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Die Krückau hinauf : Über die Fracht der "Klostersande"

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erstellt am 18.Mai.2013 | 09:17 Uhr

Elmshorn | Jetzt ist sie da, die "Klostersande". Das Einlaufen in ihren früheren Heimathafen ist nach fast 13 Jahren "in der Fremde" zu einem beeindruckenden Ereignis geworden. Doch die Visite des Frachters ist auch unter einem anderen Aspekt etwas Besonderes: 1676 Reisen hat die "Klostersande" in 32 Jahren für die Köllnflockenwerke unternommen, fast immer hat sie Hafer nach Elmshorn gebracht - so gut wie nie ist sie mit leeren Luken die Krückau hinauf gekommen. Diesmal war es anders.

Die "Klostersande" kam zwar unbeladen, aber dennoch mit viel Fracht in den Hafen: Tonnenweise Nostalgie, ein gutes Stück Elmshorner Geschichte und eine gehörige Portion jener unbeschreiblichen Mischung aus Fernweh und Heimatverbundenheit hatte sie an Bord - eine Fracht, die nicht für jeden sichtbar ist, deren Wert es aber trotzdem gut abzuwägen gilt.

Klar ist: Diese besondere Fracht der "Klostersande" kann nicht gelöscht werden. Sie ist fest mit dem Schiff verbunden, wie das Schiff mit Elmshorn und dem Stadtteil, dessen Namen sie trägt. Wer die Ladung will, muss das Schiff wollen. Und er muss es in Schuss halten, muss die "Klostersande" pflegen und mit Leben füllen. Ansonsten geht alles über Bord.

Es braucht also Menschen, die sagen: "Ja, das ist mein Schiff!" Und von diesen Menschen braucht es viele. Denn: Die "Klostersande" ist kein Billigdampfer, sondern eine "Lady", die unterhalten sein will. Ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt, eine Perle im Hafen, ein schwimmendes Kulturdenkmal - wie immer es auch genutzt werden mag - gibt es nicht umsonst und auch nicht kostenlos. Das wissen nicht nur die Förderer von Elmshorns historischem Ewer "Gloria".

Trotz allem: Eine Reihe von Frauen und Männern in Elmshorn stellen jetzt gerade diese Frage: Was ist uns die "Klostersande" wert? Wollen und können wir sie als ein Wahrzeichen der Stadt in ihrem Heimathafen halten oder müssen wir sie mitsamt ihrer Fracht wieder ziehen lassen? Wie nutzen wir das Schiff und lohnt das alles überhaupt?

In einer Stadt, in der vor gut 100 Jahren die Bürger sogar ihre Kirche abreißen wollten, um einen größeren Marktplatz zu haben, scheint die Antwort programmiert. Aber Elmshorn ist älter geworden, gut 100 Jahre später stehen die Kirche und selbst das Rathaus noch. Und die "Klostersande" liegt noch für einige Wochen im Hafen. Unbeladen.

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