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Elmshorner Nachrichten

20. Oktober 2017 | 03:49 Uhr

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

vom

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Zur Abwechslung in dieser kleinen, arglosen Beitragsreihe, die Woche für Woche die wirklich großen und wichtigen Themen des Weltalls anpackt, mal ausnahmsweise etwas in eigener Sache. Wie Sie wissen, liegt es mir ansonsten äußerst fern mich an dieser Stelle selbst zum Thema zu machen und eigene Empfindlichkeiten und Eindrücke jammernd in die Öffentlichkeit zu tragen. Doch ist es mir gerade in diesem Moment, der im nächsten Moment schon vorbei sein könnte, ein besonderes Bedürfnis mich Ihnen zuversichtlich auf Verständnis anzuvertrauen.

Wie ich in einigen schwachen Momenten bereits einmal hier und da in einem Nebensatz habe durchklingen lassen, bin ich Bibliothekar. Ein Beruf, der mich nach all den Jahren immer noch ausfüllt und am Ende eines fordernden Arbeitstages nicht selten mit Genugtuung versorgt. Wissbegierige, nach Wissen strebende, junge, schöne Menschen mit einem Buch in ihren Händen glücklich nach Hause gehen zu lassen, ist wohl eines der schönsten und befriedigendsten Erlebnisse, die man als Informationsvermittler und Leihbuchhändler im weitesten Sinne überhaupt haben kann.

Wenn in der Bibliothek eine rege Betriebsamkeit waltet, ein ständiges Kommen und Gehen herrscht und man als wachhabender Bibliothekar stets gefragt ist, dann kann das so verkehrt nicht sein. Das Telefon klingelt ununterbrochen und zum Beantworten der Dutzenden E-Mails kommt man gar nicht. Wenn die Schlange vor der Ausleihe bis zur Ausgangstür reicht, sich drei Studenten um ein und dasselbe Buch streiten und man eigentlich schon längst Feierabend hat, dennoch aber der jungen, gesunden Frau in diesem luftigen Sommerkleidchen schnell noch mal beim Kopierer behilflich ist (die sind aber auch kompliziert, die blöden Dinger!!!), dann ist man mit sich selbst im Reinen. Wenn Sie im Hintergrund jetzt auch Geigenmusik hören, dann haben Sie das Gefühl!

Wenn aber, so wie letzte Woche, den ganzen Tag niemand kommt, keiner anruft und man nicht einmal Spam-Mails bekommt und alles irgendwie im Schneckentempo läuft, nur langsamer, dann kann man schon mal einen mittelschweren Rappel bekommen. Vor allem, wenn auch drinnen über 35 Grad herrschen und man langsam in seinem eigenen Sud dahinköchelt. Wie ein Fußballspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ein nicht abgeschlossenes Gefängnis - alles in allem also recht einsam - kommt einem die Gesamtsituation dann vor. Das ist kein Jammern, ich wollte es nur mal gesagt haben.

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