Elmshorner Kunstverein : Vernissage im Torhaus: Wandlung als Normalität

Der Künstler Carlos Roberto Franco vor seiner Installation Alfabetamega“. Diese ist in einem langwierigen Prozess entstanden.
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Der Künstler Carlos Roberto Franco vor seiner Installation Alfabetamega“. Diese ist in einem langwierigen Prozess entstanden.

Carlos Roberto Franco zeigt seine Arbeiten noch bis zum 6. Mai beim Elmshorner Kunstverein im Torhaus.

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17. April 2018, 13:15 Uhr

Elmshorn | Eine Ausstellungseröffnung des Kunstvereins im „Torhaus“ ist immer ein Ereignis, das viele kunstinteressierte Menschen aus Elmshorn und darüber hinaus anzieht und weithin ausstrahlt. Das gilt auch für die jüngste des in Hamburg lebenden Künstlers Carlos Roberto Franco, mit insgesamt etwa 50 Besuchern. Anwesend war auch der Künstler selbst.

„Wandlung“ heißt die Werkschau, in die Kunsthistorikerin Amelie Sommer einführte. „Kaum ein anderer Künstler stellt seine kreative Motivation so deutlich in der Vordergrund seiner Arbeiten wie Carlos Roberto Franco“ stellte sie einleitend fest. „Wandlung“ beziehungsweise „Transformation“ sei nicht nur der Titel der Ausstellung und das Thema einiger Exponate, sondern auch Ausdruck seiner persönlichen religiösen und philosophischen Überzeugung, die er sowohl in seinen minimalistischen Kunstobjekten als auch in seinen Grafiken darstelle.

Die Objekte Francos bestehen überwiegend aus Kupfer, Salz und Glas. Nicht zuletzt benutzt der Künstler mit Vorliebe das Licht in Form von Glasplatten oder Tageslicht für seine Installationen. „Das geschieht aus einer tiefen Überzeugung heraus, denn Christen sind laut dem Matthäus-Evangelium Salz und Licht der Welt“, so die Kunsthistorikerin. Franco überträgt die Idee der Wandlung, die in jedem Objekt zu spüren ist, auf den Menschen und auf die Gesellschaft im Allgemeinen.

Carlos Robertos Kunstobjekte bestehen überwiegend aus Kupfer, Salz und Glas. Sie laden zu einer fruchtbaren Auseinandersetzung ein.
Siegfried Schilling
Carlos Robertos Kunstobjekte bestehen überwiegend aus Kupfer, Salz und Glas. Sie laden zu einer fruchtbaren Auseinandersetzung ein.
 

Eine der wichtigsten Aussagen seiner Kunst sei, wie es Franco formuliere, dass der Mensch Transformator sei, transformiert werde und auch andere transformieren könne. In das Werk des Wahl-Hamburgers fließt seine christliche Erziehung, seine umfangreiche philosophische Bildung und leidenschaftliche Auseinandersetzung mit der klassischen Antike ein. Kennzeichnend für die Kunst des Kolumbianers sind die Klarheit der Linien und die geordnete geometrische Formensprache. Ordnung und Sauberkeit ist für den Künstler auch ein wichtiger Faktor für den Raum um die Exponate, damit diese ihre volle Wirkung entfalten können. Am geeignetsten sind weiße Wände, leere beziehungsweise schlichte Raumausstattungen.

Für eine Betrachtung der Franco-Kunst unter rein ästhetischen Gesichtspunkten ist das Zusammenspiel der feinen Kupferplatten, der zarten Straffuren, der festen Gläser und Salzstrukturen sowie den wechselhaft glänzenden Oberflächen im spannungsreichen Kontrast zu matten Flächen ein wahrer Augenschmaus. Ebenso die klaren Kompositionen aus geraden Linien und geometrischen Formen.

„Doch nur diejenigen Betrachter, die bereit sind, sich darüber hinaus dem Prozess der Veränderung zu öffnen und sich mit ihm auseinanderzusetzen, verspüren die Kraft, die von der Kunst Francos ausgeht und verstehen die Tiefgründigkeit seines Denkens sowie seines künstlerischen Schaffens“, schloss die Kunsthistorikern Amelie Sommer ihre Ausführungen.

Wer die Ausstellungseröffnung nicht besuchen konnte, kann am Sonntag, 6. Mai, ab 11.30 Uhr, an einem Künstlergespräch mit Franco teilnehmen. An diesem Tag öffnet die Austellung im Torhaus auch zum letzten Mal.

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