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Zwischen Lust und Frust : Unterdurchschnittliche Wahlbeteiligung: Elmshorn nach der Landtagswahl

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Das sagen die Parteien – Bürgermeister sieht große Projekte nicht gefährdet.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2017 | 12:00 Uhr

Elmshorn | Aufbruchsstimmung – das erhofft sich Elmshorns CDU-Fraktionschef Immo Neufeldt von der neuen Landesregierung unter Parteifreund und Wahlsieger Daniel Günther. Und von der soll Elmshorn profitieren. „Wir wollen endlich in Hohenfelde auf die A  20 fahren“, sagt Neufeldt. Die Verkehrsinfrastruktur sei eines der entscheidenden Themen für die Stadt. „Der Grenzwegausbau muss kommen und es muss neue Impulse für die Bahnverbindungen nach Hamburg geben“, mahnt der Christdemokrat.

Neufeldt spricht von „großen Herausforderungen und hohen Erwartungen“, die seine Partei erfüllen muss. Er fordert eine neue Verteilung der Finanzen mit der klaren Zielrichtung, dass mehr Geld in den Kommunen ankommen muss. „Städte wurden ja regelrecht in die Verschuldung getrieben“, kritisiert der CDU-Chef die bisherige Förderpraxis in Kiel. Bei der Rückkehr zu G  9 an den Gymnasien wünscht er sich Fingerspitzengefühl und Sensibilität. „Die Betroffenen müssen gehört werden.“

„Sprachlos“ ist Ulrich Lenk (Foto), Fraktionsvorsitzender der SPD im Elmshorner Stadtverordneten-Kollegium. „Wie viele Genossen verstehe ich das Ergebnis nicht, ich muss das Resultat erst einmal sacken lassen“, sagt er. Offenbar habe es seine Partei nicht verstanden, den Wählern die gute Arbeit der bisherigen Koalition unter Führung der SPD zu vermitteln, so Lenk. Die CDU habe auch mit Themen wie der Rückkehr zu G9“ gepunktet. Sehr zufrieden ist Ulrich Lenk mit dem Abschneiden der Elmshorner SPD-Kandidatin Beate Raudies. „Ich gratuliere ihr herzich zum Gewinn des Wahlkreises. Sie kann ihre gute Arbeit in Kiel jetzt fortsetzen.“ Bei der Zusammensetzung der neuen Landesregierung favorisiert Lenk die sogenannte „Ampel“, eine Koalition von SPD, FDP und Grünen.

Der Elmshorner Bürgermeister Volker Hatje (Foto, parteilos) sieht einem Machtwechsel in Kiel gelassen entgegen. „Die großen Projekte in der Stadt sind auch nach einem Regierungswechsel nicht gefährdet“, sagt er. Der Stadtumbau West (Krückau Vormstegen) sei genauso wie das Projekt Umgestaltung des Elmshorner Bahnhofs bei den großen Fraktionen im Landtag unumstritten. Hatje: „Sonst ist es natürlich wie immer nach Wahlen. Wir müssen sehen, wo es neue Ansprechpartner gibt. Aber da müssen wir erst einmal abwarten.“ Bei der Wahlbeteiligung hinkt die größte Stadt im Kreis Pinneberg dem Trend hinterher. Nur 58 Prozent der 37  925 Wahlberechtigten gaben ihre Stimme auch ab. Kreisweit lag die Wahlbeteiligung bei 63,1 Prozent, landesweit sogar bei 65 Prozent.

