bekommen Probleme mit der Kühlung. Der tiefste Einsatzpunkt für Viereck-Hydraulik liegt rund 3 000 Meter unter dem Meeresspiegel bei einem Unterwasser-Roboter.

Gegründet wurde das Unternehmen 1957 in Hamburg von Hans Viereck als technischer Großhandel für Hydraulik-Komponenten. 1991 siedelte Viereck nach Elmshorn um, die Firma war die erste in der Marie-Curie-Straße. 2000 und 2008 wurde angebaut, vor allem die Werkstatt wuchs. 2007 wechselte die Firmenführung, im Zuge eines Management-Buyouts übernahmen Ralf Schilling, Frank Schmidt und Ulf Koschewitz das Unternehmen.

Der Großhandel ist bis heute eine wichtige Geschäftssparte. Aber im Laufe der Jahre nahm die Zahl der Hydraulik-Spezialisten bei den Kunden ab und die Nachfrage nach fertigen Systemen wuchs. Heute trägt der Großhandel rund 30 Prozent zum Firmenumsatz bei, knapp 60 Prozent entfallen auf die Herstellung fertiger Systeme, mehr als zehn Prozent steuert der Servicebereich zu, Tendenz: wachsend. „Wir lösen die Probleme vor Ort“, erklärt Schilling. Dabei reparieren und warten die Elmshorner Techniker auch Anlagen anderer Hersteller.

Großes Know-how hatte Viereck beim Bohrloch-Equipment für Öl- und Gasförderung entwickelt. Das Geschäft brach 2014 ein: „Es kauft kein Mensch mehr Bohrtechnik“, sagt Schilling. Die Mitarbeiterzahl schrumpfte von 52 auf aktuell 37. Die Aussichten bessern sich: „Die Auftragseingänge steigen“. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 8 Millionen Euro, für 2017 peilt Schilling 8,6 Millionen Euro an.

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