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Elmshorn : Überfüllte Busse: Lösung mit Gelenk

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Größeres Fahrzeug soll auf der Linie 6501 während des Berufsverkehrs für Entlastung sorgen. Erster Einsatz am 14. Dezember.

Elmshorn | Überfüllte Busse? Hier ist alles leer. Nur zwei Schülerinnen sitzen auf der hinteren Bank und beschäftigen sich mit ihren Smartphones. Ist das vielleicht die falsche Linie? 6501, also die richtige. Der Bus fährt um 7.03 Uhr ab Kibek in Richtung Bahnhof. Eine Route, die viele Pendler benutzen. Aber an der Haltestelle wartet niemand auf den Bus, niemand steigt ein. Stimmt es denn, dass diese Linie überfüllt ist? „Ja“, sagt Busfahrer Peter Süssle. „Besonders im Winter, so in den Monaten Oktober bis März. Und wenn es regnet, dann erst recht.“ Es regnet.

An der nächsten Haltestelle steigen ein paar Leute zu. Drei Schüler, eine alte Dame und ein Mann mittleren Alters. Viele der Fahrgäste seien Schüler, die meisten aber Pendler, die zum Bahnhof müssen, sagt Süssle. „Teilweise müssen wir leider Menschen stehen lassen“, sagt der Busfahrer. Er fährt seit Oktober 2011 Bus in Elmshorn, und die Linie 6501 besonders häufig.

Nach zehn Minuten Fahrt füllt sich der Bus langsam. Es sind zwar nie viele, die zusteigen, aber die Sitzplätze werden merklich weniger. Plötzlich, am Hainholzer Damm, strömen 25 Schüler in den Bus wie Wasser in das Leck eines Schiffes. Wer danach noch einen Sitzplatz sucht, ist in diesem Bus falsch.

Um alle Pendler von A nach B zu bringen, wird im Winter bereits ein so genannter Verstärker eingesetzt. Dieser Bus fährt ab Hainholz zwei Minuten vor dem eigentlichen. Mit ihm versucht „Die Linie“, der Betreiber der Busse in Elmshorn, besonders im Winter, die Strecke zwischen Kibek und Bahnhof zu entlasten.

Langsam werden nicht nur die Sitz-, sondern auch die Stehplätze knapp. Die Luft wird stickig, die Scheiben beschlagen und es wird warm. Nicht auszudenken, wie es in dem Verstärker-Bus, der bereits einen Großteil der Fahrgäste eingesammelt hat, zugeht.

Ab dem 14. Dezember will „Die Linie“ einen Gelenkbus auf der Strecke einsetzen, um das Problem zu lösen. Gründe dafür seien zweierlei: „Zum einen die zunehmende Masse an Beschwerden über zu volle Busse. Zum anderen die Fahrgastzählungen, die wir jährlich durchführen“, sagt Claudius Mozer, Geschäftsführer der Südholstein Verkehrsgesellschaft. Schon länger befasse man sich mit dem Problem. „Das muss ja auch akkurat geplant werden“, sagt Mozer. Seit der ersten Jahreshälfte werde konkret geplant.

„Das wäre schön, wenn der Bus größer wäre“, sagt ein Fahrgast. Und obwohl die Frau nur an Regentagen fährt, bemerkt sie die Überfüllung deutlich. Und nicht nur sie: „Manchmal stehen die Leute dicht an dicht, da kommt man nicht mehr durch“, sagt Kerstin Seiding. Sie fährt jeden Mittwoch mit der Linie. „Besonders schlimm ist es in den Bussen, die um 6.33 und 7.03 fahren“, erzählt sie. Auch die Busse, die in der Mittagszeit fahren, seien überlastet.

Busfahrer Peter Süssle ist zuversichtlich, dass der neue Gelenkbus, der nach Werksangaben 120 bis 130 Personen befördern kann, für Entlastung auf der Linie 6501 sorgt. Auch Claudius Mozer ist optimistisch: „Mit dem neuen, größeren Bus haben wir nun hoffentlich ausreichend Kapazität.“

Es wird warm im Fahrzeug

Um 7.22 Uhr, fast 20 Minuten nach Fahrtbeginn, schaltet der Busfahrer die Klimaanlage ein, zu warm ist es in dem Fahrzeug geworden. Der Bus ist inzwischen so voll, dass einige Fahrgäste nur noch Platz zwischen den Schranken im Eingangsbereich finden. Zum Platzmachen ist es zu voll: Rucksäcke und Taschen füllen die paar Hohlräume aus, die es noch gibt.

Dass die Busse dermaßen überlastet sind, überrascht Mozer. „Unsere letzte Auswertung liegt schon ein wenig zurück, aber da hat es lediglich morgens zu einer bestimmten Zeit Probleme gegeben.“ Der neue Bus soll nicht nur die Linie 6501 entlasten, sondern das gesamte Netz. Der Verstärker könne dank des neuen Busses dann frei eingesetzt werden. „Wir schaffen uns damit Handlungsspielraum, pumpen quasi ein wenig Luft ins System“, sagt der Geschäftsführer.

Als der Bus am Bahnhof ankommt und sich die Türen öffnen, strömen so gut wie alle Fahrgäste hinaus. Er ist jetzt wieder genau so leer, wie zu Beginn der Fahrt. Aber in die andere Richtung – zurück zu Kibek – wird es nicht besser. Die Linie 6502 quillt vor lauter Schülern beinahe über. Es ist laut und riecht nach zu viel Deo und Parfüm. Dazu kommt, dass die Luft noch stickiger ist als im Bus davor, die Temperatur noch höher. Ein Junge, der am Fenster sitzt, wischt das Kondenswasser von der beschlagenen Scheibe, um etwas anderes zu sehen als Menschen.

Aber diese Linie erhält vorerst keine Hilfe – der neue Gelenkbus, der zunächst bis zum Frühjahr im Einsatz ist, fährt nur auf der 6501. „Für die anderen Fahrten lohnt es sich nicht, die Betriebskosten sind deutlich höher“, sagt Mozer. Die Stadt zahlt für den Betrieb des Gelenkbusses 12.000 Euro mehr als für den eines normalen Busses.

„Darf ich bitte einmal durch?“, fragt jemand, als der Bus am Adenauerdamm hält. Dürfen? – Ja. Aber es gibt keine Möglichkeit, jemanden durchzulassen. Mit Mühe drängt sich die Person zwischen den anderen Fahrgästen durch. Am Ramskamp steigen schließlich alle aus. Der Lärm und das Gedränge sind mit einem Mal weg. Es gibt wieder Platz, um sich zu bewegen.

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