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Elmshorn : Verschlickung der Krückau - Sielverbände schlagen Alarm

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Studien sollen Entwicklung der Krückau untersuchen. Sielverbände schlagen Alarm. Aufstauung des Flusses kaum noch erlaubt.

shz.de von
erstellt am 11.Jun.2015 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Hans Barzel, Veranstalter des Elmshorner Schippertreffens, zeigte sich am Sonnabend, zwischen Akkordeonklängen und Traditionsseglern, versöhnlich: „Elf Traditionsschiffe, das ist viel“, befand er. Co-Organisator André Konietzko war eher enttäuscht: Die Krückau war diesmal zum Treffen der segelnden Oldtimer nicht aufgestaut. Als Folgen zählte Konietzko auf: „Die ‚Forelle von Kollmar‘ ist nicht gekommen, ein Schiff ist schon wieder vorzeitig weg.“ Der Rumpf war bei Ebbe im Hafenbecken umgefallen, berichtete Konietzko, das wollte der Schipper nicht noch eine Nacht lang hinnehmen.

Die Krückau ist ein Tidenfluss, im Elmshorner Hafen schwankt der Wasserstand regelmäßig um anderthalb Meter. Bei Niedrigwasser sieht der Fluss aus wie ein Rinnsal, das sich zwischen ausgedehnten Schlickbänken seinen Weg sucht. Für ein Fest am Hafen ist es natürlich schöner, wenn die Schiffe schwimmen und das Wasser glitzert. Technisch ist das auch kein Problem: Bei Hochwasser an der Krückaumündung wird das dortige Sperrwerk geschlossen, und schon läuft das Wasser nicht mehr in die Elbe ab.

Beim ersten Schipperfest vor zwei Jahren war das noch zwei Tage lang so gemacht worden, berichtete André Konietzko. Im vergangenen Jahr wurde die Krückau nur noch einen Tag lang aufgestaut, in diesem Jahr dann gar nicht mehr: „Die Sielverbände haben protestiert“, schimpfte Konietzko am Hafen.

Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje bestätigt das: „Die Deich- und Sielverbände haben im vergangenen Jahr alle Alarm geschlagen“, und für 2015 haben sie nur noch einem Aufstauen zum Elmshorner Hafenfest zugestimmt, das Schippertreffen fiel hintenüber. Das habe er den Organisatoren des Schipperfestes schon im vergangenen Sommer angekündigt.

Verständnis für die Verbände

Die Entscheidung, ob das Sperrwerk geschlossen wird, trifft das Wasser- und Schifffahrtsamt in Hamburg; nach Rücksprache mit den Sielverbänden, denn die sind es, die die Krückau in erster Linie nutzen und unterhalten. Hatje versteht die Position der Verbände: Die Marschen werden komplett über die Krückau entwässert. Wenn das Krückauwasser hoch steht, müssen Pumpen eingesetzt werden, um das Oberflächenwasser aus der tiefliegenden Landschaft zu schaffen. „Wenn es richtig regnet, bekommen die nasse Füße“, beschreibt Hatje die Folgen.

Zweites Argument: Wenn das Wasser im Fluss stillsteht, setzen sich die im Wasser enthaltenen Schwebstoffe auf dem Grund ab und tragen damit zur ohnehin grassierenden Verschlickung der Krückau bei. „Das zeigen auch unsere Untersuchungen“, bestätigt Hatje.

2014 wurde die Krückau vier Mal aufgestaut, davon drei Mal auf Elmshorner Wunsch: zum Hafen- und zum Schipperfest, zur NDR Sommertour und zum Fest der Fähre Kronsnest. Für 2015 stimmen die Verbände nur noch einer Sperrwerkschließung zu, die wird zum Hafenfest sein. Konsequenz: Die Traditionssegler bleiben im Schlick hängen.

Kein Abhilfe in Sicht

Abhilfe für dieses Problem ist nicht in Sicht. Für 2016 sieht der Bürgermeister keine Chance, die Krückau zum Schipperfest aufzustauen: „Es sei denn, die Sielverbände ändern ihre Auffassung.“ Da das Schlickproblem allerdings immer größer wird und die Entwässerung damit immer schwieriger, sieht es nicht danach aus.

Das immer wieder geforderte Ausbaggern wird vom zuständigen Bund verweigert: Die Krückau hat als Wasserstraße keine wirtschaftliche Bedeutung, also wird auch kein Geld fürs Baggern ausgegeben.

Schippertreff-Organisator Hans Barzel hat sich darauf eingerichtet, dicke Bretter zu bohren: „Ich arbeite dran, die Sielverbände an einen Tisch zu kriegen“, erklärte er. Das ist eine große Aufgabe, denn an der Krückau reden ab Elmshorn gleich neun Organisationen mit: der Gewässerpflegeverband Krückau-Pinnau, der Wasserverband Krückau, der Sielverband Raa, der Sielverband Wisch-Kurzenmoor, der Sielverband Seestermühe, der Wasser- und Bodenverband Seestermüher Außenkoog, der Deich- und Hauptsielverband Kremper Marsch, der Deich- und Hauptsielverband Seestermüher Marsch und die Stadt Elmshorn.

Langfristig will auch der Bürgermeister das Schlick-Problem angehen. Demnächst sollen neue Studien die Entwicklung der Krückau untersuchen: „Wir brauchen Zahlen, Daten, Fakten“, sagt Hatje. Der Blick in die Zukunft stimmt ihn nicht eben optimistisch: Mit der geplanten Elbvertiefung sagen verschiedene Gutachter deren Nebenflüssen eine Zunahme der Verschlickung voraus.

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