Elmshorn : Unruhe im "Stress-Hochhaus"

Das Hochhaus in der Meteorstraße.
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Das Hochhaus in der Meteorstraße.

Unzumutbare Zustände in einem Elmshorner Hochhaus: Neben ausgefallenen Heizungsanlagen und Schimmel klagen die Mieter seit Jahren auch über Unrat im Treppenhaus.

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06. April 2012, 10:45 Uhr

Elmshorn | Die Haustür steht sperrangelweit auf, sie lässt sich schon lange nicht mehr verschließen. Jeder, der will, kann das Hochhaus in der Meteorstraße betreten. Im Hausflur steht herrenloser Sperrmüll. Licht und Heizkörper sind Tag und Nacht in Betrieb. Alltag im "Stress-Hochhaus" von Elmshorn.
"Wir wohnen hier eigentlich nur noch, weil die Wohnungen bezahlbar sind", sagt ein Bewohner, der seinen Namen lieber nicht nennen möchte. Bei einem anderen ist die Lage besonders ernst: In der Küche von Mieter Reinhard Schaaf hat sich Schimmel ausgebreitet. Mittlerweile zieht sich der Befall über die ganze Wand und hat auch schon sein Badezimmer erreicht. "Das fing alles ganz klein an, ich habe damals sofort die Hausmeister-Firma angerufen - getan hat sich aber nie etwas", sagt der verärgerte 59-Jährige. Mittlerweile habe das Ganze einen Fischgeruch angenommen. "Ich finde es einfach schade, dass sich niemand traut, vorbeizukommen", so Mieter Schaaf. Ein Aufreger-Thema unter den Bewohnern ist auch die Ölversorgung des Hauses: "Mehrere Tage konnten wir unsere Heizung nicht nutzen, warmes Wasser gab es auch nicht", berichtet Claus-Peter Jäger, der seit 34 Jahren hier lebt. "Man musste sich sein Wasser auf dem Herd warm machen, um überhaupt etwas zu haben - und hier gibt es Familien mit Kindern", so Jäger. Immer wieder falle die Heizung aus, die zuständige Hausverwaltung "Treureal Property Management" zeige keine Reaktion auf die Beschwerden der Bewohner. "Man will uns wohl loswerden", vermutet Mieter Schaaf. "Wenn die Leute ausziehen, wird die Wohnung saniert und teurer vermietet", berichtet er. Aber er lasse das nicht mit sich machen: "Jetzt ist Schluss, ich geh’ zum Anwalt!"
"Derzeit werden die Bau- und Sanierungsleistungen ausgeschrieben"
Die chaotischen Zustände in der Meteorstraße ziehen sich nun schon über Jahre hin. Der sh:z berichteten bereits 2010 über das Hochhaus. Damals versprach der Eigentümer eine baldige Sanierung des Hochhauses. Die erneute Recherche zeigt bereits erste Wirkung: Während der Besichtigung vor Ort tauchte plötzlich ein Vertreter einer Sanierungs-Firma auf. Eigenen Angaben zufolge prüfte der Sachverständige den Zustand der Wohnungen "für die in Kürze geplante Sanierung".
Auf Nachfrage des sh:z versprach Birte Wachsmuth, Pressesprecherin der für die Sanierung zuständigen Firma "Dr. Baum Immobilienmanagement GmbH" aus Berlin, baldige Besserung für die Mieter: "Derzeit werden die Bau- und Sanierungsleistungen ausgeschrieben, sodass mit einer Umsetzung ab Juli 2012 zu rechnen ist", sagt Wachsmuth. Überhaupt habe man mit der Sanierungs-Planung schon im vergangenen Jahr begonnen. Damit sollen dann Probleme mit der Haustür und Klingelanlage der Vergangenheit angehören.
Das Vertrauen ist eingeschränkt
Schuld an der ausgefallenen Heizung ist laut Wachsmuth der Hausmeister gewesen, der den Ölstand nicht regelmäßig kontrolliert habe. Bereits Ende vergangenen Jahres sei ihm daher gekündigt worden, der neue Hausmeister-Service hat nun am 1. April seine Arbeit aufgenommen. Außerdem soll wieder eine Mietersprechstunde eingeführt werden, in der die Bewohner quartalsweise ihre Probleme direkt ansprechen können. Weitere Vorwürfe wie der Schimmelbefall in einigen Wohnungen werde man prüfen - bisher sei nur eine betroffene Wohnung bekannt gewesen. Auch den Dauerbetrieb von Licht und Heizkörpern im Flur wolle man prüfen, heißt es.
Mieter Claus-Peter Jäger ist gespannt, ob den neuerlichen Ankündigungen auch Taten folgen. Nach den Versprechungen vor gut zwei Jahren ist das Vertrauen eingeschränkt.

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