FDP-Chef setzt auf bessere Infrastruktur

Freudetrunken am Montagmorgen: „Das ist die Wiederauferstehung  der FDP“, frohlockte  Elmshorns  FDP-Fraktionschef und Landtagskandidat Jens Petersen. Er setzt voll auf die Jamaika-Koalition. „Albig und Stegner wurden abgewählt“, betont  Petersen. Elmshorn soll von einem Wechsel der Landesregierung profitieren. „Der A20-Bau und die Verbesserung des ÖPNV. Beim Thema Infrastruktur  wird etwas passieren“, sagt Petersen. Er fordert zudem mehr Geld vom Land für den Ausbau der Krippenplätze, um dem Rechtsanspruch  erfüllen zu können. Und auch beim Thema Krähen hofft er auf mehr Unterstützung von der neuen Landesregierung. „1000 Krähen in Elmshorn sind zu viel.“

Grünen-Chefin warnt vor Jamaika

Im Zwiespalt der Gefühle: Dort befand sich Silke Pahl auch gestern Morgen noch. Das gute Ergebnis der Grünen wurde überlagert vom Scheitern der Küstenkoalition. „Für Elmshorn war die Arbeit mit der Küstenkoalition sehr gut“, sagt die Grünen-Fraktionschefin und Landtagskandidatin und verweist auf die Themen Flüchtlinge, die Schulsanierung und den Kita- Ausbau. Mit ihrem persönlichen Ergebnis im Wahlbezirk Elmshorn ist Pahl zufrieden: „Ich wollte drittstärkste Kraft  werden. Das haben wir geschafft.“ Die Grünen-Politikerin warnt ihre Partei vor dem Eintritt in die Jamaika-Koalition mit CDU und FDP. „Wenn wir uns darauf einlassen, verlieren wir unsere Basis.“ Es gebe inhaltlich kaum Übereinstimmungen mit der jetzt „euphorisierten“ CDU.

Birte Glißmann: „Ich habe gehofft, das Unmögliche möglich zu machen“

Für Elmshorns Landtagskandidatin Birte Glißmann (CDU) war der Wahlabend ein Auf und Ab der Gefühle. „Ich bin grundsätzlich zufrieden mit dem Ergebnis der CDU“, sagt sie einen Tag später am Telefon. „Elmshorn ist immer ein hartes Pflaster für uns, aber wir haben Wählerstimmen zugelegt. Dass es für mich als Direktkandidatin nicht gereicht hat, ist natürlich schade.“ Sieben von neun Wahlbezirken im Wahlkreis Elmshorn hat Glißmann für sich entscheiden können. Aber da im Wahlbezirk Elmshorn Stadt mehr Wahlberechtigte leben als in den anderen Bezirken zusammen, holte Beate Raudies (SPD) am Ende das Direktmandat mit 37,6 zu 35,6 Prozent der Stimmen.

„Mir war von Anfang an klar, dass es schwierig werden würde“, sagt Glißmann. „Aber  ich habe bis zuletzt gehofft, das Unmögliche möglich zu machen.“ Es war der erste Wahlkampf für die 24-jährige Juristin und stellvertretende Landesvorsitzende der jungen Union Schleswig-Holstein. Politisch will sie sich auf jeden Fall weiter in ihrer Partei engagieren. Beruflich beginnt Glißmann im Juni ihr juristisches Referendariat. Ob sie auch als Kandidatin zur Kommunalwahl 2018 und zur Landtagswahl 2023 antreten wird, steht für die junge Frau „noch in den Sternen“. „Viele in meiner Partei haben aber deutlich gemacht, dass sie es begrüßen würden, wenn ich noch einmal politisch angreifen würde“, sagt sie.

Den Wahlkampf hat Glißmann als sehr intensive Zeit erlebt. „Ich habe meine Heimat ganz neu erfahren, sehr interessante Menschen kennengelernt und gehe durch Elmshorn jetzt mit ganz anderen Augen. Das war für mich das allerwichtigste.“ Sie ist auch davon überzeugt, dass ihre Partei mit ihren Themen überzeugt hat. „Mit den Krähen und der Videoüberwachung ist es uns gelungen, inhaltliche Schwerpunkte zu setzen, die bei den Leuten ankommen. Daran werden wir auf jeden Fall in Zukunft weiterarbeiten.“

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