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Elmshorner Nachrichten

23. August 2017 | 02:50 Uhr

Elmshorn : Uhlenhorster fühlen sich bedroht

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Wohnungsbaugenossenschaft Adlershorst will Gebäude abreißen – die Mieter aber wollen bleiben. Sie fühlen sich unter Druck gesetzt

Am Uhlenhorst geht die Angst um. Plötzliche Besuche, ständige Anrufe, Druck. „Man will uns loswerden“, sagt eine Anwohnerin. Die Bewohner der Häuser 4 bis 104 befürchten: Sie sollen schnellstmöglich aus ihren Wohnungen herausgeekelt werden, damit die sieben Häuserzeilen abgerissen und durch größere – und lukrativere – Neubauten ersetzt werden können.

Das jedenfalls werfen sie der Genossenschaft Adlershorst vor. „Wir werden alle paar Wochen angerufen und gefragt, ob wir denn endlich eine neue Wohnung hätten“, berichtet eine Anwohnerin, die aus Angst vor der Genossenschaft nicht namentlich genannt werden will. „Wenn ich die Nummer sehe, gehe ich schon gar nicht mehr ans Telefon“, auch ihre Post hole sie nur noch mit einem mulmigen Gefühl aus dem Briefkasten – zu oft schon habe sie unangenehme Mitteilungen ihres Vermieters erhalten. Plötzlich sollen auch Mitarbeiter der Genossenschaft aufgetaucht sein und das Gespräch mit den Mietern gesucht haben. Mittlerweile ist der Kontakt der Genossenschaft so eng, dass die Mieter sich eingeschüchtert fühlen. „Das ist Nötigung!“, sagt die Anwohnerin.

Wie viele ihrer Nachbarn erhält auch sie regelmäßig Wohnungsangebote der Adlershorst zugestellt. Gewünscht habe sie die zu keinem Zeitpunkt. Zumal es im Bestand der Genossenschaft offenbar kaum noch so günstige Wohnungen gibt. Einem Ehepaar soll eine nur 30 Quadratmeter große Wohnung angeboten worden sein. Ohne Badezimmer. Dafür mit Gäste-WC. Wer seine Wohnung aufgibt, soll eine Prämie von 500 Euro erhalten haben.

Dabei „fühlen wir uns am Uhlenhorst wohl. Unsere Häuser sind kleine Schmuckkästchen“, sagt die Frau, gerade weil die zweigeschossigen Häuser weit auseinander stehen und dicht eingewachsen sind. Hinzu kommt ein großer Keller, die Wohnungen im Erdgeschoss haben zudem noch einen Garten. Eben das soll der Genossenschaft ein Dorn im Auge sein: „Auf den Grundstücken könnten viel mehr Wohnungen stehen“, berichtet die Anwohnerin.

Mittlerweile haben die Betroffenen eine Mieterinitiative zum Erhalt der Häuser gegründet. 60 Parteien haben unterzeichnet. Andere sind bereits ausgezogen. Dabei hätten einige die Wohnungen sogar kaufen wollen – doch weil sie nicht im selben Haus wohnten, lehnte die Adlershorst dies ab. Die Mieter sind enttäuscht. „Wir sind in einer Genossenschaft – so kann man uns doch nicht behandeln.“ Doch die Angst sitzt tief. Die Initiative trifft sich geheim. Schon einmal war der Adlershorst ein Termin bekannt geworden, die Sitzung wurde verschoben.

Zwei der sieben Blocks sollen abgerissen werden
 

Mittlerweile hat sich auch die Politik eingeschaltet. Der Grünen-Stadtverordnete Rainer Naske besuchte gemeinsam mit der Bürgermeisterkandidatin Katja Wolframm die Bewohner. „Wir müssen prüfen, ob wir eine Veränderungssperre erwirken können“, sagt Naske, der sich für die Anwohner einsetzen will.

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte die Adlershorst das Neubauvorhaben. Die Wohnungen seien „aufgrund ihrer Wohnungsgrößen und -Schnitte und insbesondere wegen ihres Energiestandards nicht mehr zeitgemäß“. „Eine umfangreiche energetische Modernisierung sowie Überarbeitung der Grundrisse der 102 Wohnungen ist wirtschaftlich nicht darstellbar“, sagt Vorstandsmitglied Uwe Wirries.

Den Kontakt mit den Mietern beschreibt das Unternehmen als „intensiv“. „Oberste Priorität haben für uns – neben der grundsätzlichen Wirtschaftlichkeit der Objekte – die Bedürfnisse der jetzigen Quartiersbewohner“, sagt Vorstandsmitglied Holger Reißweck. Seit 2010 sei man im Kontakt, um die Wünsche der Mitglieder zu eruieren und sie über den Planungsstand auf dem Laufenden zu halten. „Dies geschieht in Einzelgesprächen mit jedem Mieter.“

Konkret plane die Genossenschaft, zunächst zwei der sieben Blocks abzureißen und die Fläche neu zu bebauen. Derzeit sei geplant, „zeitgemäßen, öffentlich geförderten Wohnungsbau“ entstehen zu lassen – wie auch schon in der Reeperbahn mit dem Smart Ideenhaus. Neben einer höherwertigen Ausstattung sei der Grundriss „attraktiv“ und die besseren Energiestandards von Vorteil.

„Für uns ist vor allem eins wichtig: Wir wollen Lösungen mit unseren Mitgliedern gemeinsam finden. Dies geht nur in vielen Gesprächen, in denen wir erklären, warum bestimmte Dinge notwendig sind. Als Genossenschaft handeln wir für das Wohl unserer Mitglieder und nicht dagegen“, erklärt der Vorstand weiter.

Doch die Mieter am Uhlenhorst verfolgen vor allem eines: Sie wollen sich für den Erhalt ihrer Blocks einsetzen – nicht zuletzt wegen der Gartenflächen. „Etwas vergleichbares kriegt man in Elmshorn nicht mehr. Und schon gar nicht zu dem Preis“, sagen die Mitglieder der Initiative. Sie hoffen, den Abriss noch abwenden zu können – und wenden sich an die Elmshorner Politik.

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erstellt am 24.Aug.2013 | 00:35 Uhr

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