Giersch : Unkrautvernichtung auf Parzelle 70

Die erste Ernte: Zwei Beutel voll mit Giersch - ein kulinarisches Fest, findet EN-Mitarbeiter Thomas Kelting.  Foto: planer (4)
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Die erste Ernte: Zwei Beutel voll mit Giersch - ein kulinarisches Fest, findet EN-Mitarbeiter Thomas Kelting. Foto: planer (4)

Nicht einmal pflanzen mussten wir - unsere erste Ernte fahren wir trotzdem schon ein: Giersch, der überraschend lecker schmeckt.

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04. Mai 2012, 08:53 Uhr

Elmshorn | Unkraut ist essbar - das hat wohl jeder von uns schon einmal gehört. Sei es im Fernsehen, auf den Ratgeberseiten irgendwelcher Illustrierten oder sogar im Bekanntenkreis. Aber wer setzt die bösen Pflanzen schon freiwillig im Garten aus? Schließlich drohen sie in kürzester Zeit schon die Gartenidylle zu zerstören. Das kann uns Jungkleingärtnern von Parzelle 70 nicht passieren. Zum einen haben wir ohnehin noch nicht allzuviel angebaut, zum anderen haben wir das seltene Glück, Giersch und anderes, angeblich schmackhaftes Unkraut quasi gratis geliefert bekommen zu haben: Es gedeiht ganz hervorragend auf unserem kleinen Paradies.
Somit haben wir nichts mehr zu verlieren. Her mit dem Unkraut, das angeblich so schmackhaft sein soll: Dies ist der Auftakt der Küchentipps aus dem EN-Kleingarten. Thomas Kelting, der in der Anzeigenabteilung der Elmshorner Nachrichten arbeitet, wird sein Wissen und seine kreative Küche in loser Reihenfolge vorstellen. Unsere erste Ernte: Giersch. Das kleine Pflänzchen scheint harmlos, tatsächlich ist es ein wahrer Wüterich im Garten. Sein tückisches Wurzelgeflecht gräbt sich rasant durch den Boden und verdirbt so manchem Gärtner den schönsten Tag. Nicht aber Thomas Kelting - er freut sich regelrecht über den üppigen Giersch-Bestand auf Parzelle 70. Mit gutem Grund: "Giersch ist sehr lecker, sein Geschmack erinnert ein bisschen an Petersilie und Spinat", erklärt er. Die Pflanze ließe sich ohne Probleme wie Spinat verarbeiten und zubereiten, insbesondere die jungen Blätter aber seien als Salat prima geeignet. "Je älter das Kraut wird, desto intensiver wird der Geschmack. Schließlich ist er nur noch wie Petersilie zum Würzen geeignet", sagt Kelting.
Das Unkraut enthält viele Mineralstoffe
Die Geschichte des kleinen Pflänzleins ist vielfältig: "Giersch ist ein altes Heilmittel. Früher wurde es verwendet, um gegen Rheuma und Gicht zu helfen", erklärt Kelting - ob es stimmt, sei aber dahingestellt. Fest steht aber: Giersch ist außerordentlich gesund. Das Unkraut enthält viele Mineralstoffe, etwa Kalium, Eisen und auch Vitamin C ist drin. "Außerdem ist er früh verfügbar. Er ist mit das erste, was draußen wächst und geerntet werden kann", erläutert Thomas Kelting. Kein Wunder, dass es früher sogar gezielt gepflanzt wurde.
Eine Verwechslungsgefahr bestehe übrigens hierzulande nicht. Die typische Form des Gierschs - die spitzen Blätter erinnern mit etwas Fantasie an einen Ziegenfuß - sind ziemlich einzigartig. "Wer Giersch einmal probiert hat, wird dieses wunderbare Wildkraut nie wieder ausrotten wollen. Es wird auch nicht mehr zur Plage, wenn es dann auf dem Speiseplan steht", verspricht Kelting.
Unter Beweis stellen will er das mit seinem ersten Rezept:
Giersch-Creme-Suppe
Genug der Theorie: Thomas Kelting weiß schon ganz genau, was er mit dem Giersch machen will. "Er lässt sich prima zu einer Suppe verarbeiten." Zusammen mit Kartoffeln ergebe das eine recht schmackhafte und ziemlich würzige Angelegenheit, die auch schnell und vor allem günstig zubereitet ist.
So einfach ist die Herstellung: "Zwiebeln und Knoblauch fein hacken, danach im Fett andünsten, bis die Zwiebeln glasig sind", erklärt Kelting. Dann das Mehl hinzugeben und mit Weißwein und der Brühe eine Mehlschwitze herstellen. Die Kartoffeln würfeln und in der Suppe garen. Achtung, jetzt kommt das Unkraut: Die Gierschblätter hacken und dazugeben. Der Tipp des Hobbykochs: "Um den Giersch möglichst schnell klein zu schneiden, sollte man ihn ein wenig zusammendrücken und einrollen." Das Schneiden ist wichtig, denn sonst könnten sich viele feine Fäden des Gierschs in der Suppe wiederfinden. Die Mischung kurz aufkochen und mit dem Pürierstab bearbeiten. Mit Salz, Pfeffer und Muskat kräftig abschmecken und erneut aufkochen lassen.
Danach vom Herd nehmen, erst die Sahne, danach die Eigelbe unterrühren - jetzt nicht mehr aufkochen lassen, sonst bildet das Eigelb Klumpen. "Zum Servieren können Bärlauchblüten als Deko auf die Suppe gegeben werden, dazu kann Stangenweißbrot gereicht werden", so Kelting.
Übrigens lässt sich das Suppenrezept ohne viel Aufwand in eine Sauce verwandeln: "Einfach mit nur 200 Milliliter Brühe ansetzen", rät Kelting - dazu würden Pellkartoffeln oder Spaghetti passen.

Ist Giersch-Creme-Suppe schmackhaft? Wir haben den Test gemacht, und unseren Kleingarten-Nachbarn die Suppe auf unserer Grillparty aufgetischt. Nach anfänglichen Berührungsängsten gab’s dann doch schnell zustimmendes Geschmatze.

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