Ueberhorst-Runde: Debatte über die Wachstumsfrage

Gastgeber Reinhard Ueberhorst (2. v.r.) mit einigen der Teilnehmer des Gesprächsabends. Von links: Tom Koenigs, Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte des Deutschen Bundestages, Dr. Hans-Jürgen Urban, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes IGMetall, der Buchautor Dr. habil. Reinhard Loske, Professor Dr. Claus Offe, Soziologe und Politikwissenschaftler und Professor Dr. Dieter Läpple, Ingenieur, Ökonom und Stadtforscher. Foto: Völz
Gastgeber Reinhard Ueberhorst (2. v.r.) mit einigen der Teilnehmer des Gesprächsabends. Von links: Tom Koenigs, Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte des Deutschen Bundestages, Dr. Hans-Jürgen Urban, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes IGMetall, der Buchautor Dr. habil. Reinhard Loske, Professor Dr. Claus Offe, Soziologe und Politikwissenschaftler und Professor Dr. Dieter Läpple, Ingenieur, Ökonom und Stadtforscher. Foto: Völz

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17. August 2012, 03:59 Uhr

Elmshorn | Seit drei Jahrzehnten gibt es sie - die "Elmshorner Gesprächsabende" im Beratungsbüro von Reinhard Ueberhorst. Jeder Gesprächsabend ist ein Gesprächsexperiment, aus dessen Verlauf die Teilnehmer etwas lernen wollen, was nur im fach- und denkschulenübergreifenden Gespräch gelernt werden kann.

Für jeden dieser Abende entwickelt der Gastgeber eine Fragestellung, die alle erstmals in einer fachlich, ethisch, politisch gut gemischten Runde erkunden. Die persönlich eingeladenen Teilnehmer der über die Jahre immer wieder neu gemischten Runden sind Wissenschaftler verschiedener Disziplinen aus deutschen und europäischen Universitäten, Persönlichkeiten aus Unternehmen, Ministerien, Gewerkschaften, Kirchen, NGOs, Umweltschutzverbänden, Journalisten überregionaler Zeitungen und Politiker verschiedener Parteien. Diese Mischung ist neben dem kooperativen Kommunikationsstil und der guten Fragestellung die wichtigste Voraussetzung, um das angestrebte produktive Gespräch erreichen zu können.

Die langen Gesprächsabende sind die kleinste Arbeits- und Projektform in dem Beratungsbüro für diskursive Projektarbeiten. Über die Jahrzehnte ist die Reihe aber zu einem großen Diskursprojekt geworden, das auch als solches seine Anerkennung findet. Zuletzt in Publikationen des Bielefelder Historikers Joachim Radkau und der in Italien lehrenden neuseeländischen Politikwissenschaftlerin Patricia Springborg.

In diskursiven Projektarbeiten geht es im Kern immer darum, komplexe Kontroversen besser zu verstehen und Verständigungsmöglichkeiten zu erkunden und zu erschließen. Eine solche große Herausforderung ist in unserer Zeit die Wachstumsfrage, mit der ein komplexes Bündel von ökologischen, ethischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Fragen zu klären ist, auf die es keine einfache, wissenschaftlich richtige oder politisch alternativlose Antwort gibt. Um diese verständigungspolitische Dimension der wachstumspolitischen Kontroverse ging es auf dem letzten Gesprächsabend. Die Fragestellung hatte der Gastgeber mit den zwei letzten Büchern von Reinhard Loske entwickelt.

Der promovierte Ökonom und habilitierte Politologe ist ein Grenzgänger zwischen Wissenschaft und praktischer Politik. Bekannt geworden ist er in den 1990er-Jahren als Leiter Forschungsgruppe "Zukunftsfähiges Deutschland" im Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Danach war er neun Jahre Mitglied im Bundestag und vier Jahre, bis 2011, Bremer Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa. Zuletzt veröffentlichte er 2010 und 2012 die beiden kleinen Bücher "Abschied vom Wachstumszwang. Konturen einer Politik der Mäßigung" und "Wie weiter mit der Wachstumsfrage?".

Die große Qualität dieser Texte, so Ueberhorst, liege im überzeugenden Nachweis, warum ein vertieftes und politisch folgenreiches Nachdenken über die Wachstumsfrage geboten und überfällig ist. Die Bücher erhellten "die Größenordnung der Veränderungsnotwendigkeiten" und deren kulturelle Dimension.

Sehr vorsichtig formuliert der Autor am Ende seines zweiten Buches seine Vorstellung einer gelingenden Diskussion über diese Vielfalt von Denkansätzen: "Vielleicht kann es perspektivisch sogar gelingen, im Umgang mit der Wachstumsfrage eine gesellschaftliche und auch eine transnationale Verständigung zu erreichen."

Die Diskussion, so Loske, sei heute eine andere als in den 70er-Jahren, als sich Wachstumsbefürworter und -kritiker in zwei Lagern gegenüberstanden, sich wechselseitig kritisierten und aneinander vorbei geredet hätten. Es gebe auch heute noch unbeirrbare Wachstumsbefürworter, die ökologische Ziele als Jobkiller, Wettbewerbsbeschränkung oder Innovationsbremse sähen. Dieser Gruppe stehen aber verschiedene andere gegenüber, die sehr unterschiedlich dächten. Eben dies verdeutlichte auch das Gespräch auf dem Elmshorner Gesprächsabend. Wer dies genauer erfahren möchte, kann bei Reinhard Ueberhorst einen detaillierteren Bericht über das Gespräch abfordern. Per E-Mail an ueberhorst.beratungsbuero@t-online.de.

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