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Reportage : Unterwegs mit der Kampfmittelbergung

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Eine Spezialfirma hat in Elmshorn mit der Suche nach Kampfmitteln begonnen. Bislang verläuft alles planmäßig. Drei Monate werden die Arbeiten dauern.

Elmshorn | Sechs Meter tief wühlt sich der Bohrer ins Erdreich des Elmshorner Hafens. Ein langes Kunststoffrohr wird in das Bohrloch eingebracht. Danach kommt eine Sonde zum Einsatz. Mit dieser Sonde kann festgestellt werden, ob unter der Oberfläche des Hafengeländes gefährliche Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg verborgen sind. Bislang war das zum Glück noch nicht der Fall. Allerdings ist erst ein kleiner Teil des Geländes untersucht worden. Und unwahrscheinlich ist es nicht, dass noch Hinterlassenschaften der einstigen kriegerischen Auseinandersetzungen gefunden werden.

Dort, wo jetzt Räumstellenleiter Marc Barysch von der Hamburger Firma Wiwa-Kampfmittelbergung und seine Männer den Boden untersuchen, soll das „Haus der Technik“, das Pumpenhaus, erstellt sowie die dazugehörenden Leitungen verlegt werden. Das Haus ist eine Grundvoraussetzung für den geplanten Umbau der Elmshorner Innenstadt. Dass ausgeschlossen werden kann, dass Geschosse, Munition oder gar Bomben im Boden lagern, ist wiederum eine Voraussetzung für den Bau des Pumpenhauses.

„Die Älteren, die es noch erlebt haben, berichten, dass hier einiges runtergekommen ist“, sagt Heike Meier, Diplom-Ingenieurin bei der Stadtentwässerung. „Es wäre ganz großes Glück, wenn hier nichts gefunden würde“, sagt sie.

Weithin per Plakaten sichtbar: Der Elmshorner Hafen wird derzeit nach  Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht.(Foto: Amsberg)
Weithin per Plakaten sichtbar: Der Elmshorner Hafen wird derzeit nach Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht.(Foto: Amsberg)
 

Gesucht wird mit einer Sonde, die magnetische Erdeinflüsse misst und ihre Messergebnisse auf einen Computer überträgt. Veränderungen des Magnetfelds sowie Eisenteile werden festgestellt. „Aufgrund unserer Erfahrung können wir differenzieren, ob das nur eine Stromleitung ist oder ob da eine Bombe liegt“, sagt Barysch. Rund 1000 Quadratmeter groß ist die Fläche, auf der das Haus der Technik gebaut werden soll. Wenn alles weiter gut geht, hoffen alle Beteiligten, dass die Arbeiten in diesem Bereich des Hafengebiets spätestens Anfang der übernächsten Woche abgeschlossen sind.

Jedes dieser Bohrlöcher ist sechs Meter tief in den Boden getrieben worden. Durch die Kunststoffkanäle wird per Sonde nach Kampfmitteln gefahndet. (Foto: Amsberg)
Jedes dieser Bohrlöcher ist sechs Meter tief in den Boden getrieben worden. Durch die Kunststoffkanäle wird per Sonde nach Kampfmitteln gefahndet. (Foto: Amsberg)
 

Sollten Kampfmittel gefunden werden, wird ein Aluminiumrohr in den Boden eingebracht. Das Rohr hat einen Durchmesser von zwei Metern und wird eingespült. Das Erdreich wird vorsichtig abgetragen, auch Taucher sind im Einsatz. Mit der Sonde wird ebenfalls weiter gearbeitet, denn eine Bombe kann ja auch schräg oder hochkant liegen. Anschließend rückt der Kampfmittelräumdienst an und entscheidet, wie weiter mit den freigelegten Kampfmitteln verfahren wird.

Toni Siedelmann setzt den langen Bohrer mit seinem Bagger. Sergej Stamov hilft ihm dabei. (Foto: Amsberg)
Toni Siedelmann setzt den langen Bohrer mit seinem Bagger. Sergej Stamov hilft ihm dabei. (Foto: Amsberg)
 

Rausgeholt werden alle Kriegsgeräte, sagt Barysch, „von der kleinsten Patrone, über Gewehre und Munition bis hin zur Bombe.“ Das Problem: Viele Bomben hätten Langzeitzünder, die gut mit Fett eingedreht und deshalb luft- und wasserdicht abgeschlossen die 70 Jahre seit Kriegsende unbeschadet im Boden überstanden haben. „Wir wollen eine Risikominimierung erreichen“, sagt der Räumstellenleiter. Denn es sei ein großer Unterschied, ob eine Bombe vorsichtig freigelegt werde oder plötzlich ungewollt auf einer Baggerschaufel liege. Aufgrund der Bewegung könne nämlich der Zündmechanismus in Gang gesetzt werden. Unter anderem habe seine Firma eine funktionsfähige Stabbrandbombe in einem Sumpfgebiet entdeckt. In der Nähe der Hafencity habe eine „völlig intakte Bombe“ nur 1,50 Meter unter einer ehemaligen Fabrik gelegen.

Räumstellenleiter Marc Barysch untersucht das Bohrloch mit einer Sonde. (Foto: Amsberg)
Räumstellenleiter Marc Barysch untersucht das Bohrloch mit einer Sonde. (Foto: Amsberg)
 

Sollten bei den Arbeiten am Elmshorner Südufer Kampfmittel entdeckt werden, „ist sofort Arbeitseinstellung angesagt“, erläutert Marc Barysch. Die örtliche Polizei würde den Fundort absperren, der Kampfmittelräumdienst alarmiert. „Das Bergen ist Landesaufgabe“, sagt Heike Meier. Diese Kosten muss Elmshorn nicht tragen. Wohl aber die für den Stillstand auf der Baustelle und das Freilegen der Kampfmittel. Rund 245.000 Euro hat die Stadt für die Aktion am Hafen veranschlagt. Je mehr Kampfmittel entdeckt werden, desto teurer wird das Buddeln und Räumen. „Wir haben keine Alternative, wir dürften gar nicht bauen, wenn nicht sicher ist, dass keine Kampfmittel mehr im Boden sind“, sagt Meier. Früher, berichtet sie, habe es diese Vorschrift, Baugebiete zuvor auf Kampfmittel zu untersuchen, nicht gegeben. Es hätte leicht etwas passieren können. „Da haben wir oft großes Glück gehabt“, sagt sie.

Drei Monate soll die Suche nach Kampfmitteln dauern. Dann können Marc Barysch und seine Leute vermelden: Das Südufer des Elmshorner Hafens ist kampfmittelfrei.

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erstellt am 09.Aug.2015 | 11:00 Uhr

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