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„Tag der Architektur“ : Trotz Vorurteilen: Elmshorn hoch im Kurs

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Elmshorn stand mit zwei Führungen in Neubauten trotz aller Vorurteile eines „hässlichen Stadtbildes“ hoch im Kurs: Das neue Kirchliche Zentrum in der Kirchenstraße und das neue Werkstattgebäude der Beruflichen Schule am Steindamm wurden für den Tag ausgewählt

Elmshorn | Die Architektur nimmt unter den großen Künsten wohl einen besonderen Stellenwert ein. Denn ihr Wirken besteht aus ihrer Zweckmäßigkeit und einem autonomen Kunstwerk, Kunst als zweckmäßiger Gebrauchsgegenstand, gelenkt von wissenschaftlichen Elementen der Geometrie und Proportionsverhältnissen, vollendet im ästhetischen Bauwerk. Dass die Menschheit in den letzten Jahrhunderten einige imposante und beeindruckende Bauten hervorgebracht hat, liegt auf der Hand.

Gestern wurde in Schleswig-Holstein der „Tag der Architektur“ begangen und sogar Elmshorn stand mit zwei Führungen in Neubauten trotz aller Vorurteile eines „hässlichen Stadtbildes“ hoch im Kurs: Das neue Kirchliche Zentrum in der Kirchenstraße und das neue Werkstattgebäude der Beruflichen Schule am Steindamm wurden für den Tag ausgewählt. Damit die neuen Gebäude aber auch von den Elmshornern im Detail begutachtet und erforscht werden können, wurden zwei Führungen durch die neuen Stadtbilder veranstaltet.

Den Vorsprung hatte Architekt Nils Dethlefs von „ppp Architekten und Stadtplaner“ aus Lübeck am Sonnabendmorgen mit der Vorstellung des neuen Werkstattgebäudes der beruflichen Schulen. Er führte die Besucher durch sein „persönliches Kunstwerk“, indem die Kunst vor allem darin besteht, die zahlreichen Werkzeuge, Maschinen und weitere Ausbildungsgegenstände der Auszubildenden in zweckmäßigen aber auch ästhetisch ansprechenden Werkstätten einzubinden. Eine große Herausforderung war dabei die Größe der Räume, denn einen 150 Quadratmeter großen Saal adäquat zu belichten, will gelernt sein. Gelöst wurde das Problem im oberen Geschoss mit Schrägen und hohen Wänden, an denen sich zum oberen Abschluss große Fenster befinden, die für genügend Sonnenlicht beim Lernen und Arbeiten sorgen.

Doch neben der praktisch-orientierten Ausrichtung besticht das Gebäude vor allem durch die ästhetisch-inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Alltagsgeschehen. So sind Rohre und Leitungen nicht vollständig verkleidet worden und fügen sich ganz in den modernen industriellen Charme einer Werkstatt ein.

Ganz anders präsentiert sich das Kirchenzentrum an der St. Nikolai Kirche. Die Gemeinsamkeit der Bauwerke ist wohl die Vorliebe für Klinker, aber dort, wo im Werkstattsgebäude diverse geometrische Formen und Materialen die Außenfassade bestimmen, erstreckt sich das Kirchenzentrum geradlinig, glatt, statisch. Dass dies nicht alle Elmshorner begeistert, ist bei der Führung am Nachmittag durch die Architekten Patricia Warnke und Thomas Ritscher von „GRS Reimer Architekten“ spürbar. „Hier fehlt doch das Grüne, das Gebäude erschlägt einen förmlich“, sind nur einige Einwürfe zu dem imposanten Neubau. Aber Warnke und Ritscher verteidigen ihren Entwurf, denn letztendlich handele es sich immer noch um geförderten Wohnungsbau und die Herausforderung, Kirchenzentrum, Büros und Wohnungen in eine finanziell überschaubare Gesamtlösung zu integrieren. Deshalb wurden die Mauern bis zu den Grundstücksgrenzen gebaut, grüne und florale Elemente, sogar ein begrüntes Dach sind aus Kostengründen gestrichen worden.

Dass es sich aber trotzdem hervorragend wohnen und leben lässt, bestätigt Rita Gehrts, die eine der 23 Wohnungen bezogen hat. Sie fühle sich sehr wohl in ihrer Wohnung und der Laubengang, der die Wohnungseingänge miteinander verbindet, fördere das Gemeinschaftsgefühl. Und an dem Blick auf Mülleimer, graue Hinterhöfe und fremde Balkone kann sicherlich mit der Zeit auch durch den Kirchenkreis und die Stadt „grüne Abhilfe“ geschaffen werden. Denn manchmal braucht ein Gebäude auch ein bisschen Zeit, sich im Stadtleben einzufinden.

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erstellt am 12.Jun.2017 | 16:20 Uhr

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