Viel mehr als nur Kaffeetrinken

Oliver Carstens ist Pressesprecher der Pinneberger Kreisverwaltung / Ein Teil seiner Aufgabe ist Referententätigkeit für den Landrat

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04. Januar 2018, 13:39 Uhr

Was macht eigentlich ein Pressesprecher, wenn wir nicht anrufen?, wird schon mal in einer Journalistenrunde gefragt. Um dann grinsend die Antwort zu geben: „Wahrscheinlich Zeitunglesen und Kaffeetrinken.“ Nun, Oliver Carstens, Pressesprecher der Pinneberger Kreisverwaltung, liest in der Tat täglich Zeitung. Das gehört zum Job. Und Kaffee mag er auch. Sein Tätigkeitsbereich umfasst allerdings viel mehr Aufgaben als die Beantwortung von Journalistenfragen.

Dennoch machen die Anfragen von Zeitung, Funk und Fernsehen den Hauptteil seiner Arbeit aus. „Vieles weiß ich selbst“, sagt er. Viel wichtiger aber: „Ich weiß, wo ich welche Informationen von wem bekommen kann.“ Eben diese Fähigkeit ist ein wichtiger Grund, aus dem die Kreisverwaltung seit mehr als 30 Jahren einen Pressesprecher beschäftigt.

Mittlerweile arbeiten rund 900 Menschen in der Kreisverwaltung. Und die Themenpalette wird immer größer. Mal geht es bei Journalisten-Anfragen um Brückenbauarbeiten an der alten B 5 oder die Kreisstraße 22, mal um den Kreishaushalt, machmal aber auch nur um Fragen nach der nächsten Kreistagssitzung. Richtig rund geht es bei Problemen wie Geflügelpest mit allen dazugehörenden Einschränkungen für Geflügelhalter, aber auch für Hunde- und Katzenbesitzer.

Und die Anrufer benötigen die Informationen in der Regel schnell. „Ich bin da auf die Zulieferung meiner Kollegen angewiesen und deshalb sehr dankbar, dass alle gern helfen“, sagt Carstens. Denn die Kreisverwaltung lege viel Wert auf Transparenz.

Allerdings sind viele Sachverhalte kompliziert. Und auch die Behördensprache ist manchmal nicht sofort verständlich. „Ich muss versuchen, komplexe Vorgänge allgemeinverständlich darzustellen“, erläutert der Diplom-Verwaltungswirt.

Doch es geht nicht nur um das Beantworten von Journalistenfragen. Der Pressesprecher bereitet zudem Themen, die der Kreisverwaltung wichtig sind, als Pressemitteilung auf. „Demnächst wollen wir Informationen über die afrikanische Schweinepest herausgeben“, kündigt Carstens an. Auch bei der Frage, welche Themen auf der Homepage der Kreisverwaltung aufbereitet werden, ist er beteiligt. Laut Arbeitsplatzbeschreibung sind 20 Prozent seiner Aufgabe Referententätigkeit für den Landrat. Carstens muss die eine oder andere Rede oder mal ein Grußwort für den Verwaltungschef schreiben. Ohnehin arbeitet er eng mit Landrat Oliver Stolz zusammen. „Das funktioniert nur, wenn man sich gut versteht“, sagt er.

Darüber hinaus ist Carstens Leiter des „Stabsbereichs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Katastrophenschutzstab“. Bei Katastrophen wie Deichbruch oder großflächiger Stromausfall sei es wichtig, dass die Kommunikation nach außen wie gewohnt verlaufe.

„Ein besonderes Bonbon sind Wahlen“, findet Carstens. Egal, ob Bundestag oder Landtag gewählt werden, in der Kreisverwaltung laufen alle Ergebnisse zusammen.

Dass der Feierabend eines Pressesprechers häufig nicht von den persönlichen Wünschen, sondern von der Ereignissen bestimmt wird, versteht sich von selbst. Trotzdem sagt der verheiratete Vater eines acht Monate alten Sohnes: „Mir macht mein Job sehr viel Spaß. Ich habe mit unheimlich vielen unterschiedlichen Themen zu tun.“

Allerdings sei Pressesprecher kein Job, „den man zehn Jahre oder länger macht.“ Und dann? „Mal sehen “, sagt der Elmshorner. Zwei ehemalige Pressesprecher der Kreisverwaltung, Jürgen Tober und Andreas Köhler, haben Karriere gemacht, stehen inzwischen als zwei von drei Fachbereichsleitern gleich hinter dem Landrat. Und sein direkter Vorgänger Marc Trampe ist mittlerweile Bürgermeister von Rellingen. Da könnte noch was gehen. Es ist eben in der Tat viel mehr als Kaffeetrinken.

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